Gedanken zum Hochfest der Weihnacht von Diözesanadministrator Dr. Benno Elbs

„In jenen Tagen“, mit diesen drei kleinen Worten beginnt der Evangelist Lukas eine der schönsten Geschichten, die wir bis heute kennen.

Es ist die Geschichte von der Krippe, zu der wir - gemeinsam mit den Hirten - gehen dürfen,und es ist die Geschichte der bedingungslosen Liebe, die Gott mit den Menschen verbindet.
Es ist eine Geschichte, die sich nicht auf jene fernen Tage beschränkt, sondern bei uns sein will und bei uns ist - jeden Tag.

Wagen wir das Experiment und sehen uns diese Geschichte einmal genauer an. Auch vor mehr als 2000 Jahren war der Alltag oft mühsam, die Sorgen drückten. Die Menschen hatten Angst, sie fürchteten sich davor, was der nächste Tag wohl bringen würde, sie plagten sich mit jenen Problemen, die auch uns nicht unbekannt sind. Es waren Menschen, wie wir heute auch. Menschen, die lachten, die weinten, die auch verzweifelten. Und es waren Menschen, die warteten. Lange hatten sie bereits gewartet, auf den König, der sie retten würde.

Mitten in diesem Warten begegnen wir zwei anderen Menschen: Maria und Josef. Auch sie warten - auf die Geburt eines Kindes. Doch die Herbergen sind voll. Bleibt einzig der Stall von Bethlehem und die Krippe. Der Stern geht auf, die Engel erscheinen, die Hirten eilen - wir kennen die Geschichte gut und seit langem. Und doch nützt sich ihre Botschaft nie ab.

Es ist diese zeitlose Botschaft, dass Jesus Christus zu uns gekommen ist. Nicht im prunkvollen Ornat eines Königs, nicht in hochherrschaftlichen Gemäuern. Nein, in der Krippe im Stall. Er ist zu jenen gekommen, die seiner am dringendsten bedürfen - zu den Verstoßenen, zu den Geächteten, zu jenen, denen die Gesellschaft den Rücken zugekehrt hat. Und: er ist als einer von ihnen gekommen, arm und verletzlich.

Das ist eine zentrale Botschaft des Weihnachtsgeschehens: Gott ist da für uns, er ist bei uns. Nicht als Herrscher, als kleines Kind, das die Not, Armut, Kälte und die Sorgen der Menschen kennt. „Fürchtet euch nicht“, beruhigen die Engel die Hirten. „Fürchtet euch nicht, denn ich bin da. Ich liebe euch - immer“, sagt uns das Kind in der Krippe. Augenblicke dieses „Ich bin da“ wünsche ich Ihnen, liebe Leser/innen des Vorarlberger KirchenBlattes, während des ganzen Jahres - aber im Speziellen zu Weihnachten.

Von Marianne Springer veröffentlicht am 22.12.2011

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