Eine bald Selige: Hildegard Burjan. Von Simone Rinner.
Bild rechts:
Hildegard Burjan inmitten der ersten Mitglieder der Schwesterngemeinschaft.
Am 29. Jänner 2012 wird sie seliggesprochen.
Grüßen Sie mir das schöne Ländle“, sagt Schwester Mathilde Mayr zum Abschluss des Gespräches. Zwölf Jahre lebte die gebürtige Südtirolerin in Vorarlberg und baute dort als Pionierin die Altenpflege auf.
Sr. Mathilde ist eine der vielen Schwestern, die in Vorarlberg Spuren der katholischen Ordensgemeinschaft für Frauen - der Caritas Socialis (CS) - hinterlassen hat. Die Aufgabengebiete der zahlreichen Schwestern waren dabei vielfältig und erstreckten sich von der Altenpflege und der Hauskrankenpflege über den Kinderhort bis hin zur Bahnhofsmission.
„Die Liebe Christi drängt uns...“ lautet der Wahlspruch, den Gründerin Hildegard Burjan der CS als Leitmotiv gab. Und so „drängte“ es Sr. Mathilde 1972 nach Vorarlberg, wo sie bei ihren Hausbesuchen als Altenpflegerin feststellte, dass in Feldkirch zwar viele ältere Menschen leben, diese aber an Isolierung und altersbedingter Verwahrlosung leiden würden. Kurzerhand rief Sr. Mathilde im Dezember 1973 in Feldkirch die erste Altenstube Vorarlbergs ins Leben. Eine Institution, die nicht nur für Unterhaltung, sondern dank eines integrierten Bades auch zu besseren Hygienezuständen führte. „Jeden Monat habe ich ein neues Programm zusammengestellt“, schwelgt Sr. Mathilde in Erinnerungen. Und die Lichtbildervorträge, Spielrunden, Gymnastikstunden, Meditationen und musikalischen Darbietungen kamen bei den rund 30 bis 40 Besucher/innen immer gut an. „Sie haben eben gern gesungen“, weiß Sr. Mathilde.
Seniorenurlaube
Ebenfalls sehr beliebt waren die Seniorenurlaube in den Hackwald, die Sr. Fides Mathis ab 1984 organisierte. Zwei Jahre arbeitete die gebürtige Hohenemserin in Feldkirch, bevor sie nach Klosterneuburg gerufen wurde. Doch nicht nur die Altenstube, auch die Altenpflege und die Hauskrankenpflege wurde durch die CS-Schwestern vorangetrieben.
Bahnhofsmission
Besondere Bedeutung kam den Bahnhofsmissionen zu, die die CS-Schwestern 1946 österreichweit aufbauten. In Vorarlberg entstand die erste im Oktober 1949 in einer Baracke gegenüber des Bregenzer Bahnhofes und bot jungen Frauen sowie Mädchen Schutz und Betreuung. Insbesondere Fabriksarbeiterinnen und Hausmädchen fanden im Heim der CS-Schwestern Zuflucht, aber auch Kranke, Menschen mit Behinderung, Auswanderer, Flüchtlinge oder sonstige Reisende wurden an der Auskunfts- und Beratungsstelle nicht abgewiesen. Wie wichtig die Bahnhofsmission war, zeigt ein Artikel eines lokalen Mediums aus dem Jahr 1975, in dem von 1655 Nächtigungen und 7942 Fällen, in denen „Hilfe und Informationen gewährt“ wurden, die Rede ist.
Sichtbare Spur
Unzählige Artikel zeugen zudem spätestens ab den 1950er Jahren vom beispiellosen Einsatz der Schwestern der Caritas Socialis, die seit 1938 in Bludenz, Bregenz und Feldkirch gewirkt und damit in Vorarlberg eine sichtbare Spur hinterlassen haben.
ZUR SACHE - Hildegard Burjan
Sie in den wenigen Zeilen zu umreißen ist kaum möglich, vereint sie - für die damalige Zeit eher untypisch - doch so viele Facetten in sich: Nach ihrem Studium der Germanistik und Philosophie sowie der Sozialpolitik und Nationalökonomie heiratet Hildegard Lea Freund den Ingenieur Alexander Burjan. Das Angebot einer Assistentinnenstelle an der Uni Zürich lehnt sie ab um bei ihrem Mann in Berlin sein zu können. Dort erkrankt sie mit 25 Jahren an einem Nierenleiden, welches für ihr späteres Leben maßgeblich sein soll.
Frauenrecht!
1910 bringt sie unter Lebensgefahr ihre einzige Tochter Elisabeth zur Welt und beginnt sich frauen- und sozialpolitisch zu engagieren. Vor allem die massive Ausbeutung von Frauen ist ihr ein Dorn im Auge, dem sie mit einem Arbeitsprojekt und einem Heimarbeiterinnen-Verband begegnet. Ab 1918 - mit der Einführung des Frauenwahlrechts - zieht Burjan als erste Frau in den Wiener Gemeinderat und als christlich-soziale Abgeordnete in die konstituierende Nationalversammlung ein.
Caritas Socialis.
Die Ordensschwestern, die sie von ihrer Nierenkrankheit gesund pflegten, prägen Burjan so stark, dass sie beschließt Christin zu werden. Der Gedanke an eine Gemeinschaft von Frauen, die zwar wie in einem Kloster leben, aber dennoch am Alltag der Menschen teilnehmen, lässt sie nicht mehr los. Noch im Jahr 1919 gründet sie die Caritas Socialis - eine geistliche Gemeinschaft von Frauen in der katholischen Kirche, die bis heute besteht.
Von Marianne Springer veröffentlicht am 25.01.2012

