KirchenBlatt-Reihe von Petra Steinmair-Pösel.

vergänglich

Rasend schnell ist es geworden – unser Leben. Denn in den 80 oder 90 Jahren muss alles geschehen, was wir uns erhoffen und erträumen. Maximal leidfreies Glück lautet die Sehnsucht. Und dann in den ersten Novembertagen die Konfrontation mit der Vergänglichkeit: Es wird nicht ewig so weitergehen, ruft der Gräberbesuch ins Bewusstsein. Mit all unserem Wissen und Können, mit allen medizinischen, psychologischen und theologischen Erkenntnissen bleibt der Tod doch ein Geheimnis.

Was kommt danach? Nichts sagen manche, und potenzieren mit dieser „Vertröstung auf das Diesseits“ (Paul M. Zulehner) den Erfolgs- und Erlebnisstress in einem viel zu kurz gewordenen Leben. Andere wagen zu hoffen: „Keine Hierarchie von Heiligen auf goldenen Stühlen sitzend, kein Niedersturz verdammter Seelen. Nur Liebe, frei gewordene, niemals aufgezehrte, mich überflutend, kein Schutzmantel starr aus Gold, mit Edelsteinen besetzt, ein spinnwebenleichtes Gewand, ein Hauch mir um die Schultern, Liebkosung … und deine Hand wieder in meiner.“ (Marie Luise Kaschnitz) 

Allerheiligen und Allerseelen – beide Feste erzählen von der Hoffnung, dass die Liebe stärker ist als der Tod. Und, was am Ende dieses Lebens noch nicht ausgereift, was noch beschädigt oder unvollendet ist, dort Heilung und geschenkte Vollendung finden kann. Darauf vertrauen wir, wenn wir für unsere Verstorbenen beten. Vielleicht spüren wir dabei intuitiv, dass die beiden Welten gar nicht so weit auseinanderliegen, wie wir oft denken.

Dr. Petra Steinmair-Pösel

Dr. Petra Steinmair-Pösel
Frauenreferentin der Diözese Feldkirch
petra.steinmair@kath-kirche-vorarlberg.at

Von Marianne Springer veröffentlicht am 29.10.2009

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