Ferchl-Blum Annamaria von Annamaria Ferchl-Blum

Anfang Dezember bekam meine Mutter stets ein „Weihnachtsgeld“ von ihrem Mann. Sie hatte kein Einkommen und deshalb bedeutete dies für sie die Freiheit, Geschenke für uns Kinder kaufen zu können. Mein Vater, ganz beheimatet in der Welt des Wirtschaftens und der Berechnung, hatte wenig Sinn für Geschenke, denen immer etwas Verschwenderisches anhaftet.
Zum Schenken braucht es neben dem finanziellen noch weitere Freiräume, damit das Geschenk nicht sein Wesen verfehlt und zum Tauschhandel oder gar zur Erpressung gerät. Der/Die Schenkende begegnet anderen in einer Haltung der Bedingungslosigkeit, getraut sich eine Grenze zum Du zu überschreiten und hat die Muße, die es braucht um ein Geschenk auszuwählen.
Ich bewundere Menschen, die gut schenken können und meistens sind es Frauen. Vielleicht erklärt sich das aus der veralteten Arbeitsteilung, in der Frauen für das Geben zuständig waren und Männer sich um den Gewinn kümmerten. Frauen besitzen einen Schatz an Erfahrungen mit der Kunst des Schenkens. In einer Zeit, in der alle vom Mangel reden und Unordnung im Welthaushalt herrscht, könnte freies Schenken wichtiger denn je sein, schließlich ist es ein Vorgeschmack auf die Fülle, für die wir geschaffen sind.

 

Von Marianne Springer veröffentlicht am 07.12.2011

Zugehörige Themen

Frauen | Advent