Kunstwettbewerb der Stadt Dornbirn und der Pfarre St. Martin schafft Ort des Gedenkens

Bild rechts: Sieben Betonröhren verweisen ab Herbst 2012 im Park vor dem Dornbirner Pfarrhaus auf das, was ist und auf das, was nur erahnt werden kann.

Der Bregenzer Künstler Hubert Matt wird bis Herbst 2012 in Dornbirn St. Martin einen Ort der Erinnerung entstehen lassen - vielschichtig und tiefgründig.

von Veronika Fehle

Lage, Schicht, Schichtung, Ebene - das sind, will man der Übersetzung trauen, Layer. Kunst und Geschichte geschichtet, das gibt es beim Bregenzer Hubert Matt, der den Carl Lampert-Kunstwettbewerb für sich entscheiden konnte und sein Projekt ist nicht nur reich an Schichten, sondern trägt diese auch schon im Titel. Layer, so der Name.

Gedenkkultur im Aufwind
Mit der Seligsprechung des Vorarlberger Märtyrers Carl Lampert erhielt die Gedenkkultur  erst kürzlich ordentlich Rückenwind. Es wurde erinnert und damit fortgesetzt, was seit 2004 und dem Projekt „Carl Lampert erinnern“ eine feste Form bekommen hatte. Ein Ergebnis dieses großen Erinnerns ist nun der Kunstwettbewerb, den die Pfarre Dornbirn St. Martin gemeinsam mit der Stadt Dornbirn und der Diözese ausgeschrieben hatte.
Vier Vorarlberger Künstler waren eingeladen worden, einen Gedenkort für Dornbirn St. Martin zu konzipieren. Erst kürzlich fand die entscheidende Jurysitzung statt und nun steht fest, dass bis Herbst 2012 Hubert Matts „Layer“ im kleinen Park zwischen Kirchturm und Pfarrhaus realisiert werden wird.  „Layer“ spielt mit den Facetten, mit den Ecken und Kanten, die auch die Persönlichkeit Carl Lamperts bestimmten und löst sich im selben Moment von ihnen, um zu einer allgemeineren Gültigkeit des Gedenkens zu gelangen.

Reales und Ideales
In das bestehende, leicht abfallende und natürlich unebene Gelände setzt Hubert Matt sieben Betonröhren, die ein bis sieben Zentimeter aus dem Erdreich herausragen. Im Unterirdischen reichen sie bis zu 69 Zentimeter in die Tiefe, untergraben das Bestehende, bilden in der Höhe eine Ebene und spielen so mit Realität und Imagination. Was unter der Grasnarbe liegt, bleibt verborgen. Die Existenz des Verborgenen bleibt ein Ding des Glaubens, des Erahnens.

„,Layer‘ leugnet das Gegebene nicht, es spielt damit und setzt dem Realen gleichzeitig etwas Ideales entgegen. Das erzeugt nicht mehr und nicht weniger als Sichtbarkeit, Wahrnehmbarkeit, Ungewissheit, Rätsel, Dialog und Konfrontation“, erklärt Hubert Matt, der an der Fachhochschule Dornbirn Design und Designtheorie unterrichtet.

Hubert Matts Gedenkort verschließt sich nicht der Verbindung mit Carl Lampert und seinem Lebenszeugnis des Mutes, der Zivilcourage und der Menschlichkeit. Hubert Matts „Layer“ reicht aber darüber hinaus und sucht ganz allgemein nach dem, was sichtbar ist, was verborgen bleibt, nach Realität und Idealen und jenen Punkten, an denen sich die beiden Pole treffen. Die Antworten darauf sind dann mindestens so vielschichtig wie die Fragen, die damit gestellt werden. 

Zur Sache

Im Zusammenhang mit der Seligsprechung des Vorarlberger Märtyrers Carl Lampert schrieb die Pfarre Dornbirn St. Martin gemeinsam mit der Diözese Feldkirch und der Stadt Dornbirn einen Kunstwettbewerb aus. Bespielt werden sollte der kleine Park zwischen Martinskirche und Pfarrhaus, um dort einen Ort des Gedenkens entstehen zu lassen. Kürzlich trat die neunköpfige Jury aus Vertretern des Kunst- und Kulturbereichs und der Pfarre St. Martin zusammen. Nun steht fest, dass die Installation „Layer“ des Bregenzers Hubert Matt bis Herbst 2012 realisiert werden wird.

Voraussetzung für die eingereichten Projekte war, dass sie witterungsbeständig und wartungsfrei sind und energieautark betrieben werden können. Der Kunstwettbewerb ist mit 25.000 Euro dotiert.

Juryentscheid
„,Layer‘ setzt dem seligen Carl Lampert kein Denkmal, sondern eröffnet einen spezifischen ,Denkort‘, einen Erinnerungsort. ,Layer‘ nimmt auf den sensiblen Ort zwischen Marktplatz und Kirche Bezug und erweitert diesen Raum. Die durch das Kunstwerk neu entstehende imaginäre Ebene lässt den Erinnerungsort dazwischen entstehen. (...) Der Bezug zu Carl Lampert wird durch eine noch zu gestaltende freistehende Tafel hergestellt. ,Layer‘ erinnert an psychotherapeuthische Aufstellungsarbeit. Systeme werden sichtbar gemacht, auch die un- und unterbewussten, die hier von den Kanaldeckeln dargestellt werden“, so die Begründung der Jury, der u. a. Susanne Fink, Roland Jörg, Wolfgang Ritsch, Walter Buder und Pfarrer Josef Schwab angehörten.
Der Bregenzer Künstler Hubert Matt wurde 1959 geboren, lehrt u.a. an der Fachhochschule in Dornbirn und leitet die Hohenemser Sommerakademie. Arbeiten Hubert Matts waren heuer u. a. im Bildungshaus Batschuns zu sehen.

Von Marianne Springer veröffentlicht am 15.12.2011

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