Alpbenediktion mit dem Bischof auf der Hochhirschguntalpe bei Sibratsgfäll. Bild-Bericht von Wolfgang Ölz.
Über hundert Gläubige versammelten sich vor der Hütte der Hochhirschguntalpe bei Sibratsgfäll, um mit Bischof Elmar Fischer Eucharistie und die Segnung der von Menschen bewirtschafteten Natur zu feiern. Unter den Mitfeiernden waren auch viele Bauern, die ihre Kühe über den Sommer hier auf dieser Alpe den Hirten anvertrauen.
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Die Wanderung von Sibratsgfäll zur Hochhirschguntalpe führt durch einen kühlen Wald hinauf zur Alpe, wo sich eine fröhliche Gemeinde versammelte, die den Segen für die Alpe und auch für sich selbst in Empfang nehmen wollte.
Bischof Elmar Fischer sagte: „Die Bauern wissen um die Bedeutung der Alpen für ihr Vieh, da es hier das gute Futter findet. Andererseits leben die Tiere auch gefährlich, sie könnten abstürzen oder vom Blitz erschlagen werden. Den hier lebenden und arbeitenden Menschen ist bewusst, dass sie, über ihr Bemühen hinaus, den Segen von oben brauchen. Dieses Bewusstsein gilt es zu pflegen.“
Echtes Gebet um Gottes Schutz
Die Benediktionen gehen auf die Anfänge der Alpwirtschaft zurück, denn der Mensch hat sich früher noch viel mehr abhängig gewusst von den Naturgewalten und war diesen Gewalten hilfloser ausgeliefert, und deshalb war er auch religiöser. Der Bischof spricht zwar von einer „Notreligiosität“, die dennoch bei vielen zu einem „echten Gebet um Gottes Schutz und Segen“ führte.
Als Bischof führt ihn der Kontakt mit Alpmeister Alfons Bereuter immer wieder dazu, dass er in Sibratsgfäll Alpbenediktionen durchführt. Als Pfarrprovisor von Sibratsgfäll hatte Bischof Elmar Fischer von 1965-1970 noch über dreißig Alpen zu benedizieren. Das bedeutete, dass er ab Mitte Mai an manchen Tagen 3-4 Alpen segnete.
Aus über die Tradition der Kirche gut informierten Kreisen weiß man, dass solche Benediktionen damals nach einem genauen und aufwändigen Ritual erfolgten. Im Gebiet der Diözese Innsbruck schritt der Priester nicht selten segnend das gesamte Gebiet der Alpe inklusive aller Stallungen und Wirtschaftsgebäude ab. Eine bis zu vierstündige Benediktion muss heute in Zeiten des Priestermangels natürlich abgekürzt werden, was nicht bedeutet, dass dieser Segen weniger geschätzt wird.
Erinnerung des Bischofs an einen "sinnvollen Schrecken"
Bischof Elmar Fischer erinnert sich, dass er in seiner Zeit in Sibratsgfäll zum Teil auch die Kinder des Dorfes zu den Benediktionen mitgenommen hat, „weil man da ja nicht nur die Alpe besucht, sondern auch die Natur, zum Beispiel das Wild, beobachten konnte.“ Dazu hat der Bischof auch eine persönliche Erinnerung: „Bei der Wanderung von einer Alpe zur anderen hatte ich einmal einen `sinnvollen Schrecken´, als ich plötzlich einen großen Krach hörte. Da sind ungefähr 20 bis 30 Hirsche aus einem sogenannten Hirschbad, aus einem moorigen Wasser, mit einem ohrenbetäubenden Lärm auf und davon gestürmt - zum Erstaunen und zur Freude der Kinder.“
Wolfgang Ölz
Nachgefragt
Alle Kreaturen brauchen einander
Alfons Bereuter ist der Alpmeister der Hochhirschguntalpe. In dieser Funktion organisiert er den Alpbetrieb, kümmert sich um die Wege zur Alpe, hilft bei Transportflügen mit dem Hubschrauber und stellt überall, wo es nötig ist, seinen Mann. Ein besonderes Anliegen ist ihm als langjähriger PGR-Vorsitzender der Pfarre in Sibratsgfäll auch der Segen von oben, denn „bei der Alpbenediktion erbittet man sich den Segen Gottes für alles, für die Hirten, für das Vieh, für die Arbeit, für gedeihliches Wetter“, wie er offen und ohne Umschweife bekennt.
Wenn früher die Alpwirtschaft mit dem christlichen Glauben noch viel tiefer verbunden war, so sieht Alfons Bereuter aber auch, dass das Christentum heute viel „weltoffener und menschlicher“ geworden ist. Der christliche Glaube ist für den Alpmeister zentral: „Der Glaube macht immer darauf aufmerksam, dass der Mensch und alle Kreaturen aufeinander angewiesen sind, und nur so miteinander ein sinnvolles Leben gestalten und verwirklichen können.“ Auf die Art, wie in Sibratsgfäll die Milchwirtschaft betrieben wird, ist Alfons Bereuter stolz: „Indem wir bewusst und strebsam die kleinen Strukturen erhalten, möchten wir unseren eigenen Weg gehen .“ Ölz
Von Marianne Springer veröffentlicht am 21.07.2010

