18. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C), 1. August 2010. Wort zum Sonntag von Helmut Zipperle.
Schätze sammeln, die vor Gott reich machen, könnte bedeuten: Schätze sammeln, die aus einer tiefen Achtung dem Leben jedes Menschen gegenüber entstehen. Schätze, die sich aus Sensibilität und konkretem Handeln entwickeln. Schätze, die sich durch ein Lächeln ergeben, das ausdrückt: Es ist gut, dass du da bist! Und der Himmel wird offen stehen . . .
Evangelium
Lk 12, 13–21
Einer aus der Volksmenge bat Jesus: Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen. Er erwiderte ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Schlichter bei euch gemacht? Dann sagte er zu den Leuten: Gebt Acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt.
Und er erzählte ihnen folgendes Beispiel: Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte. Da überlegte er hin und her:
Was soll ich tun? Ich weiß nicht, wo ich meine Ernte unterbringen soll. Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen. Dann kann ich zu mir selber sagen: Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink, und freu dich des Lebens!
Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast? So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist.
2. Lesung
Kol 3, 1–5. 9–11
Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische! Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott. Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit. Darum tötet, was irdisch an euch ist: die Unzucht, die Schamlosigkeit, die Leidenschaft, die bösen Begierden und die Habsucht, die ein Götzendienst ist. [. . .] Belügt einander nicht; denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Taten abgelegt und seid zu einem neuen Menschen geworden, der nach dem Bild seines Schöpfers erneuert wird, um ihn zu erkennen. Wo das geschieht, gibt es nicht mehr Griechen oder Juden, Beschnittene oder Unbeschnittene, Fremde, Skythen, Sklaven oder Freie, sondern Christus ist alles und in allen.
1. Lesung
Koh 1, 2; 2, 21–23
Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das alles ist Windhauch. [. . .] Denn es kommt vor, dass ein Mensch, dessen Besitz durch Wissen, Können und Erfolg erworben wurde, ihn einem andern, der sich nicht dafür angestrengt hat, als dessen Anteil überlassen muss. Auch das ist Windhauch und etwas Schlimmes, das häufig vorkommt. Was erhält der Mensch dann durch seinen ganzen Besitz und durch das Gespinst seines Geistes, für die er sich unter der Sonne anstrengt? Alle Tage besteht sein Geschäft nur aus Sorge und Ärger, und selbst in der Nacht kommt sein Geist nicht zur Ruhe. Auch das ist Windhauch.
Wort zum Sonntag
von Helmuth Zipperle
Ständiger Diakon (ehrenamtlich) im Bereich Seelsorge bei Menschen mit Behinderungen und Fachinspektor für Kath. Religionsunterricht in der Diözese Innsbruck.
Sie erreichen den Autor unter: sonntag@kirchenzeitung.at
Reich vor Gott – reicht!
Weithin kann man ihn wieder hören, den Jedermann-Ruf bei den Salzburger Festspielen. Das Spiel des reichen Mannes, immer aktuell und zeitlos! Wie eine gute Inszenierung passt das Evangelium dazu. Jesus erzählt vom reichen Mann, der sich riesige Scheunen baut, um seine Getreidevorräte unterzubringen. Und so wie beim Jedermann ist die Antwort Jesu klar und einfach: „Du Narr, noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern.“
Wohin dann mit deinem Reichtum? Jesus stellt die Sinnfrage, trifft den Kern von Gestaltung und Ausrichtung des Lebens. Er warnt vor jeder Art von Habgier und Überfluss. Die Ausdrücke haben sich geändert, heute spricht man von Wachstumsraten, Konsumzwang, Profitgier, Einschaltquoten etc. Die Wurzel ist dieselbe.
Habgier hat letztlich mit Geliebt-werden-Wollen und auch mit Lieblosigkeit zu tun. Habgier produziert Modernisierungsverlierer, Unschuldige, die alles ausbaden müssen, Armut.
Habgier hat mit den negativen Folgen von Globalisierung zu tun. Sie fesselt, macht unfrei, hemmt Phantasie und Kreativität.
Habgier steigert die Angst vor Verlust und fördert den Drang nach immer mehr und immer größer. Sie verzerrt die Wahrnehmung für den Nächsten, zerstört Beziehungen, Umwelt, solidarisches Denken.
Habgier will sich letztlich den Himmel auf Erden sichern, das Paradies vorwegnehmen.
Die Jesus-Alternative ist klar, Schätze sammeln, die vor Gott reich machen: Schätze, die aus einer Grundachtung und tiefen Wertschätzung dem Leben gegenüber entstehen; Schätze, die bewusstes Wahrnehmen und Umsetzen von Nächstenliebe erkennen lassen; Schätze, die sich durch Sensibilität und konkretes Handeln entwickeln, gemeinsam mit Menschen am Rand der Gesellschaft. Und da gibt es noch die Schätze, die sich einfach durch ein Lächeln ergeben, das ausdrückt: Es ist gut, dass du da bist!
Zum Weiterdenken
Ein keltischer Trinkspruch lautet: „Mögest du leben solange du willst, und es wollen, solange du lebst.“ An den Schätzen, die ich sammle, kann man erkennen, woran mein Herz hängt. Woran hängt mein Herz?
Von Marianne Springer veröffentlicht am 28.07.2010

