Wenn die Not im eigenen Land so groß ist, dass keine Hoffnung in Sicht ist, dann machen sich manche Menschen auf eine Reise. In ein anderes Land, in eine bessere Zukunft. Nun kommen sie zu Wort.

Termin: Begegnungsabend "Auf Augenhöhe"

Wolfgang Ölz

Das Caritas Café unweit des Feldkircher Bahnhofs hat seine Türen für alle Menschen offen. Auch für jene, die in den Straßen der Stadt ungern gesehen werden. Am 14. September werden diese Menschen von sich erzählen, davon was sie bewegt und hoffen lässt.
Gastgeber ist Peter Wieser und sein Team. Für den Caritas-Mitarbeiter ist es wichtig, dass die gefühlsbetonten Debatten - oft genug nur über die Medien geführt - entemotionalisiert werden, wie er im KirchenBlatt-Gespräch sagt. Sein Ziel ist es, dass nicht so sehr über „die Bettler“ allgemein diskutiert wird, sondern dass die Menschen ein Gesicht bekommen. Für die Armutsmigrant/innen hofft er, dass sie an diesem Abend ein Stück weit die Erfahrung machen, dass ihnen zugehört wird, dass jemand Interesse daran hat, wie es ihnen in Vorarlberg wirklich geht.

Erzählcafé war ein Erfolg
Seit November 2015 sind zwei Sozialarbeiterinnen im Einsatz, die die Notreisenden in unterschiedlichsten Anliegen unterstützen. Sabine Vonbank von der Caritas ist für jene im Oberland zuständig, Monika Spiss von den Kaplan Bonetti Sozialwerken für jene im Unterland. Spiss war bereits beim ersten Erzählcafé im vorarlberg museum mit dabei. Im direkten Gespräch konnte in Ruhe erzählt und zugehört werden, so die engagierte Sozialarbeiterin. Überrascht hat sie selbst, dass von den Roma und Sinti die älteren Frauen erzählfreudiger sind als etwa die Männer, sie sind es die den Kontakt nach außen halten.

Betteln stark zurückgegangen
Aufgrund der erlassenen Bettelverbote wird in Vorarlbergs Städten viel weniger in der Öffentlichkeit gebettelt als noch vor einem Jahr. In der Stadt Feldkirch sind aufgrund des Bettelverbotes kaum mehr Bettler/innen und lediglich ca. drei bis fünf Straßenzeitungsverkäufer/innen anzutreffen. Auch das Übernachten im öffentlichen Raum hat im Vergleich zu 2016 stark abgenommen.
Was sich auch verändert hat, ist die Arbeitssituation: Vermehrt finden Armutsreisende Arbeit - allerdings handelt es sich meist um sehr schlecht bezahlte Jobs, die über Personalagenturen vermittelt werden. Zunehmend werden jetzt also - statt Notunterkünften - Unterkünfte für arbeitende Menschen benötigt. Die Sozialarbeiter/innen warnen heute schon davor, dass im Winter nicht genügend Unterkünfte zur Verfügung stehen könnten.

Ein gesellschaftlicher Lernprozess
Auch Monika Spiss, mittlerweile zu einer Fachfrau für die Kultur der Roma und Sinti geworden, wünscht sich im KirchenBlatt-Gespräch, dass durch den Begegnungsabend nächste Woche in Feldkirch mehr Sachlichkeit im Austausch einkehrt. Es handle sich insgesamt um einen gesellschaftlichen Lernprozess, in dem verschiedenen Lebensstile aufeinandertreffen. Es gelte, auf beiden Seiten eine Wahrnehmung ohne Schwarzweiß-Denken zu praktizieren.

Begegnungsabend

Im Rahmen der Ausstellung „Romane Thana. Orte der Roma und Sinti“ laden das vorarlberg museum, die ARGE Wohnungslosenhilfe und das Kontaktprojekt EU-Armutsmigranten zu einem Begegnungsabend mit Armutsmigrant/innen ein. Mitveranstalter sind die Kaplan Bonetti Sozialwerke und die Caritas Vorarlberg.
Schätzungen zufolge halten sich derzeit rund 300 Armutsmigrant/innen in Vorarlberg auf. Sie kommen aus Serbien, aus der Slowakei, aus Bulgarien, aus Rumänien, aus Italien und aus Griechenland. Ein Teil von ihnen gehört zur Gruppe der Roma und Sinti.
In Bregenz, Dornbirn, Feldkirch, Bludenz und Schruns wurde mit Bettelverboten reagiert. Die Orte, an denen Betteln nicht erlaubt ist, sind dabei unterschiedlich definiert.

„Auf Augenhöhe - Notreisende im Gespräch“

Do 14. September, 19 Uhr,
Caritas Café, Wohlwendstraße 1, Feldkirch.
Anmeldung: T 05522 200 1570,

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(aus dem KirchenBlatt Nr. 36 vom 7. September 2017)