Hildegard von Bingen ist in unseren Breiten vor allem auf Grund ihrer medizinischen Lehre bekannt. Sie hat aber auch heilsame Musik geschrieben, obwohl sie sich selbst nie als Komponistin oder Gelehrte bezeichnete. Musik nach Hildegard bringt nun das „KlangEnsemble“ zur Aufführung. Das KirchenBlatt sprach mit der künstlerischen Leiterin, Michaela Radakovics.

Dietmar Steinmair

Frau Radakovics, wie sind Sie und Ihr Ensemble zur Musik von Hildegard von Bingen gekommen?
Im August 2010 war „Ars Choralis Coeln“ unter der Leitung von Maria Jonas im Feldkircher Dom zu Gast und hat „ Ordo Virtutum“, das geistliche Singspiel von Hildegard von Bingen erklingen lassen. Im Anschluss daran  haben Musikerinnen dieses Chores einen Workshop gehalten, an dem ich als Sängerin teilnahm. Die Musik hat mich dermaßen bewegt, dass ich zwei Wochen später sechs Frauen für diese Musik begeistern konnte, und wir im Oktober 2010 drei Konzerte gesungen haben. Meine Freundin, Margarete Thyssen aus Bremen, die in verschiedenen Ensembles für Alte Musik spielt, hat sich sofort bereit erklärt, uns instrumental zu begleiten.

In Ihren Visionen schreibt Hildegard über die „Musica mundana“, die kosmischen Klänge. Wie kann man sich das vorstellen? Gibt es eine Verbindung zwischen diesen kosmischen Klängen und uns Menschen?
Hildegard von Bingen spricht von sich als Posaunenklang vom lebendigen Licht. Damit meint sie, dass diese Musik durch sie hindurchgeflossen ist, sie ist nicht Ursprung der Musik, sondern Ausführende.
Hildegard hat ein wunderbares Bild geschaffen, das Bild „Der kosmische Mensch“: Es zeigt den Menschen umstrahlt von den Kräften des Kosmos, eingebunden in das Welt-Rad, das in Gottes Händen ruht.
Alle Elemente des Kosmos, Feuer, Luft, Wasser und Erde sind im Menschen lebendig und stehen in ständiger Wechselwirkung zueinander. Hildegard von Bingen sagt: Der Mensch hat Himmel und Erde und alles, was erschaffen ist, in sich vereinigt und alles liegt in ihm verborgen.

Ist für Sie Musik ein besonderer Weg zu Gott? Und ist die Musik von Hildegard von Bingen heilsam?
Musik wie diese ist für mich ein Geschenk des Himmels. Sie berührt meine Seele und bringt mich meinem göttlichen Ursprung näher. Für mich ist diese Musik wie ein klarer Gebirgsbach, der im Sonnenlicht strahlt. Die einstimmig gesungenen Lieder bewegen sich wie frisches, klares Wasser. Es geht gleichzeitig viel Ruhe und Kraft daraus hervor, was wir Sängerinnen alle als sehr heilsam empfinden.

Sie musizieren in der „pythagoreischen Stimmung“, was ist das?
Wir sind die Stimmung des wohltemperierten Klaviers gewohnt, bei der alle Halbtonschritte gleich sind. In der pythagoreischen Stimmung sind diese unterschiedlich, wodurch sich ein besonderes Obertonspektrum bildet, ein Klang, der sich für mich am ehesten mit „sphärisch“ umschreiben lässt. Wir haben hierfür extra Glocken in Berlin anfertigen lassen.

Kosmische Klänge

Insgesamt gibt es 77 Lieder und ein geistliches Singspiel von Hildegard von Bingen. Einiges davon ist - bereichert durch Improvisationen vokaler und instrumentaler Art - im Vorarlberger Oberland zu hören.

Fr 28. Okt., 19 Uhr, Kloster St. Peter in Bludenz
Sa 29. Okt., 19 Uhr, Kirche St. Corneli, Feldkirch/Tosters
So 30. Okt., 17 Uhr, Propstei St. Gerold

Gesang: Annemarie Bitsche, Maria Bösch, Ute Isele-Partl, Michaela Radakovics, Manuela Schallert, Roswitha Zech
Instrumente: Margarete Thyssen
Ensembleleitung: Michaela Radakovics
Eintrittspreis: Euro 12.-    Abendkasse / Schüler und Studenten freier Eintritt.

Der Reinerlös kommt der Wohngemeinschaft „Mutter und Kind“ der Caritas zugute.

Von Simone Rinner veröffentlicht am 20.10.2011

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