"Wälze den Stein"
Beim Wandern durch die Berge kann man das Wunder sehen. Inmitten felsiger Wände, zwischen Schiefergestein, bahnen sie sich ihren Weg an die Sonne: gelbe Blüten. Unscheinbar und doch kräftiges Zeichen des Protests gegen den Tod und die Unwirtlichkeit der Bedingungen. Blüten werden zum Sinnbild der Auferstehung.
Gott schenkt Leben, wo der Mensch denkt, dass nichts entstehen kann. Das Licht der Auferstehung macht alles Dunkle hell, sprengt alle unsere vorstellbaren Grenzen, Steine werden weggewälzt wie Papier. Ostern führt uns in die Weite des Lebens in vollkommener Fülle. An manchen Tagen wiegt unser Leben schwer, wie ein Felsbrocken, der auf unserer Brust lastet. Viele Menschen auf unserer Erde sind gefährdet, sind Krieg und Terror ausgesetzt. Andere leiden große Not. Sie alle brauchen unsere Solidarität und Hilfe. Unsere Zuwendung ist ein Hinweis auf die Kraft des Glaubens.
Gertrud von Le Fort sagt: „Geh in dein eigenes Herz und wälze den Stein von der Türe des Grabesdunkeln: Du selbst musst auferstehen – Christ ist erstanden.“ Diesen Sieg des Lichts feiern wir jedes Jahr wieder neu. Was dem Wanderer in der Natur nach Monaten der scheinbaren Leblosigkeit begegnet, das darf sich in unserem Leben über den Tod hinaus ereignen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein gesegnetes, lichtreiches Osterfest!
+ Bischof Elmar Fischer
Von der Redaktion veröffentlicht am 08.04.2009

