Hochfest der Gottesmutter Maria (Lesejahr B) 1. Jänner 2012. Wort zum Sonntag vom Christian Öhler.
Maria ist wie die Morgenröte. Sie ist nicht die Sonne, sie ist keine Göttin, sie ist nicht Christus. Das Morgenrot kündet das Ende der Nacht und die bald aufgehende Sonne an.
So verstanden ist Maria ein Zeichen der Hoffnung in der Nacht – der Hoffnung auf das Ende der Nacht und Ankündigung des Lichts.
Evangelium
Lukas 2, 16–21
In jener Zeit eilten die Hirten nach Betlehem und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten. Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war. Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde.
1. Lesung
Numeri 6, 22–27
Der Herr sprach zu Mose: Sag zu Aaron und seinen Söhnen: So sollt ihr die Israeliten segnen; sprecht zu ihnen: Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil.
So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, und ich werde sie segnen.
2. Lesung
Galater 4, 4–7
Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt, damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen. Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unser Herz, den Geist, der ruft: Abba, Vater. Daher bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn; bist du aber Sohn, dann auch Erbe, Erbe durch Gott.
Wort zum Sonntag
Christian Öhler
ist Pfarrer in Bad Ischl - St. Nikolaus und
Geistlicher Assistent der Katholischen Aktion OÖ.
Den Autor erreichen Sie unter
sonntag@kirchenzeitung.at
Morgenröte
Das neue Jahr beginne ich damit, dass ich ein inneres Bild in mir aufrufe. Ich stehe am Balkon jenes Hauses im Süden Griechenlands, in dem ich meine Urlaube verbringe. Es ist Nacht. Aber schon zum Morgen hin. Der Himmel über den Bergen der Mani färbt sich rot-orange. Dazu stellen sich Text und Melodie eines alten Marienliedes ein: „Sagt an, wer ist doch diese, die vor dem Tag aufgeht, die überm Paradiese als Morgenröte steht?“
Maria ist wie die Morgenröte. Sie ist nicht die Sonne, sie ist keine Göttin, sie ist nicht Christus. Das Morgenrot kündet das Ende der Nacht und die bald aufgehende Sonne an, das Licht. So verstanden ist Maria für mich ein Zeichen der Hoffnung in der Nacht, Hoffnung auf das Ende der Nacht, Ankündigung des Lichtes.
Zeitweise hat sie Jesus, ja sogar Gott, zu viel Konkurrenz gemacht. Die Konstruktion war einfach: beim strengen, Furcht einflößenden Himmelvater hast du keine Chance, aber über Maria geht’s, diese Hintertüre war offen.
Wenn das offiziell verkündete Gottesbild einseitig patriarchalisch ausgerichtet ist, sucht sich die Seele den Ausgleich in einer lieblich-jungfräulichen Muttergottheit. Das ist verständlich, aber nicht gesund.
Gott ist Gott und Maria ist und bleibt ein Geschöpf. Mag sie vielen auf Grund der menschlichen Nähe im Gegensatz zum fernen Gott sehr sympathisch sein, heilsnotwendig ist sie nicht. Heilsnotwendig ist nur der persönliche Glaube, das Sich-los-Lassen auf Gott hin, die vertrauensvolle Beziehung zum göttlichen Du. Dass Maria gerade darin ganz groß war, ist unbestritten. Deshalb tut es uns gut, den Neujahrstag mit einem Hochfest zu ihren Ehren zu begehen.
Das Morgenrot verblasst, die Sonne geht leuchtend auf und spiegelt sich in der Weite des Meeres. Mit froher Erwartung gehe ich hinein in ein neues Jahr.
Zum Weiterdenken
Maria bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen. Was bewahre ich in meinem Herzen auf? Worüber möchte ich nachdenken? Was erfüllt mich mit froher Erwartung?
Sagt an, wer ist doch diese, die vor dem Tag aufgeht,
die überm Paradiese als Morgenröte steht?
Sie kommt hervor aus Fernen, geziert mit Mond und Sternen,
im Sonnenglanz erhöht.
Sie ist die edle Rose, ganz schön und auserwählt,
die Magd, die makellose, die sich der Herr vermählt.
O eilet, sie zu schauen, die schönste aller Frauen,
die Freude aller Welt.
Du strahlst im Glanz der Sonne, Maria, hell und rein;
von deinem lieben Sohne kommt all das Leuchten dein.
Durch diesen Glanz der Gnaden sibd wir aus Todes Schatten
kommen zum wahren Sein. (Gotteslob 588)
Von Marianne Springer veröffentlicht am 30.12.2011

