Am Samstag, den 18. Juli 2009, werden drei junge Vorarlbergerinnen in der geistlichen Familie „Das Werk“ durch ein “hl. Bündnis ihr ganzes Leben Gott weihen”. Der Bischof von Eichstätt, Dr. Gregor Maria Hanke, wird dem öffentlichen Festgottesdienst um 9.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Gallus in Bregenz vorstehen. Das KirchenBlatt sprach mit den drei Schwestern über ihren besonderen Weg.
Von Wolfgang Ölz
Was haben Sie gemacht, bevor Sie sich in der Gemeinschaft „Das Werk“ engagiert haben?
Sr. Elisabeth: Nach der Reifeprüfung fand ich eine Anstellung im Gastgewerbe in Liechtenstein und später in Italien. In den Ferien war ich acht Jahre lang als Schilehrerin in Lech und am Hochjoch tätig. Im letzten Jahr vor dem Eintritt arbeitete ich schließlich als Diplomkrankenschwester im Krankenhaus in Hohenems.
Wie würden Sie Ihre Berufung beschreiben?
Sr. Claudia: Mit 18 Jahren habe ich durch verschiedene Umstände den Glauben wieder neu entdeckt. Es kam ein Feuer in mein Herz, das mich nie mehr losgelassen hat, ja es wuchs in mir der Wunsch, mein Leben ganz Gott zu schenken. Wenn ich Schwestern sah, dachte ich mir: „Vielleicht ist das auch mein Weg.“ Ich erinnere mich noch genau an die Tage, die ich einmal in der Karwoche im Kloster Thalbach verbrachte. Die Schönheit der Liturgie und des Gebetes haben mich sehr beeindruckt. Ich spürte, dass hier der Herr im Mittelpunkt steht. Es zog mich immer mehr dorthin. Nach längerem inneren Ringen konnte ich mich entscheiden und bin am 8. Oktober 2005 eingetreten. Meine Schwester Elisabeth hat zu einem anderen Zeitpunkt dieselbe Entscheidung unabhängig von mir getroffen.
Sr. Renate: Da meine Eltern oft mit meiner Schwester Carmen und mir in Thalbach in den Gottesdienst gegangen sind, bin ich sehr früh mit dem Werk in Kontakt gekommen. Schon als Kind haben diese mich beeindruckt und ich wollte so sein wie sie. Auch der frohe Familiengeist hat mich angezogen.
Warum haben Sie sich für das Werk entschieden und nicht für eine andere Gemeinschaft?
Sr. Claudia: Ich habe innerlich erkannt, dass Gott mich ins Werk gerufen hat und ich Ihm dort dienen soll. Er hat die Wege vorbereitet und in meinem Herzen vieles grundgelegt, was ich später im Werk wiederfand: die Liebe zum Herzen Jesu, die Anbetung Gottes, die Verehrung des hl. Paulus und das Anliegen um die Einheit in der Kirche.
Wie fühlen Sie sich als Vorarlbergerin in einer solchen internationalen Gemeinschaft?
Sr. Renate: Sehr gut! Dadurch ergeben sich so viele Gelegenheiten, über die Grenzen des eigenen Landes hinauszuschauen. Viele Kulturen oder Bräuche kommen zusammen, was auf der einen Seite natürlich eine Herausforderung darstellt, auf der anderen Seite aber eine unglaubliche Dynamik, Vielfalt und Weite in sich birgt. Besonders schön ist zu sehen, dass der Glaube, die Berufung, ja im letzten Christus selbst uns als eine Familie zusammenfügt, in der es trotz der verschiedensten Hintergründe der Mitglieder möglich ist, in Einheit und Freude zusammenzuleben.
Was ist das spirituelle Zentrum Ihrer Berufung?
Sr. Elisabeth: Alles apostolische Wirken muss vom Gebet und der innigen Beziehung zu Christus getragen sein. Darum ist das geistige Zentrum die hl. Messe, die eucharistische Anbetung und das Stundengebet.
Wo liegt das besonders Faszinierende Ihres Weges?
Sr. Claudia: Faszinierend ist, dass Gott mich in seine Nachfolge gerufen hat. Es ist für jede von uns drei Schwestern eine ganz große Freude, Christus zu gehören und Ihm in seiner Kirche mit all unseren Gaben und Talenten zu dienen.
Wie sehen Sie Ihre Berufung im Kontext von Priester, Laienapostolat und Berufungen der Frauen in der Kirche?
Sr. Renate: Als gottgeweihte Schwestern des Werkes sehen wir uns v.a. als Stütze für die Priester. Unserer Mutter Gründerin war es schon sehr früh ein großes Anliegen, an der Seite des Priesters zu wirken. D. h. wir haben viele Gelegenheiten, den Priestern den Weg zu den Menschen zu bahnen und diese dann zu begleiten. Die gegenseitige
Ergänzung zwischen den verschiedenen Ständen in der Kirche stellt einen großen Reichtum dar und ist für unsere Gemeinschaft wesentlich. Jeder kann das je eigene in ein größeres Ganzes einfügen und baut so das Reich Gottes auf.
Was beinhaltet der Schritt, den Sie am 18. Juli vollziehen werden?
Sr. Elisabeth: Am 18. Juli weihen wir unser Leben dem Herzen Jesu und versprechen ehelos zu leben, um ganz Christus zu gehören. Als äußeres Zeichen empfangen wir den weißen Chormantel und einen Ring. Diesen Chormantel tragen wir von nun an bei der feierlichen Liturgie. Er soll uns stets ein Aufruf sein, unsere Berufung als Braut Christi in Treue zu leben und der Kirche mit lauterem und reinem Gewissen zu dienen.
Sa 18. Juli, 9.30, St. Gallus Bregenz: öffentliche Weihefeier
Drei Lebensgeschichten
Sr. Renate Hämmerle wurde 1987 geboren und kommt aus Dornbirn. Sie schloss die Handelsakadamie in Bregenz erfolgreich mit der Reifeprüfung ab. Im Sommer desselben Jahres trat sie in die Gemeinschaft ein. Ihre ältere Schwester Carmen, ausgebildete Kindergärtnerin, hatte sich zwei Jahre zuvor für das gottgeweihte Leben im „Werk“ entschieden. Mit großer Bereitschaft nahmen die Eltern die Entscheidung ihrer beiden einzigen Kinder an. Freizeitbeschäftigungen in ihrer Schulzeit waren für Renate die Mitarbeit in der Kinderpastoral und das Harfenspiel, in dem sie sich auch in der Gemeinschaft weiterbilden kann. Seit ihrem Eintritt lebt Sr. Renate in einer der beiden Niederlassungen des „Werkes“ in Rom.
Sr. Claudia Zudrell ist 28 Jahre alt und die Jüngste in einer Familie mit sechs Kindern im Silbertal. Sie legte die Reifeprüfung an der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe in Rankweil ab und entschied sich für den Beruf der Krankenschwester. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung war sie am Landeskrankenhaus Feldkirch tätig, bis sie dem Ruf zur Nachfolge Christi in der geistlichen Familie „Das Werk“ folgte. Die Pilgerbetreuung in Rom zählt jetzt u.a. zu ihren konkreten Aufträgen.
Sr. Elisabeth Zudrell aus dem Silbertal, die um zwei Jahre ältere Schwester von Claudia, absolvierte dieselbe Ausbildung in Rankweil und an der Gesundheits- und Krankenpflegeschule in Feldkirch. Ihr Einsatzort vor dem Eintritt in die Gemeinschaft war das LKH Hohenems. Durch verschiedene Ferialjobs konnten die beiden Schwestern wertvolle Kenntnisse in unterschiedlichen Bereichen erwerben, die ihnen auch im Dienst der Kirche zugute kommen. Zur Zeit lebt Sr. Elisabeth in der Schwesterngemeinschaft im Haus St. Josef in Au und ist in der Hauskrankenpflege im Hinteren Bregenzerwald eingesetzt.
Von Dietmar Steinmair veröffentlicht am 09.07.2009

