15. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C), 11. Juli 2010. Wort zum Sonntag von Anton Pepelnik.
Sie ist nicht oben im Himmel und damit unerreichbar für einen Menschen, die Weisung Gottes für ein gutes, glückendes Leben, sie ist auch nicht jenseits des Meeres und damit ganz weit weg vom eigenen Leben. „Nein, das Wort ist ganz nah bei dir, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen“, es „geht nicht über deine Kraft“ und „du kannst es halten.“
Evangelium
Lk 10, 25–37
Da stand ein Gesetzeslehrer auf, und um Jesus auf die Probe zu stellen, fragte er ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort?
Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach, und du wirst leben. Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster?
Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halbtot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter. Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter. Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid, ging zu ihm hin, goß Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn. Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme.
Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde? Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat.
Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso!
1. Lesung
Deut 30, 10–14
(Mose sprach zum Volk:) Er wird dir Gutes tun, wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und auf seine Gebote und Gesetze achtest, die in dieser Urkunde der Weisung einzeln aufgezeichnet sind, und wenn du zum Herrn, deinem Gott, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele zurückkehrst. Denn dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte, geht nicht über deine Kraft und ist nicht fern von dir. Es ist nicht im Himmel, so dass du sagen müsstest:
Wer steigt für uns in den Himmel hinauf, holt es herunter und verkündet es uns, damit wir es halten können? Es ist auch nicht jenseits des Meeres, so dass du sagen müsstest: Wer fährt für uns über das Meer, holt es herüber und verkündet es uns, damit wir es halten können? Nein, das Wort ist ganz nah bei dir, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen, du kannst es halten.
2. Lesung
Kol 1, 15–20
Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen. Er ist vor aller Schöpfung, in ihm hat alles Bestand. Er ist das Haupt des Leibes, der Leib aber ist die Kirche. Er ist der Ursprung, der Erstgeborene der Toten; so hat er in allem den Vorrang. Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, um durch ihn alles zu versöhnen. Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, der Frieden gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.
Wort zum Sonntag
von Anton Pepelnik
Jahrgang 1953 und Vater von vier Kindern.
Lehrer an Polytechnischer Schule, Diakon und Gefängnisseelsorger in Feldkirch/Vbg.,
Mithilfe in den Pfarren Koblach und Mäder.
Sie erreichen den Autor unter: sonntag@kirchenzeitung.at
10 große Freiheiten
Im Paradies gab es nur eine Vorschrift: Du sollst nicht von dem einen Baum essen. Sie hielten sich nicht daran, und das Leben der Menschen wurde schwerer, schwieriger. Mose hat von Gott zehn Gebote erhalten. Unmittelbar davor steht eine positive Erfahrung – „ich, dein Gott, der dich aus dem Sklavenhaus Ägyptens befreit hat“. Nennen wir die Gebote anders, nennen wir sie die zehn großen Freiheiten, das Zusammenleben zwischen uns Menschen soll durch sie vereinfacht werden. Würden wir uns alle daran halten, gäbe es eigentlich keine Schwierigkeiten in der Welt.
Jesus selber bemängelt, was Menschen aus den Geboten gemacht haben. Er sagt deutlich, dass das Leben und der Mensch wichtiger sind als Vorschriften. Jesus bringt das Beispiel vom Esel, der in die Grube fällt und fragt, ob man nun lieber den Esel verrecken lassen würde anstatt ihn am Sonntag, an dem Arbeit eben nicht erlaubt war, aus der Grube zu holen. Er sagt, nur wer den Nächsten anerkennt, wer immer das auch sei, erkennt auch Gott an. Er ist also gegen jeden Egoismus. Sind nicht auch bei uns immer mehr Gesetze notwendig, weil niemand mehr an den anderen denkt?
Kleines Beispiel: Rasenmähen in der Mittagspause, obwohl andere vielleicht ausruhen möchten . . .
Was du nicht willst, das man dir tut, das füg’ auch keinem andern zu. „Handle so, dass man dein Handeln jederzeit als gültiges Gesetz nehmen kann“, so formulierte es der Philosoph Immanuel Kant. Jesus unterscheidet sehr wohl, wer etwas tut. Es ist nicht das Gleiche, ob ein Reicher fünf Euro spendet oder eine arme Witwe. Aber bitte nicht den Fehler zu machen, der andere müsste doch . . . jeder soll zuerst bei sich anfangen. Denken wir an das Kreuz, der Längsbalken verweist uns von unserem Leben hin, oder unserem Elend weg, zu Gott. Der Querbalken umfasst sozusagen die ganze Erde, eben auch den Nächsten. Zuletzt eine Anmerkung: Jesus spricht im Beispiel vom Samariter auch ein Problem unserer Zeit an, nämlich das Verhältnis oder die Einstellung zu Ausländern.
Zum Weiterdenken
Wie stehe ich zu Geboten, Vorschriften? Wo mache ich welche? Wo ignoriere ich welche?
Von Marianne Springer veröffentlicht am 07.07.2010

