17. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C), 25. Juli 2010, Wort zum Sonntag von Anton Pepelnik.
Weil Gott ein Freund der Menschen ist, weil Gott eine Freundin des Lebens ist – deshalb gibt es nichts, was Menschen bewegt, mit dem sie nicht zu Gott kommen können: zu bitten, wo Not ist, zu klagen, wo Leid ist, zu danken, wo Leben gelingt . . . und beizeiten still zu werden und ruhig in Gott.
1. Lesung
Gen 18, 20–32
Der Herr sprach zu Abraham: Das Klagegeschrei über Sodom und Gomorra, ja, das ist laut geworden, und ihre Sünde, ja, die ist schwer. Ich will hinabgehen und sehen, ob ihr Tun wirklich dem Klagegeschrei entspricht, das zu mir gedrungen ist. Ich will es wissen. Da trat Abraham näher und sagte: Willst du auch den Gerechten mit den Ruchlosen wegraffen? Vielleicht gibt es fünfzig Gerechte in der Stadt: Willst du auch sie wegraffen und nicht doch dem Ort vergeben wegen der fünfzig Gerechten dort? Das kannst du doch nicht tun, die Gerechten zusammen mit den Ruchlosen umbringen. Sollte sich der Richter über die ganze Erde nicht an das Recht halten?
Da sprach der Herr: Wenn ich in Sodom, in der Stadt, fünfzig Gerechte finde, werde ich ihretwegen dem ganzen Ort vergeben. Abraham antwortete und sprach: Ich habe es nun einmal unternommen, mit meinem Herrn zu reden, obwohl ich Staub und Asche bin. Vielleicht fehlen an den fünfzig Gerechten fünf. Wirst du wegen der fünf die ganze Stadt vernichten? Nein, sagte er, ich werde sie nicht vernichten, wenn ich dort fünfundvierzig finde. Er fuhr fort, mit ihm zu reden: Vielleicht finden sich dort nur vierzig. Da sprach er: Ich werde es der vierzig wegen nicht tun. Und weiter sagte er: Mein Herr, zürne nicht, wenn ich weiterrede. Vielleicht finden sich dort nur dreißig.
Er entgegnete: Ich werde es nicht tun, wenn ich dort dreißig finde. Darauf sagte er: Ich habe es nun einmal unternommen, mit meinem Herrn zu reden. Vielleicht finden sich dort nur zwanzig. Er antwortete: Ich werde sie um der zwanzig willen nicht vernichten. Und nochmals sagte er: Mein Herr, zürne nicht, wenn ich nur noch einmal das Wort ergreife. Vielleicht finden sich dort nur zehn. Und wiederum sprach er: Ich werde sie um der zehn willen nicht vernichten.
Evangelium
Lk 11, 1–13
Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat. Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung. Dann sagte er zu ihnen: Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote; denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen, und ich habe ihm nichts anzubieten!, wird dann etwa der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen, und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben? Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm seine Bitte erfüllt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht.
Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Oder ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet, oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet? Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.
2. Lesung
Kol 2, 12–14
Wort zum Sonntag
Anton Pepelnik
Jahrgang 1953 und Vater von vier Kindern. Lehrer an Polytechnischer Schule, Diakon und Gefängnisseelsorger in Feldkirch/Vbg., Mithilfe in den Pfarren Koblach und Mäder.
sonntag@kirchenzeitung.at
Bitten, handeln . . . beten
Abraham beginnt scheinbar zu verhandeln. Nicht dass er behauptet, das Geschehene sei so nicht vorgekommen in den beiden Städten; es geht ihm um die guten Menschen, die nicht leiden sollen – und seien es nur ganz wenige. Abraham redet, verhandelt mit Gott, oder können wir nicht sagen, er betet auf seine persönliche Art und Weise mit Gott? Die Beter der Psalmen schreien ihre persönliche Not heraus und fragen, Gott, warum hilfst du mir nicht; und sie bedanken sich, dass Gott sie nicht vergisst.
Ist Beten noch zeitgemäß? Es gibt doch immer mehr Versicherungen – Lebensversicherungen, Gebäude- und Autoversicherungen, Körperteile werden versichert. Aber nichts ist mehr selbstverständlich; auch die Kirche nicht mit dem, was sie lehrt, und eben unsere Zukunft nicht. Könnte nicht jederzeit durch das Handeln eines Menschen die ganze Erde zerstört werden?
Andere wieder sagen, wie kann man Gott als gütigen Vater ansprechen, wo doch die Mehrheit der Menschen hungert und mehr vegetiert als lebt? Lehrt Not beten? Es ist schön wenn jemand betet, wenn er zumindest in der Not daran denkt. Es ist traurig, wenn man es in guten Zeiten vergisst und nie ein Dankgebet spricht.
Beten kann natürlich verschieden ablaufen. Eine Person im Gefängnis ist froh, wenn wir gemeinsam das Vaterunser sprechen, oder ich formuliere das vorher Angesprochene in ein Gebet. Andere wieder haben ein Gebetbuch, oder ich weise auf die Gebete im Gotteslob hin.
Nicht vergessen dürfen wir, dass wir auf unser Gebet oder unsere Bitte hin nicht erwarten dürfen, dass nun genau dies passiert, was wir wünschen. Gott ist nicht unser Diener, heißt es doch ,dein Wille geschehe‘. Und manchmal kommt man erst Jahre später zur Einsicht, dass es so, wie es gelaufen ist, doch besser war. Und dann heißt es wieder: je mehr einer betete, umso weniger hatte er zu sagen, und er wurde immer mehr zum Hörenden. Beten heißt still werden, hören, was in der Stille kommt, aus mir oder von Gott.
Zum Weiterdenken:
Wann bete ich? Wie bete ich? Wo bete ich?
Lasse ich zu, dass Gott zu mir spricht?
Von Marianne Springer veröffentlicht am 21.07.2010

