Nicht nur durch falsche Lehren wird das Leben einer Gemeinde bedroht. Häufiger sind das falsche Tun und die Unterlassung des rechten Tuns. Jeder Einzelne trägt die Gemeinde mit und ist mitverantwortlich. Jeder, der gut ist und gut denkt und handelt, stärkt die Kraft des Guten in der Gemeinde Gottes.

23. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A, 10. September 2017
Wort zum Sonntag von P. Severin Mayrhofer

Evangelium
Matthäus  18,15-20

Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht! Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei mit dir, damit die ganze Sache durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werde. Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde! Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner. Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein. Weiter sage ich euch: Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

1. Lesung
Ezechiel  33,7–9

Du aber, Menschensohn, ich habe dich dem Haus Israel als Wächter gegeben; wenn du ein Wort aus meinem Mund hörst,musst du sie vor mir warnen. Wenn ich zum Schuldigen sage: Schuldiger, du musst sterben! und wenn du nicht redest, um den Schuldigen vor seinem Weg zu warnen, dann wird dieser Schuldige seiner Sünde wegen sterben; sein Blut aber fordere ich aus deiner Hand zurück. Du aber, wenn du einen Schuldigen vor seinem Weg gewarnt hast, damit er umkehrt, und er sich nicht abkehrt von seinem Weg, dann wird er seiner Sünde wegen sterben; du aber hast dein Leben gerettet.

2. Lesung
Römer  13,8–10

Niemandem bleibt etwas schuldig, außer der gegenseitigen Liebe! Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt. Denn die Gebote: Du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren! und alle anderen Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes.

WORT ZUM SONNTAG

P. Severin Mayrhofer
P. Severin Mayrhofer

ehem. Professor für Biologie am
Franziskanergymnasium Hall i. Tirol,
jetzt Guardian des Franziskanerklosters Telfs.
Den Autor erreichen Sie unter

Sind immer nur die anderen schuld?

Wenn einer jemanden beleidigt oder ihm ein Unrecht zufügt, und wenn sich keine gütliche Lösung ergeben hat, kommt es wohl kaum vor, dass die Angelegenheit vor Mitglieder der Pfarrgemeinde gebracht wird. Viel eher landet so etwas dann beim Richter. Wer gibt schon gerne zu, dass er ein Unrecht begangen hat und dass die Schuld bei ihm liegt.
Beim Lesen dieser Stelle im Evangelium drängt sich mir eine andere Stelle bei Matthäus auf: Mt 7,3-5 gibt einen ganz anderen Zugang zum Umgang mit Schuld: Zieh zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge und dann sieh, ob du den Splitter aus dem Auge deines Bruders ziehen kannst. Hier wird die Selbstverständlichkeit, mit der die Schuld dem anderen zugesprochen wird, ganz gehörig erschüttert. Fragen tun sich auf: Ist die Angelegenheit wirklich so klar? Welche Motive stehen wirklich dahinter oder wird etwas hineininterpretiert und unterstellt? Wurden Handlungen provoziert, sodass sich eine Opferrolle ergeben hat? Stimmt meine Wahrnehmung mit der Wirklichkeit überein? 

Ich kann mich auch fragen, warum mich etwas so stark getroffen hat. Hat mich der andere in meiner Ehre, in meiner Kompetenz, in meinem Selbstwertgefühl verletzt? Hat er einen schwachen Punkt in mir getroffen, den ich gerne verbergen möchte? Oder ärgert es mich, weil gerade jener es gesagt hat, während ich bei anderen solche Situationen humorvoll finde? Eine verständnisvolle und wohlwollende Einstellung kann so manche Situation entschärfen.

Zum Weiterdenken
Am Ende des heutigen Evangeliums spricht Jesus eher unvermittelt vom einmütigen Bitten von zwei oder drei Menschen. Das ist wohl auch ein wichtiger Hinweis, dass das Gebet – nach Möglichkeit das gemeinsame – Frieden und Versöhnung bewirken kann. Das Beten lässt uns alle als Brüder und Schwestern vor Gott erscheinen und so das gegenseitige Verurteilen überwinden.

Verhärtet nicht euer Herz!
Kommt, lasst uns jubeln dem HERRN, jauchzen dem Fels unsres Heils!
Lasst uns mit Dank seinem Angesicht nahen, ihm jauchzen mit Liedern!
Kommt, wir wollen uns niederwerfen, uns vor ihm verneigen,
lasst uns niederknien vor dem HERRN, unserem Schöpfer!
Denn er ist unser Gott, wir sind das Volk seiner Weide, die Herde,
von seiner Hand geführt. Würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören!
Verhärtet euer Herz nicht wie in Meríba, wie in der Wüste am Tag von Massa!
Dort haben eure Väter mich mich versucht,
sie stellten mich auf die Probe
und hatten doch mein Tun gesehen.

Antwortpsalm, aus Psalm 95

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(aus dem KirchenBlatt Nr. 36 vom 7. September 2017)