Ende Juli trafen sich die Batschunser Frohbotinnen zur jährlichen “Werkversammlung”. Zum Abschluss gab es ein besonderes Fest: Zwei Frauen legten das Gelübde ab, ihren (Lebens-)Weg mit dem Werk der Frohbotschaft zu gehen.
Auf dem Weg zu einer heileren Welt und zu einem menschenwürdigen Leben für alle - die Gemeinschaft der Frohbotschaft Batschuns versteht sich als geistliche Weggefährtenschaft, die die frohe Botschaft Jesu zu den Menschen tragen möchte, sie ist deshalb, so der Titel ihrer Regel, “draußen (in der Welt) zuhause”. Ihr Motto ist der Grundauftrag Jesu, den Armen die Frohe Botschaft zu bringen, die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen und ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen (vgl. Lk 4,17). Kein leicht erreichbares Ziel, und dennoch scheint es gerade dieser radikale Anspruch zu sein, der die zwei Kandidatinnen in die Nachfolge gerufen hat. Wohl wissend, dass eine solche Anforderung erst lebbar wird dank der Gemeinschaft von Weggefährtinnen.
Angesprochen vom lebendigen Gott. Dr. Karoline Artner, die ehemalige Leiterin der Gemeinschaft, stellte denn auch die “Begegnung” mit dem herausrufenden Gott ins Zentrum ihrer Ansprache. Sie verwies auf biblische Vorbilder, die im vollen Wissen um ihre eigene Begrenztheit aus dem Hören heraus ein Vertrauen empfingen, das sie befähigte, ihre eigenen Grenzen zu übersteigen. Freiheit ist ein Prozess, betonte Dr. Artner, und sie entwickelt sich erst dort, wo es zu einer immer tieferen Bejahung der eigenen Begrenztheit kommt. Wo dies aber geschieht, werden vom Geist Gottes erfüllte Aufbrüche möglich.
Offen und dynamisch. Das Kennzeichen dieser Gemeinschaft, die sich als “recht bunte Truppe” versteht, ist das Offene und Dynamische, das Hören und Suchen nach Wegen. “Die Worte der Regel ließen und lassen mich leben”, sagt die Theologin Birgit Mack. Aufgewachsen in der Steiermark, studierte sie in Graz Theologie und arbeitete anschließend in der Pastoral. Eine schwere Erkrankung führte jedoch zu einer Zäsur in ihrem Leben und ließ sie den Beruf der Hörgeräteakustikerin ergreifen, indem sie sich nun ganz buchstäblich den Nöten der Menschen öffnen kann. Im Rahmen eines Gottesdienstes, der von Pfarrer Erich Baldauf zelebriert wurde, band sie sich für weitere drei Jahre an die Gemeinschaft.
Hören und Gemeinschaft wagen. “Gerade so etwas brauchen wir doch”, meinte Dr. Karoline Artner, als die Dornbirnerin Gerda Willam vor bald 10 Jahren anklopfte und Bedenken äußerte, ob sie denn nicht zu eigenständig und dynamisch sei für eine solche Gemeinschaft? “Draußen in der Welt zuhause” fühlte sich die Mathematikerin und Theologin wohl schon immer. Ausgedehnte Reisen führten sie schon früh in den Orient, in sozialen Einrichtungen lernte sie die Schattenseiten unserer Gesellschaft kennen. Die Offenheit für andere Religionen und der Einsatz für eine gerechtere Welt sind ihr wichtig. Heute arbeitet sie als Pastoralassistentin und in der Flüchtlingshilfe in Istanbul. Am Werk der Frohbotschaft schätzt sie die demokratischen Strukturen und die mitunter spannende Vielfalt der Gemeinschaft. Dies biete ihr die Chance, in großer Entschiedenheit und Selbstverantwortung das Evangelium zu leben. Nach einer langjährigen Beziehung hat sie den Weg zur Gemeinschaft gefunden und sich nun mit den ewigen Gelübden für diese Lebensform entschieden.
nach oben(aus KirchenBlatt Nr. 34 vom 29. August 2010)
Von Alexander Hartmann veröffentlicht am 26.08.2010

