Pfingsten - Lesejahr B, 27. Mai 2012. Wort zum Sonntag von Katharina Brandstetter.

In den vielen Sprachen der Menschen – denn es gibt nicht „die eine Rede“ von Gott – von Gottes großen Taten sprechen: in der Sprache der Kinder, der Sprache der Schüler und Schülerinnen, der Heimatlosen, der Glücklichen, der Unzufriedenen, der Überlasteten, der Frommen, der Einsamen, der Friedvollen, der Bedürftigen, der Zweiflerinnen und Zweifler, der Suchenden, der Fragenden, der Findenden, der Greisinnen und Greise ... zuhören und so reden, dass jede und jeder verstehen kann.

1. Lesung
Apostelgeschichte  2, 1–11

Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

2. Lesung
Galater  5, 16–25

Darum sage ich: Lasst euch vom Geist leiten, dann werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen. Denn das Begehren des Fleisches richtet sich gegen den Geist, das Begehren des Geistes aber gegen das Fleisch; beide stehen sich als Feinde gegenüber, so dass ihr nicht imstande seid, das zu tun, was ihr wollt. Wenn ihr euch aber vom Geist führen lasst, dann steht ihr nicht unter dem Gesetz. Die Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar: Unzucht, Unsittlichkeit, ausschweifendes Leben, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen, Neid und Missgunst, Trink- und Essgelage und Ähnliches mehr. Ich wiederhole, was ich euch schon früher gesagt habe: Wer so etwas tut, wird das Reich Gottes nicht erben. Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung; dem allem widerspricht das Gesetz nicht. Alle, die zu Christus Jesus gehören, haben das Fleisch und damit ihre Leidenschaften und Begierden gekreuzigt. Wenn wir aus dem Geist leben, dann wollen wir dem Geist auch folgen.

Evangelium
Johannes  15, 26–27; 16, 12–15

Wenn aber der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen.
Und auch ihr sollt Zeugnis ablegen, weil ihr von Anfang an bei mir seid. [. . .] Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen, denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.

Wort zum Sonntag

Brandstetter KatharinaKatharina Brandstetter
ist 27 Jahre alt, verheiratet und
hat zwei Söhne - Wendelin und Frederik -,
wohnt in Behamberg und ist
pastorale Mitarbeiterin in der Pfarre Christkindl.

Die Autorin erreichen Sie unter: sonntag@kirchenzeitung.at

In Sprachen sprechen, die verstanden werden

An mich als Verkünderin von Gottes großen Taten ist dieser sehr dringende Aufruf des Evangeliums gerichtet – ich soll so davon sprechen, dass mein Gegenüber mich versteht!
Es geht hier nicht unbedingt um die Sprache, die ich spreche. Es geht viel eher darum, dass es in meiner Verantwortung liegt, mich auf das Gegenüber einzustellen – so zu sprechen, dass die Botschaft Gottes „ankommt“. Gottes große Taten sind verständlich – und ich bin überzeugt davon, dass es vor allem eine Gruppe in unserer Gesellschaft gibt, die dieses verständliche Sprechen besonders gut beherrscht: Kinder!

Kinder können in einer Selbstverständlichkeit über Gott und ihr Erstaunen darüber reden, die uns „großen Menschen“ oft verloren gegangen ist – vielleicht auch durch den Wunsch „g’scheiter“ wirken zu wollen. Aber Jesus ist nicht in der Welt gewesen, um eine kaum verständliche Abhandlung der Theologie zu hinterlassen. Im Gegenteil, Jesus hat von Gottes großen Taten so verständlich wie einfach erzählt und sie bezeugt. Jesus ist bei all seinen Gesprächen ganz genau auf sein Gegenüber eingegangen, auf dessen Herkunft, Geschichte und Bedürfnisse; er hat dann so klar und deutlich über Gott geredet, dass es niemanden unberührt gelassen hat.

Auch heute ist es unsere Aufgabe, Gottes frohe Botschaft zu verkünden – in den Sprachen der Welt: in den Sprachen der Kinder, der Schüler und Schülerinnen, der Heimatlosen, der Glücklichen, der Unzufriedenen, der Überlasteten, der Frommen, der Einsamen, der Friedvollen, der Bedürftigen, der Zweiflerinnen und Zweifler, der Suchenden, der Fragenden, der Findenden, der Greisinnen und Greise ...

Zum Weiterdenken
Es gibt nicht „die eine Rede“ von Gott.  Jesus trägt mir auf, so von ihm zu reden, dass es wirklich jeder Mensch versteht, auch wenn das für mich Anstrengung und somit die Bereitschaft zum aktiven Zuhören erfordert.
Welche Sprache spreche ich besonders gerne, um Jesu Taten zu verkünden?

Ihr Menschen aller Länder

„Aus allen Ländern der Welt kommen wir.
Lasst uns singen, ihr Menschen aller Länder.
Lasst uns singen für Gott, der uns lieb hat!
Er ist bei uns; er beschützt alle seine Menschen.
Ein treuer Freund ist Gott, bis ans Ende der Welt. Hallelujah!

Aus: Im Schatten deiner Flügel. Psalmen für Kinder. nach Psalm 117

Von Marianne Springer veröffentlicht am 23.05.2012

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Sonntagsevangelium