„Kunst kann Unsichtbares sichtbar machen”, lautet eine der zentralen Erfahrungen von P. Nathanael Wirth. Sein Lebenswerk, die Propstei von St. Gerold, strahlt diesen Geist aus. Im Folgenden erzählt P. Nathanael von seiner Beziehung zum Priesterkünstler Kim En Joong.

„Du musst unbedingt meinen Freund Kim en Joong kennen lernen”, sagte eines Tages ein ehemaliger Mitschüler zu mir, der spätere Dominikanerpater Willibald. „Denn er ist ein phantastischer Maler zwischen dem Orient und dem Westen.“ Rasch wurde auf Pfingsten hin eine Ausstellung geplant und Kim kam mit Gemälden angereist, die er „Die Sieben Gaben des Heiligen Geistes” nannte. Jedes Bild war in einer bestimmten Farbe des Regenbogens gestaltet, denn der Regenbogen, der Himmel und Erde miteinander verbindet, ist auch das Symbol der Kunst von Kim.

Kim en Joong ist Dominikanerpater und Maler. Er stammt aus Korea. Seine beiden Berufungen, das Priestersein und das Malen, sind für ihn gleichwertig: Hinter dem Sichtbaren soll Gottes Herrlichkeit aufleuchten. Denn das Vergängliche wird durchtränkt von der Botschaft des Unvergänglichen. Kim drückt sich so aus: „Ich will den oberflächlichen Schein der Dinge durchdringen und ausdrücken, was dahinter liegt: die Transzendenz des Göttlichen. Alles Schöne in der Welt ist ein Widerschein der göttlichen Schönheit. Ich möchte mittels Farben und Linien das ewig Gültige und Unsichtbare erahnen lassen.

Meine Kunst soll jedermann ansprechen können, egal ob gläubig oder ungläubig. Die Arbeit mit der Farbe ist wie die Dichtung oder die Musik, sie ist eine der Muttersprachen der ganzen Welt. Das Feiern der Eucharistie ist meine Aufgabe. Ich möchte eine lebendige Opfergabe für die Ehre Gottes sein.“
Letzten Frühling stand Kim auf einmal da und sagte: „Ich bin von diesem Ort so angetan, dass ich für Dich und meinen Freund Willibald Glasfenster malen möchte. Ich will sie St. Gerold schenken. Mit diesen leuchtenden lodernden Farben verwandelte sich plötzlich das Innere der Kirche. Ein mystischer Glanz liegt nun über allem. So wurden die Worte von Rainer Maria Rilke hier wahr: „Nicht dass du Gottes ertrügest die Stimme, bei weitem. Aber das Wehende höre, die ununterbrochene Nachricht, die aus Stille sich bildet.“
Das Betrachten der Fenster ist wie eine Reise. Wenn schon das Sichtbare ein Fenster ist durch das wir hinaussehen zur eigentlichen Wirklichkeit jenseits der Bilder, so sind jetzt unsere farbigen Fenster wieder Fenster für das jenseitige Licht. Fenster sind wie die Augen einer Kirche. Da trifft sich das natürliche Licht mit dem Göttlichen. Denn beim Betrachten geht es um eine Begegnung mit dem Licht, dem Himmel und der Erde. Man schaut die Fenster nicht wie ein Gemälde einer Ausstellung an. Man geht auf eine Reise, bei der man unterwegs zu einem anderen wird. Im Schwingen und Flimmern der Farbe muss erscheinen, was nie dargestellt werden kann.“

Ein Zugang zur Welt des Unsichtbaren. Im Jahre 787 wurde im 2. Konzil von Nizäa die Bilderverehrung erlaubt. „Wie durch Worte und Buchstaben der Bibel das Heil erlangt wird, so wird das Heil auch durch die Farbe der Malerei erlangt. Denn was die Worte aussagen, das findet sich auch in den Farben.“  Der belgische Kardinal Godfried Danneels beschreibt die Arbeit von Kim besonders schön: „Die Kunst von P. Kim hat ihren Platz im unfassbaren Geheimnis von Gott und Mensch. Im künstlerischen Schaffen hebt P. Kim gleichsam den Vorhang von der Welt des Unsichtbaren, in die er uns eintreten lässt. Und wir finden uns darin  wieder - in Verwunderung und Dankbarkeit.“

15. August, 10 Uhr, Gottesdienst mit P. Kim en Joong in der Propstei St. Gerold, anschließend ab 11 Uhr Gespräch (mit Übersetzung aus dem Französischen), T 05550 21 21, € 10,-

(aus KirchenBlatt Nr. 32 vom 15./ 22. August 2010)

Von Alexander Hartmann veröffentlicht am 12.08.2010

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