Das Heilige Grab - eine Chance für eine Liturgie mit allen Sinnen. Pfarrer Edwin Matt aus Andelsbuch erzählt, wie altes Brauchtum und barocke Frömmigkeit in seiner Pfarre zu neuem Leben erweckt werden und eine "Liturgie mit allen Sinnen" möglich wird.

Lange waren sie auf Dachböden und in Kellern verschollen - Heilige Gräber galten als altmodische, barocke Frömmigkeitsform. Doch seit einigen Jahren findet diese volkstümliche Andachtsform wieder regen Zulauf - und bietet interessante Chancen zur Verlebendigung der Liturgie.

Pfarrer Edwin Matt: „10 Leute habe ich und für 10 Jahre ist das Aufstellen auch gesichert“, mit diesem großzügigen Angebot kamen Bruno und Gotthard zu mir. So begann die Geschichte mit dem Heiligen Grab in Andelsbuch. „Was ist von früher noch vorhanden? Was muss noch gemacht werden?“ Der Termin - Karwoche 2005 - stand fest. Im Liturgiekreis diskutierten wir, was man mit so einem Aufbau liturgisch machen könne.

„Kügeletage”. Im Dialekt wurden Karfreitag und Karsamstag als „Kügeletag” bezeichnet. Hinter Glaskugeln mit gefärbtem Wasser wurden Kerzen angezündet. Das leuchtete und funkelte und wirkte ganz besonders - auch deshalb, weil unsere Kirche bis zum Mittag des Karsamstags mit schwarzen Vorhängen verdunkelt ist.

Was tun damit? Wie konnte man das Heilige Grab in die liturgischen Feiern dieser Tage miteinbeziehen. Schnell war klar, dass wir mit dem Heiligen Grab einen großen sinnlichen Zugewinn in unsere liturgischen Feiern der Karwoche bekommen würden. Für unsere Betstunden am Karfreitag und Karsamstag wirkt das im Presbyterium aufgestellte Grab  sehr sammelnd. Es richtet uns aus, dem Leid der Welt und der Menschen nicht auszuweichen.

heiliges Grab - AndelsbuchEin Ort für Licht und Dunkelheit. Es verdeckt auch den Hochaltar und verändert damit den Eindruck der Kirche komplett. Das Heilige Grab besteht aus dem eigentlichen Grab mit einer großen liegenden Jesus-Statue, darüber erhebt sich der Bogen mit den vielen Glaskugeln, die in unterschiedlichen Farben leuchten. Was leuchtet auf, wenn wir den Kreuzweg beten, wenn wir Welt und Menschen und uns selber ins Gebet nehmen?

Das Grab gibt Impulse.
Zur Todesstunde Jesu wird das Grab Jesu mit den Kindern als eine wichtige Station besucht. Vom Sterben und vom Grab zu sprechen, die Kinder nicht davon fernhalten, sondern vielmehr den Tod als zum Leben gehörend erfahren, das sind uns wichtige Elemente des Feierns. Kinder beginnen zu fragen und Erwachsene sind gefordert, Antworten zu geben, auch das vermag eine Liturgie, die das Grab Jesu in der Kirche zeigt. Fragen stellen sich ein: Was hat Jesus für uns getan? Wie ist das, wenn ein lieber Mensch im Grab liegt? Ist damit alles fertig?

Ein Ort, der Solidarität stiftet.
Bei der Gemeindeliturgie am Abend wird nach der Kreuzenthüllung das Kreuz zum Grab gestellt. Die Mitfeiernden werden nun eingeladen, zum Grab zu kommen. Mit einer Verneigung oder einer Kniebeuge bringen sie Ehrfurcht, Betroffenheit und Respekt zum Ausdruck. In der wortlastigen Liturgie des Karfreitags tut der Gang zum Grab gut. Manchmal denke ich mir, dass damit eine eigene Solidarität zum Ausdruck kommt, die uns in der Gemeinde miteinander verbindet. Wir alle gehen unsere Wege, die für viele oft auch Kreuzwege sind, in ganz verschiedenen Stationen. Dieses Grab ist ein Ort, an dem Menschen ihre Wut und Trauer ablegen können. Auch Zuversicht und Hoffnung können hier wachsen.

„Einfach so” zur Kirche.
Und zwischen den einzelnen liturgischen Feiern kommen viele „einfach so“ in die Kirche: um das Grab und die „Kügele“ zu sehen und zu bestaunen oder um die ganz besondere Stimmung der verdunkelten Kirche zu sehen und zu spüren. Da muss nichts gesagt und erklärt werden. Das wirkt einfach so. Der Zuschauer wird in dieses Geschehen durch das Eintreten in die Kirche einfach mithineingenommen.

Lohnt es sich denn überhaupt?
Für nicht einmal zwei Tage wird da ein sehr großer Aufwand betrieben, um das Grab aufzubauen und dann wieder für ein Jahr zu verstauen. Natürlich habe ich mich zunächst gefragt, ob sich das überhaupt lohnt. Doch schon im ersten Jahr hat sich deutlich gezeigt - es lohnt sich tatsächlich: für die Leute, die  mit der Arbeit am Heiligen Grab ihren Teil an der Mitarbeit in der Pfarrgemeinde wahrnehmen, für die Mitfeiernden und für all jene, die zum Beten und Schauen kommen. Für eine Liturgie mit allen Sinnen kommt einem das „Heilige Grab“ sehr gelegen.

Edwin Matt

(aus KirchenBlatt Nr. 13/14 vom 4. April 2010)

Von Marianne Springer veröffentlicht am 01.04.2010

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