23. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C), 5. September 2010. Wort zum Sonntag von Andrea Winter.

„Wir erraten kaum, was auf der Erde vorgeht und finden nur mit Mühe, was doch auf der Hand liegt; wer kann dann ergründen, was im Himmel ist?“ Leichtfüßig, fast heiter kommt diese Weisheit über den Menschen daher. Ist ein Mensch aber so klein vor Gott und der Schöpfung, so ist derselbe Mensch doch so groß in Gottes Augen und Gottes Herz. Seinen Geist und ihre Weisheit schenkt Gott, schützende Hand und bergender Flügel ist Gott seinen/ihren geliebten Geschöpfen. Gelassen kann sein, wer glaubt.

1. Lesung
Weisheit 9, 13–19

Denn welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen, oder wer begreift, was der Herr will? Unsicher sind die Berechnungen der Sterblichen und hinfällig unsere Gedanken; denn der vergängliche Leib beschwert die Seele, und das irdische Zelt belastet den um vieles besorgten Geist. Wir erraten kaum, was auf der Erde vorgeht, und finden nur mit Mühe, was doch auf der Hand liegt; wer kann dann ergründen, was im Himmel ist? Wer hat je deinen Plan erkannt, wenn du ihm nicht Weisheit gegeben und deinen Heiligen Geist aus der Höhe gesandt hast?
So wurden die Pfade der Erdenbewohner gerade gemacht, und die Menschen lernten, was dir gefällt; durch die Weisheit wurden sie gerettet.

2. Lesung
Philemon 9b–10. 12–17

Ich, Paulus, ein alter Mann, der jetzt für Christus Jesus im Kerker liegt, ich bitte dich für mein Kind Onesimus, dem ich im Gefängnis zum Vater geworden bin. [. . .] Ich schicke ihn zu dir zurück, ihn, das bedeutet mein eigenes Herz. Ich würde ihn gern bei mir behalten, damit er mir an deiner Stelle dient, solange ich um des Evangeliums willen im Gefängnis bin. Aber ohne deine Zustimmung wollte ich nichts tun. Deine gute Tat soll nicht erzwungen, sondern freiwillig sein. Denn vielleicht wurde er nur deshalb eine Weile von dir getrennt, damit du ihn für ewig zurückerhältst, nicht mehr als Sklaven, sondern als weit mehr: als geliebten Bruder. Das ist er jedenfalls für mich, um wie viel mehr dann für dich, als Mensch und auch vor dem Herrn. Wenn du dich mir verbunden fühlst, dann nimm ihn also auf wie mich selbst!

Evangelium
Lukas 14, 25–33

Viele Menschen begleiteten ihn; da wandte er sich an sie und sagte: Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertig stellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.

Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden. Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.

Wort zum Sonntag

Andrea WinterAndrea Winter
unterrichtet Religion am BG/BRG Ramsauerstraße in Linz und ist Schülerberaterin an ihrer Schule.
Die Autorin erreichen Sie unter: sonntag@kirchenzeitung.at

Welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen . . .

Immer wieder bin ich in meinem Leben mit Situationen konfrontiert, deren Sinn ich einfach nicht begreifen kann. In den letzten Wochen und Monaten musste ich mich vermehrt mit den Themen Krankheit und Tod auseinandersetzen. Warum muss ein 25-jähriger junger Mann an Krebs sterben, er hatte noch so viele Pläne für seine Zukunft? Warum erkrankt ein Freund im sogenannten besten Alter schwer? Und warum musste meine beinahe 100-jährige Großmutter so lange darum kämpfen, sterben zu können? – Auf Fragen wie diese finde ich nur unzureichende Antworten. Einzig der Glaube daran, dass hinter all dem ein Plan Gottes steht, der gut und sinnvoll ist, gibt mir Hoffnung, selbst wenn ich ihn im Moment des Unbegreiflichen nicht sehen kann. Der Gedanke an dieses „göttliche Drehbuch“ sollte mir Gelassenheit geben.

Dennoch investiere ich viel Energie dafür, mir Sorgen zu machen – Sorgen um mein eigenes Leben und vor allem auch Sorgen um Menschen, die mir am Herzen liegen, so wie Paulus im Brief an Philemon Onésimus als sein „eigenes Herz“ bezeichnet (9, 12). Wenn von Jesus im Lukas-Evangelium berichtet wird, dass er von jenen, die ihm nachfolgen wollen, fordert, alles auf-zugeben – auch die eigene Familie, was mir bei raschem Hinsehen äußerst hart erscheint – so kann dies auch als Aufforderung dazu verstanden werden, geliebte Menschen loszulassen und darauf zu vertrauen, dass es ihnen gut geht. Ich darf daran glauben, dass Gott uns alle in seiner schützenden Hand hält – jene, die mir am Herzen liegen und auch mich selber.
Der Glaube an einen Plan Gottes kann mir so in meinem Leben Gelassenheit geben, darauf zu vertrauen, dass Gott alles zu einem guten Ende führen wird, auch wenn ich im Moment des Schmerzes vieles nicht verstehe!

Zum Weiterdenken
„Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ („Gelassenheitsgebet“, Reinhold Niebuhr)

Von Marianne Springer veröffentlicht am 01.09.2010

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