Veranstaltungsreihe "Muslime und Christen im Gespräch": erste Veranstaltung zum Thema "Hochzeit" fand in Brederis statt. Es berichtet Simone Rinner.
Der schönste Tag im Leben ist für die meisten Menschen der Hochzeitstag. Dafür werden weder Kosten noch Mühen gescheut - das gilt sowohl für Christen, als auch für Muslime. Bei einem bunten Abend konnten sich Anhänger der beiden Religionen ein Bild davon machen, wie Heiraten auf türkisch bzw. bei Christen geht.
Nur 100 Gäste? Angesichts dieser Zahl muss der junge muslimische Ehemann schmunzeln. Kein Wunder, erschienen zu seiner Hochzeit doch zehnmal so viele. „Bei uns kommen nicht nur diejenigen, die eine Einladungskarte erhalten haben”, erklärt seine Frau Serap, „jeder bringt noch ein paar Gäste mit. Das ist so üblich.”
So feiern wir Hochzeit
Anlass über Brauchtümer, Abläufe und Symbole bei Hochzeiten zu sprechen, gab die Veranstaltungsreihe „Muslime und Christen im Gespräche”. Eröffnet wurde die Reihe - veranstaltet von der Pfarre Rankweil, dem Katholischen Bildungswerk Brederis, der Österreichisch-türkisch-islamischen Gemeinschaft Brederis (ATIP) und dem Integrationsbeirat der Marktgemeinde Rankweil - mit dem Thema „So feiern wir Hochzeit!”
Türkische Süßigkeiten, parfümiertes Handwasser sowie Buchszweige stimmten in Brederis in das Thema des Abends ein. Ebenso fehlten Sekt und Tee nicht: Die Liebe geht auch durch den Magen. (Bild: flickr.com)
Zwei Paare erzählen
Rund 80 Interessierte waren der Einladung in den Bresnersaal in Brederis gefolgt und ließen sich von den beiden Paaren Serap und Ferhat sowie Elisabeth und Paul Einblick in ihre persönlichen Hochzeitserinnerungen geben: Von der Verlobung über den Polterabend bzw. die „Hennanacht“ bis hin zum eigentlichen Festtag. Schnell wurden Unterschiede, aber auch einige Gemeinsamkeiten festgestellt.
In beiden Kulturen findet vor der Hochzeit ein Polterabend bzw. eine Hennanacht statt, in der vom Junggesellendasein Abschied genommen wird. Während bei den Christen meist ausgelassen gefeiert wird, fließen bei den Türkinnen viele Tränen - schließlich ist es der Abschied von Elternhaus. Im Mittelpunkt steht das Bemalen der Handflächen der Braut mit dem roten Farbstoff Henna, der Fruchtbarkeit symbolisiert. Generell wird Symbolen sowohl bei türkischen, als auch bei christlichen Hochzeiten große Bedeutung beigemessen.
Sakrament und Gebet
Ein wesentlicher Unterschied ist die Hochzeit selbst: Während bei türkisch-stämmigen Muslimen großer Wert auf die standesamtliche Heirat gelegt wird, ist für viele Christen die Feier in der Kirche wichtig. „Wir wollten Gottes Segen” erklären Elisabeth und Paul ihre Beweggründe. Eine christliche Hochzeit findet meist im Rahmen einer Eucharistie-Feier statt, erzählt Pfarrer Norman Buschauer. Das Brautpaar spende sich gegenseitig das Sakrament der Ehe und der Priester fungiere dabei - mit zwei weiteren Personen - als Trauzeuge.
Bei türkischen Hochzeiten ist der Segen des Imam zwar von großer Bedeutung. Doch von einem sakramentalen Geschehen im engeren Sinn kann nicht gesprochen werden. „Die Hochzeit ist mehr ein ritueller Part, als ein religiöser” erklärt Imam Ömer Kayhan. Das Hochzeitsvideo von Serap und Ferhat zeigt die Gäste beim Beten im Treppenhaus - an der Schwelle zur elterlichen Wohnung, die die Braut nun verlässt. Für Christen ist das ein befremdlich anmutendes Bild. Gemeinsam mit dem Imam beten die Hochzeitsgäste , dass die Braut im neuen Zuhause gut ankommt und eine glückliche Ehe führen kann. „Beten kann man überall”, so Kayhan.
Regelmäßiger Kontakt
Von Spannungen zwischen Muslimen und Christen ist an diesem Abend im Bresnersaal nichts zu spüren. Gemeinsam werden die andere Kultur, ihre Riten und Herangehensweise an das Thema Heiraten erforscht. Ein Erfolg, der sich auf das Engagement der Veranstalter zurückführen lässt. Seit über sieben Jahren besteht der Kontakt zwischen der christlichen und den muslimischen Gemeinden in Rankweil und Brederis bereits. Immer wieder erfolgen gegenseitige Einladungen, die auch gerne wahrgenommen werden.
Brücken bauen
Mit etwa 31.000 Personen hat Vorarlberg im österreichweiten Vergleich den größten Anteil an Muslim/innen in Relation zur Landesbevölkerung. In Rankweil-Brederis leben etwa 2.150 Einwohner, davon rund 1.200 Katholik/innen und 480 Muslim/innen. Neben der katholischen Pfarre gibt es die türkisch-muslimische Gemeinde. „Es findet ein reger Austausch statt”, erzählt Pfarrer Antony Payyapilly. Vor drei Jahren hat er die Seelsorge für die Pfarrgemeinde Brederis übernommen und steht in Kontakt mit dem Imam der ATIP-Gemeinde. >> Interview
Muslime und Christen im Gespräch
Im Herbst 2011 wird die Veranstaltungsreihe mit dem Thema „So trauern wir um Verstorbene” fortgesetzt. Als weitere Stationen sind für 2012 „So feiern wir die Geburt eines Kindes” und „So feiern wir das Dazugehören zur Glaubensgemeinschaft” geplant.
Neben vielen freiwilligen Helfern trägt auch der Solidaritäts- und Entwicklungsfond der Diözese Feldkirch mit seiner finanziellen Unterstützung zum Gelingen des Projektes bei. „Durch das Zusammenleben mit Migrant/innen werden die Pfarren vor neue Herausforderungen gestellt.“ erklärt Margot Metzler von der Projektgruppe. „Die Diözese Feldkirch hat dies erkannt und unterstützt das Projekt“.
Simone Rinderer
Interview
Antony Payyapilly, Pfarrer in Brederis,
über seine Zusammenarbeit mit der Österreichisch-türkisch-islamischen Gemeinschaft Brederis (ATIP), über Hindernisse und über das Brückenbauen.
Austausch der Kulturen
Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit der ATIP?
Wir versuchen immer wieder miteinander in Kontakt zu treten und es findet ein reger Austausch statt - vor allem, wenn eine Veranstaltung ansteht. Mir ist wichtig, dass die Brücke von beiden Seiten gebaut wird und das funktioniert in diesem Fall sehr gut.
Wo liegen Berührungspunkte?
Der Imam der muslimischen Gemeinde und ich kommunizieren auf der Ebene der Religion. Er zeigt reges Interesse und möchte vor allem wissen, wie Hochzeiten oder auch Beerdigungen vonstatten gehen. Wir befinden uns noch in der Phase des Kennenlernens - es ist wirklich eine Berührung, ein Herantasten.
Gibt es regelmäßige Treffen?
In der Regel treffen wir uns etwa zwei Mal im Jahr. Anlass dazu bieten die Veranstaltungen, die uns Einblick in die andere Kultur geben.
Gibt es Konflikte?
Nein, Konfliktpotential haben wir keines - allerdings haben wir mit einer sprachlichen Barriere zu kämpfen, da der Imam noch kein Deutsch spricht. Er ist aber bemüht, die Sprache zu lernen. Wir behelfen uns derzeit mit einer Dolmetscherin.
(aus KirchenBlatt Nr. 21 vom 29. Mai 2011)
Von Marianne Springer veröffentlicht am 25.05.2011

