Am 17. Jänner 2012 wird Arno Geiger exklusiv für KirchenBlatt-Leser/innen sowie Angehörige und Freunde der Bewohner/innen des Hauses Mariahilf in Bregenz aus seinem aktuellen Roman lesen. Mit dem KirchenBlatt sprach er vorab über die Hintergründe zu seinem Bestseller und seine persönlichen Highlights 2011.


"Der alte König in seinem Exil“ wurde mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht. Erst kürzlich wurde Ihnen unter anderem der Johann-Beer-Literaturpreis verliehen. Hat sich Ihr Leben neben den vielen Auszeichnungen und dem damit verbundenen Interesse der Öffentlichkeit verändert?
Vorübergehend ja. Die Anforderungen und Belastungen, die mit der Veröffentlichung einhergegangen sind, waren enorm. Aber jetzt wird’s wieder ruhiger, und ich sehe zu, dass mein Leben wieder kleiner wird. Die viele Anerkennung, die ich bekommen habe, nehme ich natürlich mit, das gibt ein Gefühl der Gelassenheit.

Die Krankheit Demenz wird in „Der alte König in seinem Exil“ auf Grund Ihrer persönlichen Erfahrungen mit Ihrem Vater sehr facettenreich geschildert. Trotz aller Tragik gibt es immer wieder Platz für Lachen und Hoffnung. Was überwiegt für Sie heute im Umgang mit Ihrem Vater?
Die Traurigkeit im Untergrund war von Anfang an da und wird nicht vergehen.
Es ist so schade, dass mein Vater krank geworden ist. Aber im Alltag schiebe ich diese Traurigkeit beiseite und gehe positiv mit der Situation um. Ich kann die Krankheit nicht ändern, nur meine Einstellung zur Krankheit. Das Verlorene ist verloren, dort ist nicht zu gewinnen.
Im Alltag zählt das Vorhandene, und da greifen wir nach allem Schönen, nach jedem Glücksmoment und sind oft fröhlich.

In Ihren anderen Romanen wie z.B bei „Alles über Sally“ werden fiktive Personen sehr überzeugend und komplex geschildert. In „Der alte König in seinem Exil“ haben Sie sich der Realität bedient. Welche „Form“ bevorzugen Sie?
Das autobiographische Schreiben liegt mir, weil ich zum selbst Erlebten Distanz nehmen und Selbstverliebtheiten draußen halten kann. Gleichzeitig sind nicht nur meine Gefühle involviert, sondern auch die Gefühle von Menschen, die mir nahestehen. Das fiktionale Schreiben verursacht weniger nächtliche Sorgen. Dafür fällt es schwerer, eine erfundene Geschichte so zu erzählen, dass sie glaubwürdig und in sich stimmig ist.

Arbeiten Sie zur Zeit an einem neuen Roman?
Ich bereite immer nebenher verschiedene mögliche Projekte vor. Es gibt einen Vorlauf von drei, manchmal fünf Jahren, bis ich mich ans Schreiben mache. Mal schauen, was als nächstes wird. Über noch ungeschriebene Bücher habe ich mich nie viel geäußert und bin gut damit gefahren.

Was waren 2011 Ihre persönlichen Highlights. Was wünschen sie sich für 2012?
Als das Buch erschienen war, ist mein Vater aufgeblüht, er hat gespürt, dass alle im Dorf einen Tick fröhlicher und entspannter auf ihn zugehen. Er war selbstbewusster, ausgeglichener und oft zum Scherzen aufgelegt. Demenzerkrankungen sind wenig angesehen, und oft wird den Betroffenen der gewohnte Respekt und die gewohnte Zuneigung entzogen. Das spüren die Betroffenen. Mein Vater und ich haben im vergangenen Jahr viele schöne Momente erlebt. Es war ein gutes Jahr.
Für 2012 wünsche ich mir nichts Besonderes, nur ein wenig mehr Ruhe.

Welches Buch liegt zur Zeit bei Ihnen auf dem Nachtkästchen?
Von Joseph Vogl, „Über das Zaudern“.


Das Gespräch führte Petra Baur


Zur Person

Arno Geiger

Arno Geiger wurde 1968 in Bregenz geboren und wuchs in Wolfurt auf. 1993 schloss er das Studium der Deutschen Philologie, Alten Geschichte und Vergleichenden Literaturwissenschaft in Wien und Innsbruck ab. Von 1986 - 2002 Arbeit als Videotechniker bei den Bregenzer Festspielen. 1996 Einladung zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. Arno Geiger lebt als Schriftsteller in Wolfurt und Wien.

Auszeichnungen: 1994 Nachwuchsstipendium des öst.Bundesministeriums für Kunst. 1998 Abraham-Woursell-Award. 1999 Literaturstipendium des Landes Vorarlberg. 2001 Carl Mayer-Drehbuchförderpreis. 2005 Deutscher Buchpreis. 2008 Johann-Peter-Hebel-Preis des Landes Baden-Württemberg. 2010 Literaturpreis der Vorarlberger Buch- und Medienwirtschaft.

Romane: Irrlichterloh (1999). Schöne Freunde (2002). Es geht uns gut (2005). Alles über Sally (2010). Der alte König in seinem Exil (2011).

Zur Anmeldung.

Von Hannes Mäser veröffentlicht am 27.12.2011

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