24. April 2011 (Lesejahr A) - Wort zum Sonntag von Rudolf Wiesmann
Hineinwachsen in ein österliches Leben
Im auferweckten Christus ist das neue Leben schon angebrochen. Zu lernen aber, als österliche Menschen zu leben, kann dauern, bis menschliches Vertrauen in die österliche Weite eines Gottes hineingewachsen ist, der alles und alle Menschen als seine Geschöpfe liebt. Dann wird die uns geschenkte neue Welt vollendet sein, in der Gott selber – die Liebe – alles in allem ist.
Evangelium
Johannes 20, 1–18
Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie wussten noch nicht, dass er von den Toten auferstehen musste. Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück.
Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.
1. Lesung
Apostelgeschichte 10, 34a. 37–43
Da begann Petrus zu reden und sagte: [. . .] Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen für alles, was er im Land der Juden und in Jerusalem getan hat. Ihn haben sie an den Pfahl gehängt und getötet. Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen, zwar nicht dem ganzen Volk, wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen: uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben. Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkündigen und zu bezeugen: Das ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten. Von ihm bezeugen alle Propheten, dass jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt.
2. Lesung
Kolosser 3, 1–4
Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische! Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott. Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.
Wort zum Sonntag
Rudolf Wiesmann
verheiratet, Vater von zwei Buben.
Leiter der Fachstelle Altenseelsorge/Diözese Innsbruck, Seelsorger in einem Alten- und Pflegeheim; PGR-Obmann der Pfarre Strengen,
Den Autor erreichen Sie unter sonntag@kirchenzeitung.at
Du führst mich hinaus ins Weite
Die Rettung der Israeliten am Schilfmeer (Ex 14, 15–15, 1) ist eine der alttestamentlichen Lesungen, die wir jedes Jahr in der Osternacht hören. Gott führt sein Volk trockenen Fußes durch das Meer, die Ägypter lässt er ertrinken. Die Israeliten deuten das wunderbare Gelingen ihrer Flucht als Gottes Machttat. Widerstände und Protest regen sich in mir: Nein, so ist unser Gott nicht, dass er die einen vernichtet, damit andere leben! Die Israeliten, von der Angst vor den Feinden im Nacken befreit, blicken zurück und sehen die Ägypter tot am Strand liegen, heißt es weiter (V. 30f.). Da beginnen sie den Herrn zu fürchten. Wer mit dem Herzen sieht, wird manchmal im bisher strammen Glaubensbekenntnis irritiert und kann es plötzlich nur mehr mit gemischten Gefühlen sprechen.
Wir hören diese Geschichte in der Osternacht zusammen mit der Erzählung von der Auferweckung Jesu aus dem Tod (Mt 28, 1–10).
Das österliche Geschehen versetzt die Wächter und die Frauen am Grab in Furcht. Aber ein Engel sagt: „Fürchtet euch nicht!“ (V.5) Und er verweist auf den Gekreuzigten. Jesus hat jene, die ihm Feinde waren, nicht vernichtet, sondern geliebt und sich selber
geopfert. Und Gott hat ihn auferweckt. Von ihm, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, kommt unsere Rettung. Er befreit uns vom Feindesdenken und von der Angst vor der zerstörerischen Macht des Bösen.Schon ist das neue Leben in Christus angebrochen. Aber es wird noch dauern, bis wir gelernt haben, als österliche Menschen zu leben; bis unser Vertrauen in die österliche Weite eines Gottes hineingewachsen ist, der alles und alle Menschen als seine Geschöpfe liebt, auch seine Feinde. Die im auferstandenen Christus uns geschenkte neue Welt wird dann vollendet sein, in der Gott selber – die Liebe – alles in allem ist.
Zum Weiterdenken
Vertraue ich dem Protest meines Herzens, aufzustehen gegen Mächte, die Leben zerstören? Wie und wo gelingen mir (zaghafte) Schritte des Hineinwachsens in die österliche Weite des Vertrauens und der Liebe?
Garten
Was wüst dir war
was steinig
was leblos lag und karg
das blühe dir nun auf
in den Gärten unseres Gottes
Gepflanzt ist dort Liebe
Sie wächst und reift
Jetzt schon pflückt dein Glaube
die Frucht
Brigitte Enzner-Probst
(aus KirchenBlatt Nr. 16/17 vom 24. April 2011)
Von Marianne Springer veröffentlicht am 21.04.2011

