Anlässlich des Jubiläums "50 Jahre Arbogast" befragte KirchenBlatt Redakteur Wolfgang Ölz den Leiter Josef Kittinger und P. Peter Lenherr.
zu: Festprogramm
zu: Fakten zu Geschichte und Gegenwart
Auch 2030 soll Arbogast noch ein Ort der Lebensfreude, der Freiheit und des Dialogs für jung und alt sein, wünscht sich Leiter Josef Kittinger (re), Pater Peter Lenherr (li) geht es als Seelsorger darum, dass das Innerste des Menschen sich entwickeln darf, Menschsein und Christsein auch in Zukunft Freude macht.
Wie sind Sie persönlich nach St. Arbogast gekommen?
Kittinger: 1989 ist mein Vorgänger August Christa, der das Haus 29 Jahre geleitet hat, in Pension gegangen, und die Stelle ist österreichweit ausgeschrieben worden. Da meine Frau eine Vorarlbergerin ist, hatte ich bereits Kontakte ins Ländle. Ich bin aus der Steiermark aufgebrochen, mit einer Verheißung wie seinerzeit Abraham. Die Verheißung von einem neuen Land, das Gott mir zeigen werde und den Zuspruch „Du wirst ein Segen sein“ habe ich damals für mich vertrauensvoll in Anspruch genommen. Jetzt bin ich 20 Jahre hier Leiter und habe in dieser Aufgabe meine Berufung gefunden.
Lenherr: Ich bin Steyler Missionar. Mein erster Kontakt war zu Elmar Simma in der Jugendstelle, wo ich mich vorgestellt habe, um in der Jugendarbeit mitzuarbeiten. Das war 1975, und da habe ich dann innerhalb kürzester Zeit sehr viele Besinnungstage gehalten, und das vor allem auch hier in Arbogast. Aus meiner Heimat, der Schweiz, habe ich meinen Dialekt mitgenommen. Ich wurde hier verstanden, konnte so reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist, und habe mich sehr wohl gefühlt. 1992-97 war ich dann in Ecuador als Missionar und Dorfpfarrer am Ende der Welt, und 1997-2001 Stadtpfarrer in Wien-Favoriten und kam dann 2002 wieder zurück nach Vorarlberg. Seither bin ich nun Seelsorger in St. Arbogast.
Was kann sich der Besucher von der ins Haus stehenden Feier erwarten?
Kittinger: Menschen, die mit Arbogast verbunden waren und sind, sollen sich treffen, sich erinnern und feiern können, was in diesen 50 Jahren gewachsen ist, und was uns heute trägt und stärkt. Wir verneigen uns vor dem, was die Menschen vor uns aufgebaut haben. Angefangen von den Jugendlichen, die Ende der 50er-Jahre für dieses Haus gesammelt und selber am Wochenende Ziegel gemacht haben, bis zu jenen, die heute hier mitwirken und gerne in Arbogast sind.
Arbogast versteht sich als Ort, wo sich Christentum und Freiheit kreuzen. Wo sehen Sie diesen Schnittpunkt?
Kittinger: Christliche Spiritualität und Freiheit gehören zusammen. Zur Freiheit sind wir berufen. Wir vertrauen, dass der Heilige Geist in jedem Menschen wirkt und dass wir uns daher auf unsere innere Stimme und unser Gewissen verlassen können. Christliche Erwachsenenbildung begleitet daher Menschen auf dem Weg in die Freiheit zu einer wertorientierten, verantwortlichen Lebensgestaltung. Menschen, die zu unseren Kursen kommen, wollen über ihre eigene Lebenspraxis nachdenken, herkömmliche Lebensmuster und gesellschaftliche Entwicklungen, wo es nötig ist, hinterfragen und im Gespräch neue Sichtweisen kennen lernen. Daher haben neben dem Vortrag Gespräche und schöpferische Formen der Auseinandersetzung großes Gewicht. In der Auseinandersetzung spüren sie, dass sie in eigener Kompetenz ihren Weg gehen können. Aber nicht allein. Aufeinander hören, Lernen in Gemeinschaft und Ermutigung zum eigenen Weg, das können Menschen bei uns erfahren.
Lenherr: Wir haben hier in der Cafeteria den „Tisch der Gastfreundschaft“. Hier sollen die Menschen gerne herkommen, nicht dass sie hier jemand anspringt oder sie schleunigst bekehren will, sondern es soll hier ein Geist möglich sein, wo man frische Luft atmen kann, wo man sich frei fühlt.
Ich glaube, dann ist es möglich, gemeinsam auf die wesentlichen Fragen zu kommen, was denn Menschsein bedeutet, wie wir denn heute Gesellschaft und Kirche sehen, wie wir den Glauben in die heutige Zeit hinein übersetzen. Für uns Steyler ist dieses Den-Glauben-in-die-heutige-Zeit-Übersetzen sehr wichtig.
Als ich in Ecuador war, bedeutete die Übersetzung für Christsein: den Kindern eine gesunde Suppe zu geben, in der auch Gemüse drinnen ist. Eine Übersetzung für das, was Jesus gelebt hat, ist für uns in Arbogast: Gastfreundschaft mit allen leben.
Stichwort Jesus. Welche Rolle kommt Jesus Christus in ihrer Arbeit zu?
Kittinger: Das Wichtigste in der Nachfolge Jesu ist der Glaube an die Präsenz Gottes in unserem Leben, sagt „unsere“ Kontemplationslehrerin Sr. Ludwigis Fabian. So ist es. Töchter und Söhne Gottes sind wir. Das verleiht jedem Menschen eine unermessliche Würde, es verbindet uns mit der Quelle des Lebens und der Liebe. Das verändert alles. In unserer Arbeit in Arbogast soll sich in jeder und jedem auf je eigene Weise etwas vom befreienden und heilenden Wirken Jesu widerspiegeln. Nicht so sehr in dem, was wir sagen, viel mehr in dem was wir tun und sind.
Wer war ihr bester Referent?
Kittinger: Da möchte ich viele aufzählen, jede und jeder hat ihre/seine eigenen Qualitäten und Charismen. Ich führe aus aktuellem Anlass Günter Funke an, weil er den Festvortrag beim Jubiläum halten wird. Er versteht es, brisante Zeitthemen und Lebensfragen aufzugreifen, sie mit dem heutigen Wissen vom Menschen zu analysieren und im Lichte des Evangeliums zu verstehen. Das Wort Gottes wird überraschend lebendig, aktuell, befreiend.
Im Dialog wird klar, was auf dem Spiel steht, um welche Werte es geht, welchen Spielraum und welche Verantwortung wir haben und was wir tun können, im persönlichen Umfeld, in der Arbeit, in der Gesellschaft. Ganz ähnlich dem alten Dreischritt „sehen, urteilen, handeln“, der schon vor fünfzig Jahren die kirchliche Jugend- und Bildungsarbeit prägte.
Lenherr: Eine weitere wichtige Lehrmeisterin ist die Schöpfung Gottes. Sie gibt uns hier ein Lebens-„Nest“ und das ganze Bemühen all der Jahre ging darum, Natur und Bildung, außen und innen, Kopf und Herz zusammenzubringen.
Wo ist in Arbogast der Ort der Seelsorge?
Lenherr: Was wir bis jetzt gesprochen haben ist für mich Seelsorge, wirkliche Sorge um das Innerste vom Menschen, dass sich das entwickeln und wachsen darf, dass der Mensch heute seine Würde erlebt und hier Anstöße für seine Weiterentwicklung bekommt, das ist für mich alles Seelsorge.
Hier bei uns ist es notwendig, dass wir nicht den Kontakt zu unseren Wurzeln verlieren, unserem „Boden“ hat Elfriede Heinzle gesagt und gelebt hier im Garten. Die Gnade baut auf der Natur auf! Aber ebenso sollen wir uns wie ein Baum nach oben öffnen, also Kirche leben, die sich nicht verengt, sondern öffnet, nicht Angst hat vor dem anderen, sondern ihn als Partner sieht.
Wo soll Arbogast in 20 Jahren stehen?
Kittinger: Ich hoffe, dass wie heute so viele Jugendliche und Erwachsene hier gerne aus- und eingehen, weil es ein Ort des Lebens ist, wo Menschen aufatmen können, wo eine christliche Spiritualität gelebt wird, die inspiriert, herausfordert, fehlerfreundlich ist, zusammenführt.
Wo Menschen den Dialog leben, die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten schätzen, sich zusammenschließen, aus losen Netzwerken vielleicht nicht mächtige, aber kraftvolle, kleine, neue Gemeinschaften wachsen.
Wer weiß?
Wolfgang Ölz
Das Festprogramm
Sa 12. Juni
- 10.30 Uhr: Festgottesdienst mit Kuratoriums-Vorsitzendem Elmar Simma und Jugendseelsorgern der fünf Jahrzehnte
- 13.30-15 Uhr: Treffpunkt Katholische Jugend, Begegnungsnachmittag für ehemalige und aktive Mitglieder
- 13.30-17 Uhr: Familienfest mit buntem Mitmachprogramm
- 15.30 Uhr: Festakt, „Das Leben selbst als Quelle der Bildung“ - Vortrag von Theologe und Logotherapeut Günter Funke
- ab 17 Uhr Sommerfest mit open end u Ausstellung: „Visuelle Poesie“ (Konzeption Eveline Bischof & Cornelia Duelli), „Friedensskulptur“ (Danilo Ortiz)
Fakten zu Geschichte und Gegenwart.
- Gründung: 1960 als Jugendhaus durch die tatkräftige Unterstützung hunderter Jugendlicher der Katholischen Jugend Vorarlberg
- Träger: Diözese Feldkirch
- Schwerpunkte der Bildungsarbeit: Spiritualität, Gesellschaft, Lebensgestaltung, Partnerschaft & Familie, Kreativität & Kultur
- Veranstaltungen 2009: 1235, davon 383 hauseigene Bildungsveranstaltungen
Kirchliche Veranstaltungen: 390
Andere Veranstaltungen: 462
30.059 Teilnehmer/innen, davon 7000 Jugendliche,
Durchschnittsalter der Seminarteilnehmer/innen: 34 Jahre. - Anzahl Mitarbeiter/innen: 42.
(aus KirchenBlatt Nr. 22 vom 6. Juni 2010)
Von Marianne Springer veröffentlicht am 01.06.2010
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