Mehrstimmige ostkirchliche Melodien, lange Kyrie-Rufe, gesungenes Gebet: all das gehört zu einem Gottesdienst im byzantinischen Ritus. Am 9. März wird in Bregenz St. Gallus wieder eine „Heilige und Göttliche Liturgie“ gefeiert. Musikalisch gestaltet vom Vorarlberger Johannes-Chrysostomos-Chor.

Dietmar Steinmair

Der Vorarlberger Johannes-Chrysostomos-Chor wurde im Oktober 1999 in Eschen (Liechtenstein) gegründet. Pascal Borer war sein erster Dirigent. Mit einer kurzen Unterbrechung leitet er den Chor bis heute. Und bald ist der Chor wieder zu hören.
Der Namensgeber des Chores ist der hl. Johannes Chrysostomos, eigentlich Johannes von Antiochia. Er lebte von 344 bis 407, zuletzt war er Bischof von Konstantinopel. Aufgrund seines großen Predigttalentes erhielt er im 6. Jahrhundert den Beinamen Chrysostomos (griech.: „Goldmund“) und wird als einer der vier Kirchenlehrer des Ostens verehrt. Johannes Chrysostomos ist der Autor eines der drei wichtigsten Liturgieformulare der Ostkirche, der nach ihm benannten Chrysostomos-Liturgie.

Tragende Melodien
Sr. Johanna Machata ist schon vor über 30 Jahren auf die ostkirchliche Musik gestoßen. Sie gehört zu den „Schwestern der Hl. Klara“ in Bregenz, seit einigen Jahren singt sie im Vorarlberger Johannes-Chrysostomos-Chor mit. Ihr gefallen die mehrstimmigen Melodien, die langen Wiederholungen, das „Eintauchen ins Gebet“, wie sie sagt. „Das Singen geht in mich und in meinen Körper hinein und trägt mich auch nach dem Gottesdienst tagelang weiter.“ Gesungen wird auch auf Griechisch, Rumänisch und Kirchen-Slawisch, der traditionellen Liturgiesprache der slawisch-orthodoxen Kirchen. „Das meiste aber singen wir in Deutsch“, lädt Sr. Machata zur „Heiligen und Göttlichen Liturgie“ in Bregenz ein.

Russische Tradition
Seit 1999 hat der Chor fast 80 Liturgien musikalisch gestaltet. Die derzeit 15 Mitglieder treffen sich zu den Proben im Haus der organisatorischen Leiter des Chores, Norbert und Maria Duffner, in Rankweil. Kennengelernt hat Norbert Duffner die Liturgien im byzantinischen Ritus vor vielen Jahren auf mehreren „Dies Orientalis“, so genannten „Ostkirchentagen“. Der Vorarlberger Chor singt vor allem mehrstimmige Lieder, die aus Russland stammen.
Duffner findet die Gesänge der östlichen Liturgie „tiefgründiger als so manche Gottesloblieder“. Die Lieder handelten sehr oft von der Auferstehung oder von der Trinität, der göttlichen Dreifaltigkeit. „Besonders gefällt mir, dass in der östlichen Liturgie an jedem Sonntag die Seligpreisungen aus der Bergpredigt gesungen werden, die ja das Fundament einer jeden christlichen Ethik sind“, so Duffner.

Wunsch des Konzils
Eine weitere Motivation bezieht Duffner aus einem Dokument des II. Vatikanischen Konzils. Im Artikel 15 des Dekretes über den Ökumenismus „Unitatis Redintegratio“ empfehlen die Konzilsväter „ ... mit Nachdruck, dass die Katholiken sich mehr mit diesen geistlichen Reichtümern der orientalischen Väter vertraut machen ... Alle sollen um die große Bedeutung wissen, die der Kenntnis, Verehrung, Erhaltung und Pflege des überreichen liturgischen und geistlichen Erbes der Orientalen zukommt, damit die Fülle der christlichen Tradition in Treue gewahrt und die völlige Wiederversöhnung der orientalischen und der abendländischen Christen herbeigeführt werde.“
Für Norbert Duffner ist klar, dass dieses Erbe am ehesten in der Feier einer Liturgie vermittelt werden kann, „denn zu einem Vortrag kommt keiner.“

Informieren und organisieren
Norbert und Maria Duffner sind die Diözesanreferenten des „Andreas-Petrus-Werkes“, eines römisch-katholischen Hilfs- und Informationswerkes zur Unterstützung des christlichen Orients. Das „Andreas-Petrus-Werk“ organisiert auch die Göttlichen Liturgien in Vorarlberg. Zunächst muss eine Pfarre gefunden werden, die ihre Kirche für eine solche Liturgie zur Verfügung stellt. Weiters braucht es einen katholischen Priester, der eine Liturgie im byzantinischen Ritus feiern darf. Und schließlich müssen alle Utensilien für die Liturgie vorbereitet werden, vor allem die Ikonen. Besonders wichtig sind dabei den Vorarlberger Kenner/innen der Ostkirche die Darstellungen des  Christus Pantokrator („Christus der Allherrscher“), der Gottesmutter, die Andreas-Petrus-Ikone und - natürlich - die Ikone von Johannes Chrysostomos.

TERMIN

Göttliche Liturgie in Bregenz. Mit dem Abt des Stiftes Geras (NÖ), Mag. Michael Karl Proházka OPraem, sowie dem Vorarlberger Johannes-Chrysostomos-Chor.
Sa 9. März, 19 Uhr, Pfarrkirche St. Gallus, Bregenz.