Eine Studie von Dr. Norman Buschauer über Dr. Edwin Fasching erinnert an diese bemerkenswerte Persönlichkeit und an die Anfänge und Aufbrüche in der Diözese Feldkirch. Von Mag. Klaus Gasperi.

Unsere Welt ist gottlos geworden und der Glaube nimmt in ihr nur noch eine Randposition ein? Schon vor mehr als 70 Jahren kam Dr. Edwin Fasching zu diesem sehr ernüchternden Befund. Der ihm umso mehr zum Ansporn wurde, sich mit ganzer Energie der Seelsorge zu widmen. Langes Reden war nicht seine Sache.

Der eifrige Priester, der von 1939 – 1957 die Geschicke des Seelsorgeamtes in Feldkirch leitete, war ein ungeduldiger Praktiker: „Es wird gewiss viel geredet, aber noch ist die missionarische Pfarrei nicht da!“, beklagte der unermüdliche Aktivist.

In und aus Christus leben.
Eine „Welt in Christus“? so lautete nicht nur eine von Dr. Faschings Zeitschriften, sondern das war auch sein Programm, ganz biblisch am Völkerapostel Paulus orientiert, für den es darum ging, die Welt in Christus zurück- und wieder zusammenzuführen (Eph 1,10). Denn erst dann, darin war sich Fasching mit seinem Bischof Paulus Rusch einig, könnte es gelingen, „dass das Leben des ganzen Volkes gefördert wird und nicht immer nur einzelne Gruppeninteressen für ihr Eigenwohl tätig sind“.

Interesse an „erlebter Geschichte“.
Norman Buschauers eigentliches Interesse gilt dabei weniger der trockenen Forschung als den lebendigen Erfahrungen von Zeitzeugen. Zusätzlich sah sich der Autor mit dem Problem einer sehr schlechten Quellenlage konfrontiert. Manche der dadurch bedingten Grenzen dieser Arbeit rühren allerdings auch daher, dass der Autor zeitgeschichtliche Hintergründe nur knapp abhandelt und zuweilen auf ältere Literatur zurückgreift. Im Anschluss an die Zeitumstände und die Biografie von Dr. Fasching skizziert Buschauer die Entstehung der „Laienorden“ und listet sodann detailliert die zahlreichen Werke auf, die durch den dynamischen Seelsorgeamtsleiter gegründet wurden.

Edwin Fasching - hochNichts ohne die Frauen.
Diese Institutionen verdanken sich zunächst Dr. Faschings Gespür für die jeweilige Situation und seiner stets zur Tat drängenden Spontaneität. Ihr eigentliches Gelingen wurde jedoch erst durch das Engagement der Frohbotinnen möglich: junge, opferbereite Frauen, die auf Faschings Geheiß missionierend durch die Lande zogen, wie die Apostel meist zu Fuß unterwegs, oft nur „mit einem gefrorenen Butterbrot in der Tasche“.
Ein zentrales Kapitel widmet Buschauer den spirituellen Quellen, aus denen Fasching lebte. Neben prägenden missionarischen Gestalten wie Joseph Cardijn und P. Lombardi (mit seiner „Bewegung für eine bessere Welt“) sind hier vor allem die Entdeckung der Bibel und die liturgische Bewegung (unter Einfluss von Romano Guardini und Josef Jungmann) zu nennen.

Die Bibel - verbotene Lektüre?
Am 1. Jänner 1940 notierte Dr. Fasching freudestrahlend: „Das neue Rituale ist ein Geschenk: Endlich dürfen Taufen, Hochzeiten und Begräbnisse auf deutsch gefeiert werden!“ Und eine Frohbotin berichtet aus jener Zeit: „Eine Tante hat mir eine Bibel geschenkt und gesagt: ‚Du darfst es aber niemandem sagen!‘ Ich bin erst später draufgekommen, dass es Katholiken verboten war, die Bibel alleine zu lesen!“
Leider sind solche Zeugnisse in der jetzigen Buchausgabe nicht mehr zu finden, denn auf die Wiedergabe der insgesamt 18 Gespräche mit Zeitzeugen wurde hier verzichtet. Das ist schade, war es doch ein zentrales Anliegen von Buschauers Arbeit, die lebendige Erinnerung zu bewahren.
Glücklicherweise ist wenigstens ein kleiner Teil dieser Geschichten in einem eigenen Büchlein der Batschunser Frohbotinnen nachzulesen. Ohne die eindrückliche Lebendigkeit dieser „Erinnerungen vom Anfang“ wird diese Buchstabensuppe zuweilen zur sperrig-trockenen Kost, der mitunter das würzende Salz des Erlebten fehlt.

Religiöser Aufbruch.
Dennoch liefert das Buch einen wichtigen Schlüssel zu einem Stück Geschichte, dessen Aufbruchseuphorie in den 50er-Jahren allerdings rasch verflog. Der spirituelle Hunger der ersten Nachkriegsjahre reichte nur für ein kurzes religiöses Strohfeuer. Allenthalben wurden neue Kirchen gebaut und Jugendtage wussten mit beeindruckenden Zahlen von an die 5000 Teilnehmer/innen zu begeistern. Theologiestudenten und insbesondere die Frohbotinnen gingen in die Fabriken, um die Arbeiter kennenzulernen und ihnen Christus nahezubringen.

Enttäuschung und sittliche Verflachung.
Doch für Fasching, der von der „Katakombenkirche der Nazizeit“ geprägt war, mischte sich bald Enttäuschung in den beginnenden Aufbruch. Er spürte, dass der mündige Christ und die lebendige Gemeinde nicht so leicht zu bekommen waren. Bereits 1952 beklagte er, „dass der religiöse Ernst der Kriegsjahre verflacht“ und das Christentum wieder zu einer bloßen Gewohnheitssache wurde. Ihm aber ging es um einen lebendigen, ansteckenden Glauben. Die Kirche fand nicht mehr den rechten Ton und hatte Mühe, Zugang zu den Leuten zu finden. Nach der Not des Krieges wollten die Menschen im beginnenden Wirtschaftswunder einfach leben, konsumieren und feiern. Doch die Kirche erblickte in der modernen Welt vor allem Gefahren: Das um sich greifende Wildbaden führe zu sittlicher Verderbnis, und die samstägliche Unterhaltung mache den christlichen Sonntag zunichte, so die Klagen. Und die beständige Missionierung war auch nicht mehr jedermanns Sache: „‚Anna, gehst heut auf den Ball?‘, fragte mich die Jugendleiterin. ‚Dann versuchst ein gutes Gespräch zu haben mit deinem Tänzer!‘ So haben wir lange getanzt und ein religiöses Gespräch geführt.“

Eine „kantige“ Persönlichkeit.
Schwierigkeiten dürften allerdings auch durch Faschings autoritären Führungsstil entstanden sein. „Wo gehobelt wird, da fallen Späne“, so heißt es. Manchen Priestern ging Faschings Identifizierung mit seinen „Werken der Frohbotschaft“ einfach zu weit. Und im Seelsorgeamt munkelte man bisweilen von ihm als dem „Väterchen Stalin“. „Ein Seelsorgeamtsleiter“, so gab Faschings Nachfolger Prälat Ernst Hofer zu bedenken, „muss eben über den einzelnen Gruppen stehen und für alle da sein!“

Prägend für Generationen.
Dabei hat das Wirken Edwin Faschings mit der „neuen Theologie“ der Katholischen Aktion die Kirche in unserem Land tief geprägt. Die verschiedenen katholischen Verbände, die Einführung von Bibelwochen, Jugendtagen, die Gründung der Betriebsseelsorge und des Bildungswerkes sowie des Bildungshauses Batschuns wären ohne Fasching kaum denkbar. Sogar in den kirchlichen Aussagen spiegelte sich der „neue Geist“: Wo andernorts von der hierarchisch gegliederten Kirche die Rede war, da sprach Fasching in Anlehnung an Paulus von der organischen Kirche, in der jeder Körperteil seine eigene Funktion und Wirkweise hat.

Zwischen Dialog und Autorität.
Freilich: Der engagierte Priester dürfte bald gemerkt haben, dass das mit dem organischen Zusammenspiel nicht immer so einfach war. So berichtet eine Frohbotin: „Er hat uns damals die Regel gegeben und gesagt: ‚Da könnt ihr auch dazu Stellung nehmen!‘ Wenn mir etwas fragwürdig vorkam, gab ich Kommentare ab. Aber da hat er mich dann kommen lassen! ‚Was fällt dir eigentlich ein, so ein Mädchen muss mir doch nichts sagen!‘ - Dabei war ich damals 33!“

Schlüssel zu einer fernen Welt.
Abschließend würdigt der Autor Edwin Fasching als kirchlichen Wegweiser, der in einer Umbruchszeit mutig neue Wege beschritt. Es bleibt allerdings die Frage, wie weit die geschlossen katholische Welt der 50er-Jahre heutigem Verstehen überhaupt noch zugänglich ist. Doch die damaligen Ziele - lebendige Gemeinde und aktives Christsein - sind auch heute unverändert aktuell. Norman Buschauers umfangreiche Arbeit erweist sich als erster Schlüssel zu dieser Zeit. Um Edwin Faschings Wirken für die Diözese Feldkirch im zeitgeschichtlichen Zusammenhang zu beleuchten, wären jedoch noch weitere, vertiefende Studien wünschenswert. Gerade die an Initiativen so reiche Geschichte des Werkes der Frohbotschaft von Batschuns, der wichtigsten Gründung von Dr. Fasching, zeigt, dass die Weiterentwicklung eines solchen Anfangs überaus spannend und geistvoll sein kann.
(von Mag. Klaus Gasperi)

Buschauer_fasching_coverDas Buch

Norman Buschauer, Die Kirche gehört in die Welt wie das Salz in die Suppe. Edwin Fasching 1909-1957. Verlag Traugott Bautz GmbH, 2009, e 25,50 .
(Die zugrunde liegende Dissertation ist in der Landesbibliothek erhältlich.)
 



Weitere Literatur:
Vom Aufbruch erzählen. Frauen auf dem Weg zur Gemeinschaft „Werk der Frohbotschaft Batschuns“.
Verlag die quelle, 2006, Preis auf Anfrage.

Vorarlberger Kirchenblatt Nr. 42 vom 18. Okt 2009

Von Marianne Springer veröffentlicht am 14.10.2009

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