Seelsorge an alten Menschen wird in Vorarlberg nicht ausschließlich von hauptamtlichen Mitarbeiter/innen der Kirche wahrgenommen. Im Herbst 2012 startet der Lehrgang „Ansprechpartner/in für die Heimseelsorge“ neu. Das Ziel: Die Stärkung der Seelsorge in den Senioren- und Pflegeheimen im Land.

Bild rechts: Die erfolgreichen Absolventen des letzten Lehrgangs (von links): Kaplan Peter Moosbrugger, Margit Häle, Roswitha Bilgeri, Gerhard Häfele (Kursleitung), Franziska Duelli, Waltraud Walser, Gabi Vögel, Brigitte Thaler und Christian Kopf (Kursleitung).

von Wolfgang Ölz

Waltraud WalserWaltraud Walser (Jahrgang 1957) ist in ihrem Hauptberuf Altenpflegerin. Für sie war der Lehrgang „Ansprechpartner/innen für die Heimseelsorge“ sehr hilfreich, lehrreich und interessant. Die verschiedenen Referenten haben es verstanden, Themen rund um die Heimseelsorge so darzustellen, dass sie nicht nur für die Seelsorge im Heim, sondern auch für ihr eigenes Leben Relevanz haben. Die zwei Praktika waren aus ihrer Sicht sehr gut begleitet. Besonders schätzte sie die Reflexionen dazu, die der Krankenhausseelsorger Peter Rädler durchführte. 

Frau Walser hat in diesen Reflexionseinheiten, wie sie selbst erzählt, gelernt, auch mit jenen Situationen alter Leute umzugehen, die schwierig sind. Die knapp zwei Jahre, die der Kurs dauerte, hat sie als eine „sehr wertvolle Zeit“ in  Erinnerung. Auch die Impulse für Gottesdienste, etwa zum Thema Sterben und Abschiednehmen, haben ihr sehr gut gefallen. Ein Anliegen ist ihr geworden, sich zu fragen, „Was braucht der Mensch gerade in diesem Moment?“ Wichtig ist ihr eine Haltung des Hörens, um im richtigen Moment die richtigen Fragen stellen zu können. Dabei ist es ihr ein Anliegen, mit den Menschen auch ein Stück weit über die Frohe Botschaft und Gott ins Gespräch zu kommen. Deswegen war auch die Bibelarbeit im Lehrgang für Frau Walser sehr wichtig, weil sie sehen konnte, wie sehr es möglich ist, in der Altenseelsorge Kraft aus der Bibel zu schöpfen.  
 
Für die Menschen da sein

Hans Peter JägerHans Peter Jäger ist Jahrgang 1950 und pensionierter Religionslehrer. Als Diakon engagiert er sich ehrenamtlich in der Pfarre Bruder Klaus in Dornbirn und im Pflegeheim in der Dornbirner Höchsterstraße.

Er absolvierte den ersten Heimseelsorgekurs 2009/2010. Am Kurs schätzt er, dass er „viel Hintergrundwissen über den Umgang mit alten Leuten bekommen hat“. Auch er hat gelernt, dass das Zuhören besonders wichtig ist, wichtiger als gute Ratschläge. Die Wirkung, die der wöchentliche Besuch im Pflegeheim bei ihm selbst auslöst, bringt er auf die Kurzformel „Beschenktwerden“. Und: „Nach einem Besuch im Pflegeheim gehe ich nach Hause und bin jedes Mal dankbar dafür, dass ich gesund bin.“ Auch was die alten Leute an Lebenserfahrung mitteilen, erfährt er als großes Geschenk.
Der Glaube hat dabei jeweils eine ganz unterschiedliche  Bedeutung: „Da gibt es die deklariert Ungläubigen, die doch am Gang stehen bleiben und mit mir als Seelsorger ins Gespräch kommen wollen. Indem ich mich ihnen widme, zeige ich ihnen, dass sie mir wichtig sind, auch wenn ich nicht von Kirche und Gott spreche. Da gibt es dann natürlich auch die Gläubigen, oder auch die Zweifelnden, mit denen man über Fragen des Daseins und Fragen des Glaubens ins Gespräch kommen kann.“     

Mehr Leute sollten sich engagieren
Wichtig ist Diakon Peter Jäger, dass sich mehr Leute für die Seelsorge an alten Menschen engagieren: „Es gibt so viele alte Leute, die nicht mehr wissen, was sie mit sich anfangen sollen und so dankbar wären, wenn man nur ein bisschen Zeit für sie opfern würde - egal ob jemand einen Spaziergang macht oder einfach nur zuhört.“ 

Ehrenamtliche Heimseelsorger/innen gesucht!

Um die Präsenz der Seelsorge in den Senioren- und Pflegeheimen des Landes zu stärken  werden ehrenamtliche Ansprechpartner/innen für die Heimseelsorge gesucht. Im Oktober startet dazu ein Lehrgang, der für alle Personen offensteht, die haupt- und ehrenamtlich mit diesem Thema beschäftigt sind oder sich aus beruflichen oder persönlichen Gründen für das Thema interessieren.
Lehrgangsleiter Gerhard Häfele ist es besonders wichtig, dass die Teilnehmer/innen eine Brückenfunktion zwischen Heim und Pfarre ausüben. Aus diesem Grund ist der Lehrgang  für ehrenamtliche Pfarrbeauftragte kostenlos. Die Lehrgangskosten (€ 98 pro Modul ) übernehmen Pfarre und Diözese.
Insgesamt sind von Oktober 2012 bis Jänner 2014 sieben Module vorgesehen. Die Module werden von einschlägigen Expert-/innen geleitet, und behandeln Themen wie das eigene Gottesbild, Gesprächsführung mit alten Leuten, Sterbebegleitung, oder den Umgang mit verwirrten und desorientierten Menschen. Außerdem gehören zum Lehrgang ein Praktikum in zwei Heimen (mindestens 2 x 20 Stunden) sowie sechs Gruppenreflexions-Treffen. 

Eckdaten des Kurses

Geleitet wird der Lehrgang von Mag. Gerhard Häfele und Pfr. Peter Rädler. Der Zeitraum des Lehrgangs erstreckt sich von Oktober 2012 bis Jänner 2014, wobei ein Modul im Regelfall von Freitag 14 Uhr bis Samstag
13 Uhr dauert.

Nähere Infos: Mag. Gerhard Häfele (ab 18. Juni), T 0664 8240 183,
gerhard.haefele@kath-kirche-vorarlberg.at

Lehrgangsort und Anmeldung:
Bildungshaus Batschuns, T 05522 44290-0

 

Von Marianne Springer veröffentlicht am 05.06.2012

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