Bericht über die KirchenBlatt-Reise in die "klassische Provence", die sich als spannende und unterhaltsame Expedition in eine französische Kultur- und Glaubenslandschaft entpuppte. Es berichtet Roswitha Köck
Aus allen Teilen des Landes, vom Montafon bis zum Bodensee , waren die 36 Teilnehmer/innen zur KirchenBlatt-Reise „Die klassische Provence“ gekommen. Vom 7. bis zum 12. Juni begleiteten GV Dr. Benno Elbs und Dr. Walter Buder die von Nachbaur-Reisen organisierte Fahrt, die sich als spannende und unterhaltsame Expedition in eine französiche, ja europäische Kultur- und Glaubenslandschaft entpuppte. Im „Licht der Provence“ konnte man auch französische Lebensart in einer besonderen Weise erleben und entdecken.
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Die Landschaft lesen
Die landschaftlich sehr schöne Reise führte uns durch die Schweiz – Zürich, Bern, Lausanne, Genf – durch das französische Jura nach Lyon und auf der „Autoroute du Soleil“ weiter durch das Rhonetal nach Süden, ins idyllische Städtchen Tarascon zu unserem Domizil für diese Tage. Das mächtige Chateau, erbaut von König René, und die Kathedrale St. Martha dominierten das Städtchen an der Rhone, von dem aus wir in täglichen Ausflügen immer wieder „übten“, die provencalischen Kulturlandschaften zu „lesen“ und uns so auch ihre Bedeutung in der Geschichte und für die Gegenwart erschlossen wurde.
Kostbare Glaubenskultur
Am zweiten Tag wurden uns bei herrlichem Wetter die Schönheiten der Provence vor Augen geführt. Reiseleiter Dr. Walter Buder und GV Dr. Benno Elbs, zwei fundierte Kenner, brachten uns Geschichte, Land und Leute näher.
St. Gilles, die wunderschöne Kathedrale mit der theatralischen, romanischen Frontwand, eine weltberühmte Kostbarkeit der romanischen Provence am Eingang zur Camargue, vermittelte den Betrachtern/innen bildlich das Heilsgeschehen, während die dem Hl. Ägidius (St. Gilles) geweihte Kirche mit ihrem weiten, offenen Raum und - vor allem - die Krypta an unsere Aufgabe und Berufung als getaufte Christen erinnerten.
Im Herz der Provence
Mit dieser Botschaft sind wir dann in die legendäre Welt der Hl. Marien eingetreten, nämlich in der kleinen Wehrkirche von. Saintes Marie de la Mer. In der Krypta dieser Kirche verehren Sinti und Roma aus der ganzen Welt, „ihre“ Heilige Sara, die schwarze Dienerinnen der „bethanischen Familie“, die der Legende nach an diesem Ort an Land gekommen sind, nachdem sie in einem Boot aus dem Heiligen Land geflüchtet waren. Dieser Ort mit seiner Krypta ist ein besonderes Zeichen der Hoffnung, dass wir in unserem Glauben nicht allein sind, und es auch Menschen in der ganzen Welt gibt, die den gleichen oder ähnlichen Weg wie wir alle gehen. Der Gottesdienst mit unserem Herrn Generalvikar - in tiefer Schlichtheit mit Freude und Dankbarkeit gefeiert – an diesem besonderen Glaubensort, war wohltuend.
Aus Aigues Mortes klingt noch das "RESISTE AU CIEL " (widerstehen bis in den Himmel) von Marie Durand nach, einer Protestantin aus dem 18. Jahrhundert, die hier – im Tour de Constance - 38 Jahre lang als Geisel eingekerkert war. Sie schwor ihrem Glauben nicht ab und gilt den französischen Protestanten als Zeugin für die Gewissensfreiheit. In Nimes, der alten Römerstadt, bestimmen die Arena, das „Maison carrée“, die Bürgerhäuser, schöne Portale und moderne Architektur (der englische Architekt Norman Forster baute das städtische Kulturhaus ) das Stadtbild und lassen die Geschichte von 2000 und mehr Jahren in uns lebendig werden.
Den Blick weiten: Notre Dame, das Meer und die Kunst
Am dritten Tag stand Marseille, die älteste Stadt Frankreichs, auf dem Programm. Unser Busfahrer (Danke, Ignaz!) chauffierte uns gekonnt durch die mehr als engen Gässchen dieser verkehrsumtobten, faszinierende Großstadt. Die Kathedrale Notre-Dame-La-Major, der alte Hafen mit den unzähligen Segelmasten in der Sonne und im Wind und die Wallfahrtskirche Notre-Dame-de-la-Garde – hoch über der Stadt gelegen und mit einem einzigartigen Blick auf die Dächer der Stadt, das Meer und den Großraum Marseille – war der angemessene Ort für eine gemeinsame Andacht in der Stille und Ruhe der Krypta. Das feines Mittagessen bei den Schwestern im Restaurant „Eau Vive“ (lebendiges Wasser) tat uns gut und es nicht zu besuchen, wäre ein Fehler gewesen. So „ausgestattet“ – und auch ein wenig verspätet – ging es zuerst dem Meer entlang aus der Stadt hinaus in Richtung Salon-de-Provence (hier hat Nostradamus gearbeitet) und von dort durch die steinige Ebene „La Crauu“ wieder an die Rhone, nach Arles.
Arles ist die Stadt von Vinzent van Gogh, der – wie zahlreiche andere Künstler/innen - der Faszination vom Licht der Provence folgten. Der Gang durch die Stadt brachte südfranzösisches Flair pur. Das antike Theater, die Arena, der moderen „Espace van Gogh“ (das ehemalige Krankenhaus, wo des Künstlers Ohr behandelt worden ist), das Portal und der Kirchenraum von St. Trophime (der Kreuzgang wird gerade renoviert) ließen einmal mehr das Ineinander von Kultur und Glauben, Kunst und Leben in der Provence ganz speziell erfahren.
Klöster, Päpste und die Kirche
Die Fahrt nach Gordes und ins Tal des Flüsschens Senanquole hinunter zur Abtei von Senanque ist so unvergesslich, wie die Choralgesänge der Mönche im Gottesdienst, den unser geistlicher Begleiter, GV Dr. Elbs mitzelebrierte. Die einfache Klarheit der architektonischen Formen des Klosters, die spirituelle Kraft aus der Stille, Ruhe und Schlichtheit des Gottesdienstes wirkten auf uns ein und begleiten uns nach Avignon hinein.
Die massive Stadtmauer von Avignon, der aufragende Papstpalast wie auch die Basilika Notre-Dame-de-Doms erzählen Geschichten voller Leid und Schmerz, Hoffnung und Freude. Diese Geschichten reichen in die Gegenwart herein und sind wie Zeichen, die wir verstehen können, wenn wir bereit sind, sie zu zulassen und auf zunehmen. Wir standen vor der oft besungenen Brücke St. Benezet ("Sur le pont d’Avignon...“ -Auf der Brück' von Avignon…) und bestaunten am frühen Abend dieses wieder so reichen Tages den Pont du Gard, einen römischen Aquädukt, ein Denkmal menschlicher Geschicklichkeit aus der Römerzeit und zu Recht dem Welterbe zugehörig.
Die Wurzeln der provencalischen Kultur
Aix-en-Provence ist die Stadt mit dem speziellen, südfranzösischen Flair und gilt vielen als schönste Stadt Frankreichs. Wir können das nach dem Gang durch die belebten Gassen, vorbei an den Stadtpalästen und dem Rathaus, dem hinreißend schönen Marktplatz in der vormittäglichen Sonne und dem Verkosten des berühmten Mandelkonfektes, den „Calisson d’ Aix“, durchaus nachvollziehen. In der Basilika „Saint Sauveur“ (Zum Hl. Erlöser) wurde uns eines der ältesten Baptisterien der Christenheit nahe gebracht. Ein paar Kilometer weiter, im kleinen Ort „Saint-Maximin-la-Sainte-Beaume“ wird in der Basilika Ste. Madeleine, seit Jahrhunderten eine Reliquie – der Stirnknochen jener Maria aus Magdala - verehrt. Magdalena ( frz. Madeleine) ist die Heilige der Provence, sozusagen die „Heilige der provencalischen Herzen“. Der Legende nach hat die Magdalenerin nach der Landung mit ihren Gefährtinnen in der Camargue, die frohe Botschaft in den Osten der Provence getragen, hat sich als Eremitin in einer Höhle ganz in der Nähe niedergelassen, den Menschen mit manchem Wunder Gutes getan und so den Auferstandenen verkündet und dann ihr Lebe beschlossen. Die Legende spricht von Engeln, Gottesboten also, die gekommen seien und Madeleine zum Himmel getragen haben: Ein ehrwürdiger, eindrucksvoller Ort mit lebendiger Geschichte, dessen Strahlkraft einen tief berührte.
Dank und Dankbarkeit
Nach so vielen Begegnungen und Eindrücken fällt es schwer, das Erlebte und die zahlreichen, fast täglichen, Höhepunkte der Reise wieder zu geben. Es war für uns alle eine besondere Reise! Auch die Geselligkeit und Freundschaft hatten Raum und konnten gelebt werden und das Licht der Provence wird uns begleiten und unvergesslich bleiben. Ein großer Dank geht an den fachkundigen und geduldigen Reiseleiter - Walter Buder -und an Generalvikar Dr. Benno Elbs für die schönen, einfachen und besinnlichen Momente in den Gottesdiensten. Aber auch die bereichernden Begegnungen mit den Mitreisenden gehören dazu und trugen zum Gelingen ganz Wesentliches bei.
Roswitha Köck
Von Marianne Springer veröffentlicht am 06.07.2010

