16. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C), 18. Juli 2010, Wort zum Sonntag von Anton Pepelnik
Wenn überraschender Besuch kommt, kann es schon einmal hektisch werden. Kühles Wasser und eine Kleinigkeit zum Essen nimmt sicher jede/r gerne an, der tagsüber in der Hitze Palästinas unterwegs war. Doch es braucht auch die Aufmerksamkeit für den Gast – geht es doch bei einer Einladung ins eigene Haus letztendlich um ihn.
Evangelium
Lk 10, 38–42
Sie zogen zusammen weiter, und er kam in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn freundlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Marta aber war ganz davon in Anspruch
genommen, für ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen.
Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.
1. Lesung
Gen 18, 1–10a
Der Herr erschien Abraham bei den Eichen von Mamre. Abraham saß zur Zeit der Mittagshitze am Zelteingang. Er blickte auf und sah vor sich drei Männer stehen.
Als er sie sah, lief er ihnen vom Zelteingang aus entgegen, warf sich zur Erde nieder und sagte: Mein Herr, wenn ich dein Wohlwollen gefunden habe, geh doch an deinem Knecht nicht vorbei! Man wird etwas Wasser holen; dann könnt ihr euch die Füße waschen und euch unter dem Baum ausruhen. Ich will einen Bissen Brot holen, und ihr könnt dann nach einer kleinen Stärkung weitergehen; denn deshalb seid ihr doch bei eurem Knecht vorbeigekommen. Sie erwiderten:
Tu, wie du gesagt hast. Da lief Abraham eiligst ins Zelt zu Sara und rief: Schnell drei Sea feines Mehl! Rühr es an, und backe Brotfladen! Er lief weiter zum Vieh, nahm ein zartes, prächtiges Kalb und übergab es dem Jungknecht, der es schnell zubereitete. Dann nahm Abraham Butter, Milch und das Kalb, das er hatte zubereiten lassen, und setzte es ihnen vor. Er wartete ihnen unter dem Baum auf, während sie aßen. Sie fragten ihn: Wo ist deine Frau Sara? Dort im Zelt, sagte er. Da sprach der Herr: In einem Jahr komme ich wieder zu dir, dann wird deine Frau Sara einen Sohn haben.
2. Lesung
Kol 1, 24–28
Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt. Ich diene der Kirche durch das Amt, das Gott mir übertragen hat, damit ich euch das Wort Gottes in seiner Fülle verkündige, jenes Geheimnis, das seit ewigen Zeiten und Generationen verborgen war. Jetzt wurde es seinen Heiligen offenbart; Gott wollte ihnen zeigen, wie reich und herrlich dieses Geheimnis unter den Völkern ist: Christus ist unter euch, er ist die Hoffnung auf Herrlichkeit. Ihn verkündigen wir; wir ermahnen jeden Menschen und belehren jeden mit aller Weisheit, um dadurch alle in der Gemeinschaft mit Christus vollkommen zu machen.
Wort zum Sonntag
von Anton Pepelnik
Jahrgang 1953 und Vater von vier Kindern. Lehrer an Polytechnischer Schule, Diakon und Gefängnisseelsorger in Feldkirch/Vbg., Mithilfe in den Pfarren Koblach und Mäder.
sonntag@kirchenzeitung.at
Gastfreundschaft und aufmerksames Zuhören
Es ist schon bemerkenswert, dass Jesus einkehrt, wo offensichtlich nur Frauen sind – er ist bereit bei Marta und Maria zu bleiben und auch mit ihnen zu diskutieren und sie zu lehren. Üblich war das damals allerdings nicht.
Marta kümmert sich um Jesu Wohlergehen.
Aber sie stellt Jesus dann doch die Frage, ob das denn recht sei, dass sie die Arbeit allein mache; ein Punkt, der schon seit jeher zu Diskussionen führt. Versuchen wir uns das aber einmal vorzustellen, wie es wäre, wenn wir zwar sehr sorgfältig bewirtet würden, aber die ganze Zeit, während für uns gekocht und anderes getan wird, wir allein dasitzen müssten? Aber ich möchte es betonen, Jesus hat Martas Arbeit nicht abgewertet, sondern anerkannt, dass sie viel für ihn tut.
Haben die Frauen es vorher gewusst, dass Jesus kommt und hätten sie daher alles vorher vorbereiten können? Ich glaube nicht. Oder wie wäre es mit Arbeitsaufteilung? Wenn es nur um Tratsch geht, wäre das vielleicht noch eher in Ordnung, aber Jesus redete sicher persönlicher, um nicht zu sagen wesentlicher, mit Maria.
Das Gespräch zu unterbrechen, um mit Marta weiterzureden, wäre sicher nicht so einfach gewesen. Oder wäre es uns angenehm, wenn mitten in einem Gespräch der Partner verschwindet?
Ich bin mir sicher, dass alle es schätzen, wenn uns jemand zuhört, aufmerksam zuhört. Und durch das Zuhören, durch das Auf-jemanden-Hören sollten dann ja Taten entstehen – natürlich nach eigenem Bedenken und Überlegen, nicht bloß einfach nachahmen, ohne den Sinn verstanden zu haben. Es sollte also nicht umgekehrt sein, dass man zuerst etwas tut und sich nachher dann die Frage stellt, ob das so richtig war. Jesus konnte zuhören, er verurteilte nicht gleich – zum Beispiel den Zöllner oder die Sünderin.
Zum Weiterdenken
Können wir zuhören? Hören wir das Wesentliche? Hören wir wirklich, was uns jemand sagen will? Folgen dem Hören dann die entsprechenden Taten? Wer hört uns zu?
Von Marianne Springer veröffentlicht am 14.07.2010

