Mit 1. September hat Prof. Mag. Theodor Lang die Nachfolge von Dr. Hans Fink als Leiter des Schulamtes der Diözese Feldkirch angetreten, der dieses 25 Jahre lang geleitet hatte. Im KirchenBlatt-Gespräch spricht der neue Schulamtsleiter über Nachwuchssorgen, Abmeldezahlen und den Wandel im Religionsunterricht.

Dietmar Steinmair

LangHerr Prof. Lang, die Schule hat wieder begonnen. Wie viele Religionslehrerinnen und -lehrer werden in den Klassen stehen?
Es werden im kommenden Schuljahr ca. 580 Religionslehrerinnen und -lehrer sein; davon entfallen etwa 100 auf den höheren und mittleren Schulbereich, 480 auf den Pflichtschulbereich.

„Ich war selber dreißig Jahre lang Religionslehrer. Ich sehe die Chancen des Religionsunterrichts im Erarbeiten bestimmter Lebens- und vor allem religiöser Fragen.“ (Bild / Rinner)

Haben Sie genug Lehrkräfte für den Religionsunterricht?
In den letzten Jahren verzeichnen wir einen zunehmenden Mangel an Lehrpersonen für das Fach Religion. So haben wir heuer erstmalig auch im mittleren und höheren Schulbereich Stundenkürzungen wegen Lehrermangels in Kauf zu nehmen. Im Pflichtschulbereich können wir auch literarische Lehrpersonen einsetzen.

Warum interessiert es junge Menschen immer weniger, Religionslehrer zu werden?
Das hat meiner Meinung nach verschiedene Gründe. Einen Grund sehe ich in der gesellschaftlichen Gesamtentwicklung, in der Säkularisierung. Gleichzeitig ist das Image des Lehrers in den letzten Jahren immer schlechter geworden. Ein neues Dienst- und Besoldungsrecht ist seit Jahren ausständig.

Umgekehrt gefragt: Die Jobperspektiven sind also sehr gut?
Von den offenen Stellen und den Anstellungsbedingungen her gibt es für die nächsten Jahre sicherlich ausgezeichnete Perspektiven für angehende Religionslehrerinnen und -lehrer, sowohl im Pflichtschulbereich als auch im höheren Schulbereich.

Wie viele Schüler/innen drücken ab dieser Woche wieder die Schulbänke im Religionsunterricht?
Die Statistiken zeigen nach wie vor ein sehr erfreuliches Bild. Es nehmen von den ca. 43.000 katholischen Schülerinnen und Schülern 93% am Religionsunterricht teil; ich möchte aber auch darauf hinweisen, dass es in den einzelnen Schulen - was die Teilnehmerzahlen betrifft - deutliche Unterschiede gibt.

Steigen ab 14 Jahren, wo sich Schüler selbst vom Religionsunterricht abmelden können, die Abmeldezahlen?
Wie schon erwähnt, sind die Teilnehmerzahlen von Schule zu Schule verschieden. Genauso verschieden sind die Gründe der Schülerinnen und Schüler am Religionsunterricht teilzunehmen bzw. sich davon abzumelden.

Gibt es hier also keinen Handlungsbedarf für das Schulamt?
Selbstverständlich sind wir stets bemüht, die Qualität des Religionsunterrichtes ständig zu verbessern. Aber ohne Unterstützung durch die Eltern, die Kollegenschaft, die Direktionen und Pfarren, also aller, die am Religionsunterricht beteiligt sind, können wir nur in einem begrenzten Maße Veränderungen erzielen.

Thema Ethikunterricht. Was bedeutet(e) die Einführung des Ethikunterrichts für den konfessionellen Religionsunterricht?
Der Schulversuch „Ethik“, den es seit 1996 für die mittleren und höheren Schulen gibt, bedeutet, dass alle Schülerinnen und Schüler, die keinen Religionsunterricht angeboten bekommen bzw. die sich vom Religionsunterricht ihrer Gemeinschaft abmelden, am Ethikunterricht teilnehmen müssen. Positive bzw. negative Auswirkungen des Ethikunterrichts auf die Teilnehmerzahlen am Religionsunterricht lassen sich zwar in wissenschaftlichen Untersuchungen nicht nachweisen, aber mein persönlicher Eindruck ist, dass der Schulversuch Ethik zumindest eine Stabilisierung der Abmeldezahlen gebracht hat.

In Österreich gibt es die grundlegende Trennung von Staat und Kirche. Warum bezahlt der Staat einen konfessionellen Unterricht?
Das österreichische Bildungswesen bekennt sich zu einer ganzheitlichen Bildung, und diese ganzheitliche Bildung hat auch die religiöse Dimension einzuschließen. Dieses Bekenntnis des Staates ist in §1 des Schulunterrichtsgesetzes festgehalten. Und es war der Staat, der die einzelnen Kirchen um Mithilfe in der Erfüllung dieses Bildungszieles angefragt hat. Ich war selbst dreißig Jahre lang Religionslehrer. Für mich steht der Wert des Religionsunterrichts im Bildungssystem Österreichs außer Zweifel, denn er ermutigt die Kinder und Jugendlichen die großen Fragen des Lebens und in diesem Zusammenhang die Frage nach Gott zu stellen und zu bedenken, er motiviert zu Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und der Bewahrung der Schöpfung und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur schulischen Werteerziehung.

Es gibt immer wieder die Anfrage - vor allem aus der Kirche selbst heraus - nach dem positiven Glaubenswissen. Geht es im Religionsunterricht um abprüfbare Inhalte oder mehr um Lebenshilfe und Sozialarbeit?
Da habe ich zwei Gedanken dazu. Der erste Gedanke bezieht sich auf die Lehrpläne des katholischen Religionsunterrichts und dem darin enthaltenen Hinweis, dass es im Religionsunterricht nicht nur um ein Bescheidwissen über Religion und Glaube geht, sondern immer auch um die Ermöglichung von Religion und Glaube. Mit anderen Worten gesprochen: es geht einerseits um die Vermittlung von strukturiertem und lebensbedeutsamem Grundwissen über den katholischen Glauben und andererseits um das Vertrautmachen mit Formen gelebten Glaubens und der Förderung religiöser Dialog- und Urteilsfähigkeit. Der zweite Gedanke dazu ist: Wir haben uns von katholischer Seite immer bemüht, dass sich der Religionsunterricht den neuesten und qualitativ besten Anforderungen stellt. Wir haben angefangen mit dem Katechismusunterricht. Dann ist es in den 70er Jahren übergegangen zu einem „korrelativen Religionsunterricht“, d.h. zum Blick auf das Leben der Schüler, auf die Verbindung von Glauben und Leben. Seit einigen Jahren spricht man nun vom so genannten „kompetenzorientierten“ Religionsunterricht, der die vielen Dimensionen religiöser Bildung und Glaubensentwicklung mit einschließt.

Inwieweit ist ein Religionslehrer auch Seelsorger?
Meiner Meinung nach gehört die Schulpastoral, also das christliche Engagement im Lebensraum Schule zu einem qualitätsvollen Religionsunterricht dazu. Das Ziel ist die Förderung einer humaneren und menschenfreundlicheren Schulkultur. Sie lebt sozusagen vom Dienst am Menschen.

Das Schulamt der Diözese

Das Schulamt ist zuständig für alle Fragen des römisch-katholischen Religionsunterrichts und der Katholischen Privatschulen. Diese werden in den Bereichen Ausbildung, Fortbildung, unmittelbare Beaufsichtigung und Begleitung der Religionslehrer/innen wahrgenommen. Ebenso verantwortlich ist das Schulamt für die Ausarbeitung neuer Lehrpläne und Religionsbücher. Dem Schulamt der Diözese entspricht auf Bundesländer-Ebene der Landesschulrat.

(Aus KirchenBlatt Nr. 37 vom 18. September 2011)

Von Simon Felizeter veröffentlicht am 14.09.2011

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