Der Höhepunkt der jährlichen Gebhardsfeierlichkeiten ist der Festgottesdienst auf dem Gebhardsberg. Dieses Jahr zelebrierte und predigte Bischof Dr. Gebhard Fürst von der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Nach der Eucharistie im Burghof nahm der Bischof Namenstagsglückwünsche entgegen, bevor er dem Kirchenblatt zur gegenwärtigen Lage von Kirche und Glaube Rede und Antwort stand. Das Gespräch führte Wolfgang Ölz

Sie haben soeben den Gottesdienst zum Gebhardsfest gefeiert. Wie stehen Sie zu ihrem eigenen Namenspatron?
Ich selber habe ein sehr nahes Verhältnis zu meinem Namenspatron, als Kind haben mich meine Eltern schon einmal hierher an den Gebhardsberg gebracht. Mein Vater hatte einen Freund, der Gebhard hieß und im Krieg neben ihm gefallen ist, deshalb hat er mir den Namen Gebhard gegeben. So habe ich zu dem Ort hier, von dem mein Name herstammt, eine ganz nahe Beziehung. Es gibt vom heiligen Gebhard eine Legende, in der berichtet wird, wie er einen Lahmen aufrichtet. Das gefällt mir besonders gut, weil das ja mit dem bischöflichen Amt in der Nachfolge Jesu etwas zu tun hat. 

„Aufstehen für das Leben und Handeln im Geist Jesu Christi“ scheint Ihnen ein wichtiges Thema zu sein. Sie publizieren dazu ja auch. Wie sieht das konkret aus?
In unserer technologisch, wissenschaftlich geprägten Kultur und Gesellschaft ist unser Leben eigentlich bedroht, und zwar durch die Bürokratie, durch die Wirtschaftsprozesse, aber auch durch unsere Mentalität ‘alles muss etwas nützen’ und ‘nur das Starke gilt etwas’. So ist das Leben schon zu Beginn bedroht, wenn man an die ganze „verbrauchende Embryonenforschung“ denkt,  aber auch am Ende ist es für die uneingeschränkte Würde des Menschen gefährlich, wenn der schwache, alte Mensch nichts mehr wert sein soll. Das sind genau die Schwachen von denen Jesus spricht. Der heilige Gebhard hat solch einen Schwachen, der daniederlag, mit seinem Bischofsstab dazu gebracht, dass er aufsteht zu neuem Leben.

Sie haben bereits die kritischen Punkte am Anfang und Ende des Lebens genannt, wo die Kirche Einspruch erheben muss. Wo soll die Kirche noch in den öffentlichen Diskurs eingreifen?
Virulent sind in der Tat die Bereiche „verbrauchende Embryonenforschung“, der Lebensschutz und die Frage der Abtreibung. Wir müssen uns für das heranwachsende Leben im Mutterleib stark machen, weil die haben keine Lobby. Wir müssen die Männer und Frauen stärken, dass sie ja sagen zum werdenden Leben. Auch die Hospizbewegung, die gute Begleitung der Sterbenden ist für mich ganz zentral.
Unsere katholische Soziallehre ist es auch, die sagt: das Kapital ist für den Menschen da, nicht der Mensch für das Kapital. Wir müssen auch für jene Werte eintreten, von denen wir überzeugt sind, dass sie den Menschen zu einem guten, gelingenden Leben führen. Zum Beispiel die Treue in Ehe und Familie, aber nicht nur durch Worte, sondern vor allem auch durch unser Handeln, zum Beispiel in Form von finanzieller Unterstützung für Familien.

Wie soll sich der Prozess von der „Volkskirche zur missionarischen Kirche im Volk“, wie Sie sich selbst ausdrücken, abspielen?
Es ist bei uns in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, wie vielerorts in Europa so, dass das Volkskirchliche abbröckelt und zurückgeht. Da sollen wir den Schluss daraus ziehen, dass wir unseren Glauben noch stärker leben, auch in der Öffentlichkeit bekennen und uns für unsere Werte einsetzen.
Wir sollen vor allem unseren Nächsten lieben, und uns einsetzen für Gerechtigkeit und Frieden. So werden wir als Christen attraktiv, da werden wir auch missionarisch. Die Menschen sollen sagen, das fasziniert uns, wie die sich für uns in Nächstenliebe einsetzen.

Wie sehen Sie das Thema Schöpfungsverantwortung ?
Ich habe bei uns in der Diözese eine große Klimainitiative gestartet, wo wir aufgrund der Klimaproblematik uns ganz stark machen für die Schöpfung. Wir haben zum Beispiel Geld zur Verfügung gestellt, damit ein Gemeindezentrum ökologisch umgebaut wird. Ich habe auf meinem Bischofssitz auch eine Photovoltaikanlage, bekomme also meine Energie jetzt ‘direkt vom Himmel’, und kann so das Thema Schöpfungsverantwortung vorleben.

Sie sind Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz. Wo soll/muss/kann kirchliche Medienarbeit ansetzen?
Für mich sind nach wie vor die Bistumsblätter von großer Bedeutung. Unsere Kirchenzeitung hat bei einer Gesamtzahl von zwei Millionen Gläubigen eine bestellte Auflage von 50.000. Es rechnet sich auch, aber es ist mir auch deswegen wichtig, weil so eine Bistumszeitung erzeugt bei denen die sie lesen gemeinsames Wissen, sie schafft eine starke Identität und Identifizierung mit der Diözese.
Es ist sehr wichtig, dass wir die Menschen über Informationen daran beteiligen, was geschieht. Es geschieht bei uns in der Kirche soviel Gutes, aber die allermeisten Menschen wissen das gar nicht. Deutschland weit gibt es die Homepage “katholisch.de” nun ist die Bestrebung die, auf diese digitale Homepage ein digitales Fernsehen draufsetzen. Es braucht wahrscheinlich noch 2-3 Jahre, dann können wir täglich 6-8 Stunden “life stream” senden. 

Möchten Sie der Diözese Feldkirch zum Gebhardsfest noch etwas sagen?
Ich möchte den Katholiken der Diözese Feldkirch sagen, dass sie zuversichtlich sein und mit Glaubensfreude, erfüllt von christlicher Hoffnung leben und ihre Zukunft bestehen können - und nicht Sorgen und Ängste haben müssen, dass alles zusammenbricht.

Von Wolfgang Ölz veröffentlicht am 02.09.2009

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