Kaplan Ronald Stefani, derzeit in Bregenz St. Kolumban und in Buch tätig, wird im Herbst die Pfarre Altenstadt übernehmen. Klaus Gasperi befragte ihn über seine bisherigen pastoralen Erfahrungen, sein Studium und seine Spiritualität.
„Ist er nun groß oder klein, dick oder dünn, der neue Pfarrer?” - so fragten uns die Altenstädter. Das KirchenBlatt scheute keine Mühen. Lesen Sie hier, was wir alles herausgefunden haben. Und welche Eindrücke und Erfahrungen Ronald Stefani während seines Studiums und in seinen Kaplansjahren sammeln konnte.
Also die Matura, die sei doch viel schlimmer als der Zölibat, lacht Ronald Stefani. Nur dank eines gutmütigen Professors sei er schließlich noch ans BORG gekommen. Und an der Uni, da habe er zunächst gedacht, er sei im falschen Studium gelandet: Philosophie, Metaphysik, das war am Anfang eine recht abstrakte Sache, gibt er zu. Sein Interesse galt mehr der Bibel und der Liturgie, er ist eher praktisch orientiert. Gerne ist er in der Schule, hat viel mit Kindern und Jugendlichen zu tun. Die haben ein gutes Gespür für religiöse Fragen und reden spontan und direkt darüber. Überhaupt, in religiösen Dingen hätten Kinder bisweilen mehr Ahnung als manche Erwachsenen, die oft in ihren negativen Kirchenenttäuschungen steckenbleiben.
Hier in St. Kolumban trifft man die Leute höchstens beim Einkaufen, sagt er. In der Stadt fehlten eben Treffpunkte, da sei es schwierig, mit den Leuten direkt in Kontakt zu kommen. Die Leute wohnen hier, doch es gibt kaum Vereine, selbst ein „normales Gasthaus“ fehlt. Die Schule sei da eine gute Möglichkeit, mit den Menschen Beziehungen aufzubauen. Generell habe er aber eine sehr reizvolle Aufgabe vorgefunden: viel Freiraum und die Möglichkeit, Neues aufzubauen.
Ein wertschätzendes Miteinander pflegen.
Im Hinblick auf seine erste Pfarrstelle im Herbst in Altenstadt spürt er schon Erwartungen. Aber das freut ihn: „Dieses Interesse an meiner Arbeit, das ist für mich auch ein Ausdruck von Willkommensein.” Er hat keine großen Konzepte, will zunächst hinschauen und zuhören. Kirche, das muss heute zuerst ein Ort sein, der Heimat und Geborgenheit bietet, vor allem auch für junge Menschen. Wenn man Licht sieht im Pfarrhaus, dann soll man doch einfach vorbeikommen, sagt er. Ein gutes Miteinander aufzubauen, das ist ihm wichtig. Deshalb stellte er seine Primiz unter das Wort Jesu: „Vielmehr habe ich euch Freunde genannt!” (Joh 15,15)
Im Übrigen sei er ziemlich unsportlich.
Höchstens Rodeln kommt für ihn in Frage und gelegentliches Luftschnappen in der Natur. Und Urlaub? - Den Montag freizuhalten, Zeit für Freunde und für Geselligkeit, das braucht er schon. Große Reisen aber nicht. Mit Freunden gemeinsam auf der Terrasse zu grillen, das ist für ihn Urlaub. Und er singt gerne. Überhaupt, die Sonntagseucharistie zu feiern und sie sorgfältig zu gestalten, das ist eine seiner wichtigsten Quellen.
Viel Platz für bunte Vögel.
Die Leute schauen zu oft nach oben, zum Bischof und zum Papst, dabei gebe es doch viele Möglichkeiten, wo sich jeder vor Ort selber einbringen kann. Die eigenen Begabungen zu entdecken und in die Gemeinschaft einzubringen, das ist es, was ihn auch selber immer wieder motiviert: einfach mit den Menschen unterwegs zu sein und Glaube und Leben zu fördern. Gerade heute, wo es so viel Individualität gibt, sei es sehr herausfordernd, miteinander unterwegs zu sein. Die Vielfalt der Welt zeigt sich dann eben auch in der Kirche, wo jeder mit seinen Eigenheiten Platz finden soll.
Die andere Wirklichkeit heranholen.
Als Primizbild wählte Stefani eine Darstellung vom Mitgehen Gottes: Christus legt seine Hand um Abt Menas. Ein Bild das Mut macht, gerade auch im Hinblick auf die Pastoral, wo sich in naher Zukunft vieles ändern wird. Dennoch, der vertraute Blick Gottes lässt uns Veränderungen wagen. Die Ikone, so sagt er, holt diese andere Wirklichkeit an uns heran, macht ein Fenster auf zu diesem Gott, der sagt: „Ich gehe mit dir, wohin du auch gehst.” Das Wissen um dieses „Daheimsein bei Gott” lässt uns seine Gegenwart entdecken, auch in den „Verkleidungen des alltäglichen Lebens”.
Ronald Stefani
geboren 1978 in Bregenz, aufgewachsen in Kennelbach, nach dem Besuch der Hauptschule in Wolfurt maturierte er 1997 am BORG Lauterach. Im darauffolgenden Herbst trat er ins Priesterseminar ein und begann das Studium der Theologie und der Religionspädagogik.
Während des Studiums in Innsbruck arbeitete er mehrere Jahre in der Pfarre Wilten-West mit und ließ sich auch vom Seminar beurlauben, um seine Berufung zu klären. Nach dem Studienabschluss im Sommer 2004 absolvierte er das Pastoraljahr in Nenzing und wurde am 16. Juni 2006 von Bischof Elmar zum Priester geweiht.
Seit Herbst 2006 ist er als Kaplan in Bregenz St. Kolumban und in Buch tätig. „Das sind zwei unterschiedliche Welten”, betont er. Im Gegensatz zur Stadt ist die Berggemeinde Buch eine sehr überschaubare Pfarre, man kennt sich und es gibt viele Möglichkeiten miteinander in Kontakt zu kommen. So habe sich auch bei der Kirchenrenovierung gezeigt, dass viele sehr engagiert mitarbeiten.
(aus KirchenBlatt Nr. 10 vom 14. März 2010)
Von Marianne Springer veröffentlicht am 11.03.2010

