Noch nie was von der Stachelkönigin gehört? Nein? Und vom Meldespecht auch nicht? Eine Bildungslücke erster Güteklasse, die Christoph Bochdansky in der Feldkircher Johanniterkirche mit seinen „Anmerkungen zur Umgebung“ stopft.
Bild rechts: Schnapp! ... und schon wurde man von der Faszination der kleinen Figuren gepackt. Beim Rundgang durch die Feldkircher Johanniterkirche begegnet man den Schauspielern aus Papier in allen Ecken und Nischen.
von Veronika Fehle
Es sind eigenartige Figürchen, die der Bildhauer und Puppenspieler Christoph Bochdansky da in die Ecken und Nischen der Feldkircher Johanniterkirche gestellt hat. In ihrem Handeln wie eingefroren, in der Bewegung gestoppt, erzählen sie in kleinen Szenen ihre Geschichten - oder besser noch: sie geben Ansätze zu Geschichten, die sie uns erzählen und die der Betrachter mit seinen eigenen Erfahrungen und Erinnerungen komplettiert. Zwei, drei kurze Sätze, auf kleinen Täfelchen den Figurengruppen zugeordnet, liefern Anknüpfungspunkte zu den individuellen „Anmerkungen zur Umgebung“ - und genau da befragt dann zum Beispiel die Stachelkönigin auch den Meldespecht.
Ähnlich, aber nicht gleich
Die Johanniterkirche mit ihren archäologischen Grabungen ist da natürlich der perfekte Schauplatz, um in den Erinnerungen zu wühlen, oder wie Christoph Bochdansky es selbst in Worte fasst: „Wir wissen nicht, was davor geschah und auch nicht, was weiter geschehen wird. Doch unsere Ahnungen werden uns weiter führen, werden das Bild vervollständigen. Es sind Erinnerungen, die wir irgendwann irgendwo gemacht haben - nicht so wie sie die kleinen Skulpturen darstellen, aber so ähnlich.“ Erinnerungen wecken dann auch die Tanzbewegungen, die die Vorarlberger Choreographin Rose Breuss ihrer Company Off Verticality auf den Leib schneidert. „Der Tanz geht auf den Raum ein. Es wird weiter gespielt, was man dort sieht. Er ist eine andere Deutung der Figuren, keine Übersetzung der Szenen“, erklärt die Choreographin und Direktorin des Institute of Dance Arts an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz, deren Arbeiten u. a. bereits bei den Bregenzer Festspielen zu sehen waren.
In guter Begleitung
Am Eröffnungswochenende waren Rose Breuss und ihre Compagnie live in der Johanniterkirche zu sehen. Aber auch Christoph Bochdansky‘s Pappmaché-Figürchen scheinen zu tanzen - und die bleiben mindestens noch bis zum 7. Juli in Bewegung.
Termine
Ausstellung „Anmerkungen zur Umgebung“
bis 7. Juli, Di-Fr von 10-12 und 15-18 Uhr, Sa von 10-14 Uhr,
Johanniterkirche Feldkirch.
Matinee für die Kunst
Am 8. Juli ist die Johanniterkirche in eigener Sache unterwegs. Da es auch für dieses etablierte Kunstquartier finanziell immer enger wird, haben Künstler/innen, die bereits in der Johanniterkirche zu Gast sein durften, Arbeiten zur Verfügung gestellt, die nun zugunsten der Johanniterkirche verkauft werden.
Kunstmatinee, 8. Juli, 9-11 Uhr, Johanniterkirche Feldkirch
Von Marianne Springer veröffentlicht am 27.06.2012

