Gedanken zur stillen Nacht.

Still und Nacht. Mehr braucht es nicht für das große Geschehen. Keine Partys und Events. Keine Show und Inszenierung. Eher Vorgänge wie abschalten, leiser drehen, dimmen. Dann das große Lassen und Warten. Wir können weder Ort noch Zeit bestimmen. Und schon gar nicht die Art und Weise. Wir müssen alles aus der Hand geben – jede Vorstellung verwischen, Erwartungen über Bord und Pläne ins Feuer werfen. Gott kommt immer anders.

Still und Nacht. Das sagt uns Lukas in seiner Erzählung. So dunkel wie damals wird eine Nacht bei uns kaum sein können – zu viele Lichter stellen wir ihr entgegen. Nur die inneren Nächte, die sind dieselben seit Jahrtausenden. Die Verlorenheit, die Überforderung, die Einsamkeit. Auch die Stille dort ist größer als manch einer ertragen kann. Oft so groß, dass sie vertrieben werden muss. Erst nach langem Aushalten wird sie schön.

Still und Nacht. Gott wird geboren. Er tritt ins Bewusstsein sagen die MystikerInnen. Sie nennen es ‚Gottesgeburt’. Es ist wohl kein alltägliches Ereignis, und doch ereignet es sich im ganz normalen Alltag. Gewahr werden, dass das Göttliche in mir zugegen ist. Was sich so leicht sagt, ist gleichzeitig so schwer in Worte zu fassen - wie die Liebe. Aber wenn es da ist, ist es klar und wahr. Dann leuchtet die Nacht und die Stille klingt. 

 

Von Patricia Begle veröffentlicht am 24.12.2011

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