Der Vorarlberger Christian Feurstein wird Abt des welt-ältesten Zisterzienserklosters Stift Rein. Wolfgang Ölz führte mit ihm ein spannendes Gespräch.

zu: Stift Rein in der Steiermark

P. Christian FeursteinPater Prior Christian Feurstein vom Stift Heiligenkreuz wurde zum 57. Abt von Stift Rein gewählt. Die offizielle Amtseinführung erfolgt am 21. August durch Bischof Dr. Egon Kapellari und Generalabt Dom Maurus Esteva Alsina aus Rom. Das KirchenBlatt führte mit dem gebürtigen Hohenemser ein spannendes Gespräch über sein Talent, junge Männer für das Mönchstum zu begeistern, und sein Gefühl, zu den glücklichsten Menschen der Welt zu gehören.

Wie kommt ein Hohenemser nach Heiligenkreuz?
Ich habe das BORG in Dornbirn Schoren besucht. Wir hatten dort einen großartigen Religionslehrer: Pater Josef-Rupert Huber. Er ist Kapuzinerpater, damals in Dornbirn, heute in Imst. Er hat uns Schüler zu Einkehrtagen nach St. Arbogast eingeladen. Geleitet hat diese Tage Pater Peter Lenherr, der heute als geistlicher Assistent im Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast mitarbeitet. Er war es, der mich 1977, also vor 33 Jahren, nach St. Gabriel einlud, einem Ort, der nicht weit von Heiligenkreuz entfernt ist. Damals habe ich bei einem Ausflug die Zisterzienser im Wienerwaldkloster kennengelernt.  Ich habe Pater Lenherr viel zu verdanken, ich hoffe sehr, dass er mir nicht böse ist, dass es mich gleich nach der Matura nach Heiligenkreuz gezogen hat, in das ich mich schon bei der ersten Begegnung total verliebt hatte. Meine Eltern haben die Entscheidung, Novize in Heiligenkreuz zu werden, nicht von Anfang an mitgetragen (ich war 18 Jahre alt). Als sie aber merkten, dass das Leben im Kloster mich glückselig werden lässt, haben sie mich meinen Weg gehen lassen und mir ihren Segen gegeben.
Inzwischen sind 33 Jahre vergangen und ich gehöre - das ist mein Gefühl - zu den glücklichsten Menschen der Welt.

Sie haben 1988 im Ruhrgebiet ein neues Kloster mitgegründet, erstmals wieder seit vielen Jahrhunderten geschah dies vom Stift Heiligenkreuz aus. Ist Ihre Berufung nach Rein damit vergleichbar?
Eigentlich nicht.  Wir wurden damals zu viert von Heiligenkreuz aus nach Bochum-Stiepel gesandt, um dort auf Drängen des damaligen Bischofs Franz Hengsbach ein Zisterzienserkloster zu gründen. Ich war dort am Anfang Subprior und dann Prior. Die Situation einer Neugründung ist eine andere, als das Übersiedeln in einen anderen Konvent, in dem es andere Bräuche gibt und so manches anders läuft. Aber man muss das zisterziensische Leben in Rein ja nicht erst installieren, wie bei einer Neugründung - im Gegenteil: Stift Rein ist das älteste bestehende Zisterzienserkloster der Welt. Es gibt also eine sehr lange Tradition. Sehr ähnlich und insofern vergleichbar mit der Situation bei der Neugründung ist aber die Anforderung des Loslassens - des sich Lösens von einer Heimat in eine andere. Abschied nehmen von einer liebgewonnenen Heimat ist schwer. Trotzdem freue ich mich von Herzen auf die neue Aufgabe und den neuen Dienst im Stift Rein. Manchmal wurde der Abt mit dem biblischen Mose verglichen, der mit seinem Volk unterwegs ist ins gelobte Land. Diese Aufgabe will ich erfüllen.

In Heiligenkreuz waren Sie als Prior und Novizenmeister tätig und haben dort das zahlenmäßig größte Noviziat seit 200 Jahren geführt. Wie haben Sie das geschafft, und was würden Sie anderen Menschen in der Berufungspastoral raten?
Die Aufgabe als Prior in Heiligenkreuz war sehr vielfältig. Einer der Höhepunkte war sicher der Papstbesuch im Jahr 2007 in Heiligenkreuz, wo es viel vorzubereiten galt. Gerade in solchen Situationen hat man gemerkt, wie alle zusammenhelfen und versuchen, sich gegenseitig zu stützen. Darin sah ich auch meine Aufgabe als Prior - als Vermittler, Helfer und Seelsorger im Kloster. Der liebe Gott hat in den letzten Jahren sehr viele junge Leute nach Heiligenkreuz geschickt - das Haus steht in einer Blüte, die Zimmer im Konvent sind knapp. Warum das so ist, ist schwer auf einen Punkt zu bringen; sicherlich spielen die gepflegte Liturgie, eine eigene Ordenshochschule und eine gute Tradition, die voll auf der Linie des 2. Vatikanischen Konzils steht, eine Rolle. Eine wirkliche Erklärung für die große Anzahl an Berufungen kann ich aber nicht geben. Jedenfalls: Wir sind dem lieben Gott sehr dankbar für jede einzelne Berufung und beten auch viel für neue.

Auftritte bei Thomas Gottschalk, singende Mönche, die die Charts stürmen. Wie sehen Sie das?
Für uns alle waren die letzten Jahre mit dem Papstbesuch, dem Oskar-Gewinn des Abt-Neffen, der das Drehbuch für den ausgezeichneten Film in unserem Kloster schrieb, die weltweit so erfolgreiche Gregorianik-CD  usw. sehr aufregend und wir sind nun froh, dass es wieder etwas ruhiger geworden ist in Heiligenkreuz. Vor allem junge Mitbrüder verwenden die neuen Medien bewusst als Mittel des Apostolats und so kommt es, dass Heiligenkreuz auf youtube, facebook und Co bestens vertreten ist. Ich finde, es gehört auch für Mönche dazu, dass sie als Menschen des 21. Jahrhunderts diese Möglichkeiten der Verkündigung nützen - natürlich mit aller Vorsicht und Schlauheit - und so auch einer ausdrücklichen Bitte des Papstes folgen. „Wetten dass“ hat gezeigt, dass sehr viele Menschen schon allein von der Anwesenheit zweier Mönche im Herzen getroffen wurden, ohne dass es viele Worte gebraucht hätte.

P. August Janisch OCist, der Öffentlichkeitssprecher von Stift Rein, spricht von Ihnen als einem „Geistlichen mit Herz“, Abt Gregor Henckel-Donnersmarck  gar von einem „schmerzlichen Verlust, denn Pater Christian war so etwas wie die Seele unseres Konvents“. Wie sehen Sie sich selber?
Man wird nicht Mönch, um Abt zu werden, sondern weil man Gott liebt. Einen Abt von einem in ein anderes Kloster zu wählen ist recht kompliziert: es braucht die breite Zustimmung des wählenden Kapitels in Rein, die Zustimmung des Abtes und Kapitels von Heiligenkreuz und schließlich muss auch noch Rom sein Ja dazu geben. Da die Liebe zu Gott den Mönch fragen lässt: Herr, was willst du, dass ich tue?, geht es darum, auf Christus zu schauen und auf Ihn sein Leben auszurichten. So habe ich in all dem Prozedere, das in großer Einmütigkeit ablief, auch den Willen Gottes gesehen. Ich habe versucht, ein guter Prior in Heiligenkreuz zu sein, jetzt will ich versuchen, den Mitbrüdern in Rein ein guter Abt zu sein, d.h. sowohl ein geistlicher Vater, wie auch ein Lehrer und ein Erzieher, ein treuer Begleiter, ein Diener der Gemeinschaft, ein Seelsorger, ein Zuhörer, ein Arzt, ein Verwalter und ein guter Hirte. Der Abt ist auch Stellvertreter Christi im Kloster - er ist nicht Christus, sondern dessen Vertreter, er ersetzt Ihn nicht, sondern er soll Ihn abbilden -  Christus immer vor Augen soll er seine Brüder führen. - All dies zu tun ist schwer. Ich bitte um ihr Gebet für mich. Ich werde auch für sie beten.
Wolfgang Ölz

Stift Rein mit SchafenStift Rein in der Steiermark

Seit 1129  wird das Stift Rein durchgehend als Zisterzienserkloster geführt, und ist damit heute das welt-älteste Zisterzienserkloster, da die französischen Mutterklöster um 1800 im Zuge der Revolution aufgelöst wurden. Das Kloster wird von 19 Mönchen bewohnt. Es ist ein wunderschönes Stift und gilt als interessantes Ausflugsziel in der Steiermark. Es wird jährlich von 10.000 Gästen besucht und liegt 15 km nördlich von Graz in einem abgelegenen Tal.
www.stift-rein.at

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(aus KirchenBlatt Nr. 28 vom 18. Juli 2010) 

Von Marianne Springer veröffentlicht am 15.07.2010

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