In Bregenz betreut die Caritas im Haus Said 30 unbegleitet minderjährige Flüchtlinge. Nun haben sich „unsere Jungs“, wie Haus-Leiterin Margaritha Matt sagt, in zwei Workshops künstlerisch betätigt. Die Ergebnisse werden ab Ende November im Landhaus in Bregenz ausgestellt.

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zu: Nachgefragt bei Marco Ceroli

Wolfgang Ölz

„Die Jugendlichen haben mit ihren Werken ihre Räume gestaltet“, erzählt Margaritha Matt, „und über die Bilder kommen sie ganz ungezwungen mit den Gästen oder den über 80 Freiwilligen, die uns in unserer Alltagsarbeit engagiert unterstützen, ins Gespräch.“ Beide Workshops waren für Matt sehr berührend: „Ich habe jeden der Jungs sehr bei sich erlebt und ich bin überzeugt, dass diese Form von Zuwendung viel dazu beitragen kann, dass sich der Jugendliche wohlfühlt, mit sich beschäftigt ist und versunken in das, was er ausdrücken möchte“, erzählt sie. „Das hat dazu beigetragen, dass diese Menschen, die sozusagen Unfassbares ‚überlebt‘ haben, es verarbeiten, ankommen und Perspektiven entwickeln können.“

Friede und Liebe
Aminullah S., 16 Jahre alt, wollte in seinen Bildern die Liebe zu seinen Freunden ausdrücken. Außerdem zeigt er mit den Herzen auch seine Liebe zu Österreich und Vorarlberg. Mahdi H., 17 Jahre, hat  typische Sachen aus Österreich wie die Wälder und die Form von Österreich dargestellt. Und, wie er betont: „Das ‚Peace‘-Zeichen in der Mitte soll zeigen, wie toll es ist, dass in Österreich Friede herrscht.“
Asim M., 17 Jahre, wiederum zeigt in seinem Bild die Reise, die viele Flüchtlinge auf sich nehmen müssen. Jelani N. dagegen hat einen universellen Anspruch verwirklicht, wenn er sagt: „Ich finde mein Bild sehr schön und bin sehr stolz darauf. Ich wollte unbedingt eine Mutter mit einem Baby malen, weil das ein Symbol für die Liebe auf der ganzen Welt ist.“

Nachgefragt bei Marco Ceroli

Der Pädagoge des Kunsthauses, der Italiener Marco Ceroli, sieht seine Kunst darin, andere Menschen dazu zu bringen, sich künstlerisch auszudrücken. In Bregenz arbeitet der Kreativpädagoge bereits seit 1999.

Gemeinsam mit Marco Ceroli besuchten die Jugendlichen aus dem Haus Said 2016 die Ausstellung von Wael Shawky, die das fast tausendjährige Trauma der Muslime bezüglich der Kreuzzüge thematisiert. Ceroli hatte dabei den Jugendlichen, die kaum der deutschen Sprache mächtig waren, mit Händen und Zeichnungen die Ausstellung erklärt. Anschließend fanden sie im Malraum Gelegenheit, selbst künstlerisch tätig zu werden. In einem ersten Workshop 2016 arbeiteten sie an sechs Sonntagen jeweils acht Stunden zum Thema „lebens.linien“.

Beim zweiten Workshop 2017 thematisierten viele die Grenze bzw. Mauer, die manche um Europa ziehen wollen. Ceroli hält es für immens wichtig, dass nicht nur Deutsch und Mathematik gepaukt wird, sondern dass die jungen Flüchtlinge kreativ visuell gestalten können. Der Pädagoge ist überzeugt, dass die Kunst Traumata überwinden könne. Wenn die erlebte Geschichte, etwa der Mord an Vater und Großmutter, nicht verbal ausgedrückt werden könne, so kann - wenn Vertrauen da ist - diese Geschichte mit Zeichnungen beschrieben werden. Das Resultat der Jugendlichen, die sich richtig ins Zeug gelegt haben, habe absolut hohes Niveau, wie Ceroli betont.

Vernissage:

Mi 29. November, 17 Uhr.

Zur Ausstellung sprechen Marco Ceroli, Hans Schwärzler und die Kunstschaffenden.
Musikalische Umrahmung: Jugendliche aus dem Haus Said sowie von START-Vorarlberg,
Hörspiel „Hinter uns mein Land“.

Dauer der Ausstellung:

30. November bis 15. Dezember,
Mo bis Fr, jeweils 8 bis 18 Uhr,
Landtagsfoyer, Landhaus Bregenz.

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