7. Sonntag der Osterzeit - Lesejahr B, 20. Mai 2012
Irgendwas passt da nicht! Wie schön, einzigartig, beruhigend und gut ist die Botschaft Jesu. Aber aus dem Nachdenken über das ausnahmslose Gute wurde ein bedrückendes Grübeln. In der Kirche sieht doch nicht alles so rosig aus. Viele Menschen wenden sich von der Kirche ab. „Ich plädiere ... für ein gemeinsames und umfassendes Nachdenken, warum immer mehr Menschen auf die Zusage Jesu – Wahrhaftigkeit, Liebe und Schutz – freiwillig verzichten.“
Evangelium
Johannes 17, 6a. 11b–19
Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. [...] Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir. Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt. Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben. Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.
1. Lesung
Apostelgeschichte 1, 15–17. 20a.c–26
In diesen Tagen erhob sich Petrus im Kreis der Brüder – etwa hundertzwanzig waren zusammengekommen – und sagte: Brüder! Es musste sich das Schriftwort erfüllen, das der Heilige Geist im Mund Davids im Voraus über Judas gesprochen hat. Judas wurde zum Anführer derer, die Jesus gefangen nahmen. Er wurde zu uns gezählt und hatte Anteil am gleichen Dienst. [...] Denn es steht im Buch der Psalmen: [...] Sein Amt soll ein anderer erhalten! Einer von den Männern, die die ganze Zeit mit uns zusammen waren, als Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging, angefangen von der Taufe durch Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns ging und (in den Himmel) aufgenommen wurde – einer von diesen muss nun zusammen mit uns Zeuge seiner Auferstehung sein. Und sie stellten zwei Männer auf: Josef, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias. Dann beteten sie: Herr, du kennst die Herzen aller; zeige, wen von diesen beiden du erwählt hast, diesen Dienst und dieses Apostelamt zu übernehmen. Denn Judas hat es verlassen und ist an den Ort gegangen, der ihm bestimmt war. Dann gaben sie ihnen Lose; das Los fiel auf Matthias, und er wurde den elf Aposteln zugerechnet.
2. Lesung
1 Johannes 4, 11–16
Liebe Brüder, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben. Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollendet. Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns bleibt: Er hat uns von seinem Geist gegeben.
Wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als den Retter der Welt. Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott, und er bleibt in Gott. Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm.
Wort zum Sonntag
Katharina Brandstetter
ist 27 Jahre alt, verheiratet und
hat zwei Söhne - Wendelin und Frederik -,
wohnt in Behamberg und ist
pastorale Mitarbeiterin in der Pfarre Christkindl.
Die Autorin erreichen Sie unter: sonntag@kirchenzeitung.at
Woran hapert’s denn?
Diese Woche bin ich an folgendem Satz hängengeblieben: „Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern, dass du sie vor dem Bösen bewahrst.“ Jesus setzt sich bei seinem Vater für uns ein und bittet um
umfassenden Lebensschutz für uns.
Ich könnte auch heute wieder darüber schreiben, wie schön, einzigartig, beruhigend und gut die Botschaft Jesu ist. Aber dieses Grübeln über das ausnahmslose Gute der Botschaft Jesu hat mich bedrückt. In der Kirche sieht doch nicht alles so rosig aus – so wahrhaftig, liebevoll und beschützend. Viele Menschen wenden sich von der Kirche ab. Aber welcher vernunftbegabte Mensch würde sich von ihr abwenden, wenn ihre Botschaft derart hohe und unkäufliche Heilsangebote verspricht? Wer würde diese „Zusatzlebensversicherung“ der anderen Art nicht liebend gern in Anspruch nehmen? Irgendwas passt da nicht!
Der Vergleich hinkt, das ist mir bewusst, aber bis jetzt ist mir kein besserer eingefallen: die Kirche hat ein hervorragendes Produkt, ein Angebot, das seinesgleichen sucht, eine Zusage an uns Menschen, die heilsamer nicht sein könnte. Die Kirche hat ein „Mega-Produkt“, aber ich denke, dass es mancherorts am Marketing scheitert. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass Leute sich von so einer durch und durch lebensbejahenden Botschaft abwenden.
Ich plädiere hier nicht für eine neue Verwaltungsagentur meines Glaubens, und ich plädiere nicht für ein „Verkaufen“ meines Glaubens; ich plädiere viel mehr für ein gemeinsames und umfassendes Nachdenken, warum immer mehr Menschen auf die Zusage Jesu – Wahrhaftigkeit, Liebe und Schutz – freiwillig verzichten.
Und ich darf daran erinnern, dass es sich bei diesen drei Zusagen nur um die der letzten drei Wochen handelt – davon gibt es viel mehr!!!
Mein Vertrauen auf diese Zusagen gibt mir Hoffnung, dass Menschen immer wieder bewusst wird, dass Jesus nur Gutes für uns will.
Zum Weiterdenken
Was denken Sie, woran es hapert? Es ist eine Zusage an uns Menschen, die heilsamer nicht sein könnte, aber immer mehr wenden sich ab.
Meine Seele, und alles in mir ...
Lobe den Herrn, meine Seele,
und alles in mir seinen heiligen Namen!
Lobe den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
So hoch der Himmel über der Erde ist,
so hoch ist seine Huld über denen, die ihn fürchten.
So weit der Aufgang entfernt ist vom Untergang,
so weit entfernt er für Schuld von uns.
Antwortpsalm (aus Psalm 103)
Von Marianne Springer veröffentlicht am 15.05.2012

