Klaus Christa hat ein Buch über die Lebenskunst Joseph Haydns geschrieben. Es handelt sich um ein hochwertiges Fachbuch, das auch jedem Laien helle Freude bereiten wird.

Der renommierte Kammermusikbratschist Klaus Christa ist in Vorarlberg ein Begriff. Vor allem durch die von ihm, zusammen mit Thomas Engel, ins Leben gerufene Konzertreihe „musik in der pforte“ ist er über einen engeren Kreis von Klassikliebhabern hinaus bekannt geworden.

Das nun vorliegende Bändchen zu Haydn hat er seiner Mutter gewidmet, die diesen Herbst im 79. Lebensjahr verstorben ist. Wer dieses Büchlein liest, wird bemerken, dass Christa während dem Schreiben sich immer wieder dankbar an seine Mutter erinnert, wenn sich ihr Leben wie zufällig im Leben des „Einsteins der Wiener Klassik“ spiegelt.
Immer wieder finden musikalische Beobachtungen zu universellen Aphorismen, sodass jede/r seine helle Freude daran haben wird. Im Kapitel „Haydns Lächeln“ mit dem Untertitel „Das andere Gesicht der Dankbarkeit“, schreibt Christa: „Wie oft erstarrt das `Danke´ zu einer bloßen Konvention, wird zu einem Hinweisschild, das ins Leere zeigt. (...)
Haydns Lächeln scheint mir dabei ein hinreißendes Beispiel dafür zu sein, wie sich die Dankbarkeit ihren Weg in unsere Lebenswirklichkeit bahnt. Haydns Lächeln ist der unverfälschte Ausdruck einer tiefen inneren Freude an Musik.“ Die Dankbarkeit weitet sich bei Haydn immer auch ins Metaphysische, über seine Kompositionen schreibt er fast immer „In nomine Domini“ (im Namen des Herren). Gezielte Metaphern, prägnante Formulierungen, gute Zitate und ein niemals pädagogischdozierender Tonfall zeichnen den Sprachstil des Bratsche-Professors am Vorarlberger Konservatorium aus. Der Bezug zur Religion liegt in der Person von Haydn auf der Hand, beschrieben von einem Musiker, der auch spirituell begabt ist. Die Auflage von 1000 Stück wird bald vergriffen
sein. Während Robert Schneider Anfang der 90er Jahre in „Schlafes Bruder“ den bestsellerfähigen, aber klischeegetränkten Umgang mit dem Genialen zelebriert hat, setzt Klaus Christa auf nüchterne, versierte, präzise und echte Beobachtung, die dem Genie eines Joseph Haydn gerecht werden kann.
Auch die beigefügten Musikkostproben des epos:quartett machen dieses Büchlein zu einer willkommenen (Weihnachts-)Gabe für Musiker wie Nicht-Musiker.

Wolfgang Ölz (Vorarlberger KirchenBlatt - Nr. 51/52 - 2011)

 

Bild: epos: quartett - Christine Busch, Violine; Friedemann Wezel, Violine; Brigitte Fatton, Violoncello und Klaus Christa, Viola (von links)

 

Von Hannes Mäser veröffentlicht am 31.12.2011

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