Die Eindrücke, die die Hamer hinterlassen haben, sind leiser, stiller. Durch die Fremdheit sehr intensiv, aber auch distanzierter: Nach unserer Ankunft in Dimeka gehen wir spazieren. Kinder zeigen uns, wie sie traditionellerweise nach Wasser suchen. Am nächsten Tag geht es ins Projektgebiet selbst.

Thanner ChristinaChristina Thanner
berichtet von der Lernreise als
Verantwortliche der Dreikönigsaktion
in Vorarlberg (Teil 2)

zu: Partnerorganisation ICDP

Die Dorfgemeinschaft wartet schon auf uns, begrüßt werden die, die sie kennen. Sie zeigen uns verschiedene Errungenschaften, die ihnen durch die Unterstützung mit DKA Geldern möglich wurden. Wir taxieren uns aufmerksam, neugierig und freundlich. Kinder laufen mit uns.

Im nächsten Dorf wartet wieder die ganze Gemeinschaft auf uns. Die Männer sitzen mit uns im Kreis, erzählen und beantworten unsere Fragen durch einen Übersetzer.

Die Frauen sitzen dabei, aber außerhalb des Kreises, daneben. Selbst als wir eine Frage direkt an sie richten, antworten sie zwar den Männern, uns aber nicht. Sobald wir aber aus der großen, öffentlichen Gruppe in ein Haus, zu Einzelpersonen oder Familien gehen, werden wir willkommen geheißen, werden mit Kaffee begrüßt, die Frauen sprechen zu uns.
Ein ganz besonderer Moment für mich war, als ich vor einem Haus ein jugendliches Mädchen mit ihrer kleinen Schwester traf, und sie versucht haben, mir ein paar Worte in ihrer Sprache beizubringen. Mit vielen Gesten, viel Wiederholen und viel Lachen hat das auch erstaunlich gut funktioniert. Eine „Kommunikation von Herz zu Herz“, wie es eine Kollegin von mir so schön ausdrückt.

Zurück in die Hauptstadt
Auf der Fahrt zurück nach Addis quälen uns komplexe Fragen: Wer entscheidet darüber, was wo entwickelt wird und wo die Grenzen der Finanzierung liegen? (Wer entscheidet „bis hierhin und nicht weiter?“) Was ist mit Fragen, die man im lokalen Kontext nicht stellen darf, z.B. Fragen der Geburtenkontrolle? Was verstehen wir unter Armut? Woher kommt unser Bild und unser Gefühl dafür, wen empfindet ein Äthiopier als „arm“? Wie sehr kann und soll durch Entwicklung die Gesellschaftsstruktur, die Kultur erhalten bleiben, ohne dass sie starr und museal wird? Was verstehen wir unter kultursensiblen Arbeiten? Und so weiter...

Wieder in Addis verhalten wir uns völlig unbefangen. Wir gehen durch die Straßen, als ob wir schon lange hier sind, trotzdem schleicht sich das baldige Heimfahren in unser Sein. Verabschiedungen von der Reise, ein Einstimmen an Zuhause. Die drei Wochen in Äthiopien waren, in einer Art, ein völliges Herausnehmen aus unserem Leben in Österreich.

Heimgekehrt
War ich weg? Wie lange? Habe ich geträumt? Und was neben allen Eindrücken und Erlebnissen letztlich bleibt, jetzt, beim Schreiben, für meine Arbeit aber auch für mich als Privatperson: Was erzähle ich? Wie stelle ich Situationen und Zusammenhänge dar? Welches Bild von Äthiopien will ich zeichnen und kann ich mit meinen Erzählungen die Vorstellungen der Leser /innen über dieses unbekannte Land beeinflussen? Und wenn ja: Will ich das überhaupt?

Mehr Infos und Fakten zu den Projekten gibt es im Herbst – Äthiopien ist Beispielland der kommenden Sternsingeraktion.

Partnerorganisation ICDP

ÄthiopienSchon lange besteht eine Zusammenarbeit zwischen der Dreikönigsaktion (DKA) und dem Integrated Community Development Programme (ICDP). ICDP arbeitet mit den Hamer, einer seminomadischen Gesellschaft. Die Menschen leben von Ackerbau und Viehwirtschaft. Ihr Land wurde bei der Staatsgründung Äthiopiens erobert, worauf sie sich ins Grenzgebiet zu Kenia zurückzogen. Erst in den letzten Jahrzehnten siedeln sie wieder in ihr traditionelles Gebiet zurück. Die DKA unterstützt Initiativen zur Ausbildung, Verbesserung der Landwirtschaft und Ernährung (zB. durch Getreidemühlen), medizinischer Versorgung und der Versorgung mit Wasser.

Neugierig geworden?
Im Zuge der Sternsinger-Vorbereitung wird es im November und Dezember 2012 Vorträge zur Reise und zur Projektarbeit in Äthiopien geben. Projektpartner/innen von Harmee Education for Development Association (HefDA) sind Anfang Dezember in Vorarlberg, um von ihrem Alltag, ihrem Leben und ihrer Arbeit zu berichten.

Weitere Informationen bei:
Christina Thanner
05522 / 3485 7133
dka@kath-kirche-vorarlberg.at

www.dka.at

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Von Marianne Springer veröffentlicht am 09.05.2012

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