Weihnachten - am Tag - Lesejahr B, 25. Dezember 2011. Wort zum Sonntag von Roland Sommerauer

Angekommen im Leben

Er war vor aller Zeit und vor aller Schöpfung. Durch ihn wurde die Schöpfung, Himmel und Erde und alles, was lebt. Er kam in diese Welt, wurde Mensch mitten unter Menschen. Ein Kind, angewiesen auf die Liebe anderer, geboren in Bethlehem, inmitten widriger Umstände. Verkündigt als Retter und Heiland. Allen, die ihn aufnehmen, gibt er die Macht, Kinder Gottes zu sein – wie er zu leben für die Befreiung der Menschen aus Ungerechtigkeit und Hass, wie er zu leben für das Reich Gottes.

Evangelium
Johannes  1, 1–18

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst. Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war: sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.

1. Lesung
Jesaja  52, 7–10

Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Rettung verheißt, der zu Zion sagt: Dein Gott ist König. Horch, deine Wächter erheben die Stimme, sie beginnen alle zu jubeln. Denn sie sehen mit eigenen Augen, wie der Herr nach Zion zurückkehrt.
Brecht in Jubel aus, jauchzt alle zusammen, ihr Trümmer Jerusalems! Denn der Herr tröstet sein Volk, er erlöst Jerusalem.
Der Herr macht seinen heiligen Arm frei vor den Augen aller Völker. Alle Enden der Erde sehen das Heil unseres Gottes.

2. Lesung
Hebräer  1, 1–6

Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten; in dieser Endzeit aber hat er zu uns gesprochen durch den Sohn, den er zum Erben des Alls eingesetzt und durch den er auch die Welt erschaffen hat; er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Abbild seines Wesens; er trägt das All durch sein machtvolles Wort, hat die Reinigung von den Sünden bewirkt und sich dann zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt; er ist um so viel erhabener geworden als die Engel, wie der Name, den er geerbt hat, ihren Namen überragt. Denn zu welchem Engel hat er jemals gesagt. Mein Sohn bist du, heute habe ich dich gezeugt, und weiter: Ich will für ihn Vater sein, und er wird für mich Sohn sein? Wenn er aber den Erstgeborenen wieder in die Welt einführt, sagt er: Alle Engel Gottes sollen sich vor ihm niederwerfen.

Wort zum Sonntag

Sommerauer Rolandvon Roland Sommerauer
Referent für Sakramentenpastoral und Verkündigung der Diözese Feldkirch und Sekretär der Katholischen Männerbewegung, verheiratet und drei Kinder.
Den Autor erreichen Sie unter
sonntag@kirchenzeitung.at

Gott kommt auf den Marktplatz des Lebens

Es war beeindruckend! An die 2000 Menschen feierten die Seligsprechung von Provikar Carl Lampert am 13. November in Dornbirn. Ein „sichtbares“ Fest, die Kirche St. Martin quoll über, ein großes Zelt stand auf dem Marktplatz. Er nannte Unrecht beim Namen, protestierte gegen Nazi-Willkür und Terror. Wegen Meinungsäußerung zur Verschleppung von Juden und der Ermordung von Patienten aus Heilanstalten, wegen „Begünstigung“ von Zwangsarbeitern u. a. wurde Carl Lampert hingerichtet.

Jetzt feiern wir Weihnachten – ein Fest, das nicht nur in der Kirche gefeiert wird, sondern in beinahe jedem Haushalt. Straßen, Plätze und Einkaufszentren sind von Glanz erfüllt. Auf den „Marktplätzen“ unseres Landes ist das Weihnachtliche (omni)präsent. Bei allem Kritischen und Kitschigen zu Advent und Weihnachtszeit drückt sich dadurch etwas Zentrales vom Geheimnis der Weihnachtszeit aus: Gott ist nicht im Himmel geblieben, sondern in unsere konkrete Lebenswelt herabgekommen.

In unterschiedlichen Bildern und Worten drücken die Texte des Weihnachtstages diese Glaubensbotschaft aus: Bei Jesaja wird ein Freudenbote angekündigt, der Frieden und Rettung bringt. Der Hebräerbrief erinnert, dass Gott schon auf vielfältige Weise durch die Propheten gesprochen hat und in besonderer Weise durch seinen Sohn spricht. Im Johannesevangelium ist die zentrale Botschaft: „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“

Das Gemeinsame dieser drei Texte ist: Gott möchte nicht (nur) im hohen Himmel thronen, sondern bei uns Menschen sein. In anderen Worten: Er ist im positiven Sinn ein „heruntergekommener Gott“. Gott wird Mensch, damit auch wir „Menschen wieder Menschen werden“  (Carl Lampert) am Marktplatz unseres Lebens!

Zum Weiterdenken
Das Friedenslicht von Bethlehem wird in viele Kirchen, Städte, Bahnhöfe ... in viele Häuser gebracht. Für wen könnte ich ein Licht anzünden, damit der weihnachtliche Frieden einkehrt?

heruntergekommen

Nicht nur niedergekommen in die Niederungen der Menschheit
durch die Niederkunft der Maria.
Heruntergekommen
in die dunkelsten Orte der Menschheit:
durchgeschritten durch den Tod
und das Reich des Todes.
Hinabgestiegen in die Hölle.
Um die Macht Gottes hineinzubringen
in die tiefste Tiefe.
Erniedrige dich auch
in meiner Schwachheit,
öffne eine Tür in mir
für deine Auferstehungskraft!                   

Dieter und Vreni Theobald

Von Marianne Springer veröffentlicht am 22.12.2011

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