Das Katholische Bildungswerk Vorarlberg hat am 2. Juni 2010 im Bildungshaus Bezau seine Jahreshauptversammlung durchgeführt und dabei ein Zeichen seiner regionalen und lokalen Verankerung gesetzt
Wertschätzung für die Arbeit vor Ort
"Ich brauche nur einen Bruchteil der Natur, um gut leben zu können."
Jahreshauptversammlung und Geschäftsbericht
... ein festlicher Abschluss
Downloads
Von Hans Rapp
Wertschätzung für die Arbeit vor Ort
"Ich empfinde es als Zeichen der Wertschätzung für unsere Region, dass ihr eure Jahreshauptversammlung hier im Bregenzerwald durchgeführt habt. Macht weiter so". Mit diesen Worten verabschiedete sich am 2. Juni gegen 23 Uhr Abends ein ehemaliger Bildungswerksleiter. Etwa 100 Menschen hatten sich um 17 Uhr zur ordentlichen Jahreshauptversammlung des Katholischen Bildungswerks in Bildungshaus Bezau eingefunden. Es waren BildungswerksleiterInnen und ReferentInnen aus dem ganzen Land, die der Einladung des Obmanns des Bildungswerks, Mag. Christoph Schindegger, in den Bregenzerwald gefolgt waren. Der Abend stand ganz im Zeichen des Bregenzerwaldes. Als Gäste für die Jahreshauptversammlung konnte der Obmann den Politiker und Biobauern Kaspanaze Simma und die Wälder Musikgruppe "Kleaborer Bahnteifl" begrüßen.
nach oben
"Ich brauche nur einen Bruchteil der Natur, um gut leben zu können"
Kaspanaze Simma als Wahlsieger, der für seine Wahlgegner - "unsere Mitbewerber" - Bregenzerwälder Käse bereit hält. 1984 hatte der Andelsbucher Biobauer und Selbstversorger mit diesen Bildern für nationales und internationales Aufsehen gesorgt. Roland Poiger brachte diese Bilder in das Bildungshaus Bezau mit. Sie verliehen seinem Gespräch mit dem Gast an der Jahreshauptversammlung des Katholischen Bildungswerks eine aufregende historische Tiefenschärfe. Simma selbst hatte die Beiträge anlässlich seines Wahlsieges seither nicht mehr gesehen. "Das Gras wächst auch ohne mein Zutun. Ich brauche nur einen Bruchteil der Natur zu nutzen, um gut leben zu können". Diese Einsichten haben das private, politische und berufliche Leben des Bregenzerwälder Biobauern und Politikers bestimmt. Die Auseinandersetzung mit den ökonomischen Bedingungen und Zwängen einer bäuerlichen Existenz in den Siebzigerjahren, stand am Anfang des Berufslebens von Kaspanze Simma. Die Kredite für den Umbau des Wohnhauses - ein Bad und WC wurde eingebaut - und der Kauf eines Traktors -27.000 Schilling hatte der zu Beginn der Siebzigerjahre gekostet - bereiteten dem Jungbauern und seiner Familie Sorgen. Im Bregenzerwald waren die Perspektiven für junge Bauern nicht erfolgversprechend. Diese Situation stand am Anfang einer produktiven Auseinandersetzungen mit den Grenzen und Möglichkeiten eines bäuerlichen Lebens. Im Gespräch mit Roland Poiger erzählt Simma über die Stationen dieser Auseinandersetzung. Da waren die politischen Parteien. Von den "leibhaftigen Linken", denen er damals erstmals begegnet ist, hat er einen Schuss antiautoritären Gedankenguts mitgenommen und das Bewusstsein, dass ökonomische Strukturen wichtig sind. Von den Rechten hat er die Bedeutung der Eigeninitiative gelernt. Von dem Philosophen, Theologen und katholischen Priester Ivan Illich hat er die Skepsis gegenüber einer blinden Technik- und Fortschrittsgläubigkeit gelernt und von der amerikanischen Ökonomin Hazel Henderson einen differenzierten Blick auf die Ökonomie. Unser Leben wir immer stärker durch die Geld-Ökonomie bestimmt und wir nehmen gar nicht mehr wahr, das es auch eine "Wert-Schöpfung" jenseits des Gelderwerbslebens gibt. Die Schöpfung liefert einen Überfluss, den wahrzunehmen wir neu lernen müssen. Wir verfügen aber auch über ein Erbe unserer Vorfahren, die uns einen reichen Erfahrungsschatz hinterlassen haben. Eine reiche Wertschöpfung geschieht auch in einer dritten Schicht der Ökonomie, in die alle Arbeit fällt, die nicht für Geld geleistet wird und ohne die unsere Gesellschaft nicht existieren könnte. Darunter fällt die Familienarbeit, das Ehrenamt, aber auch unsere eigene "landwirtschaftliche" Produktion. "Ein Salat", meint Kaspanaze Simma mit einem strahlenden Gesicht, "den ich selbst gezogen habe, ist für mich viel mehr wert als etwas gekauftes".
nach oben
Jahreshauptversammlung und Geschäftsbericht
Auf die Frage, was Kaspanaze Simma den versammelten Katholischen ErwachsenenbildnerInnen mitgeben würde, denkt er lange nach und meint dann verschmitzt: "Die Kirche ist vielleicht noch der einzige Ort, wo Menschen sich "unverzweckt" versammeln können. Es wäre eine schöne Herausforderung für ErwachsenenbildnerInnen, das in ihren Veranstaltungen zu thematisieren und den Menschen Räume des Austauschs dazu bereit zu stellen". Dass das Katholische Bildungswerk Menschen erfolgreich Erfahrungsräume zur Verfügung stellt, belegt der Leistungsbericht des Bildungswerks. Vorstand und hauptamtliche MitarbeiterInnen präsentierten die Leistungen des Jahres 2009.
Das Jahr 2009 stand für zahlreiche Entwicklungsschritte des Katholischen Bildungswerks. Der Vorstand hat sich insbesondere mit der Klärung des Verhältnisses zum umstrukturierten Pastoralamt der Katholischen Kirche Vorarlberg befasst. Leistungsvereinbarungen regeln nun die Leistungen der Katholischen Kirche für den Verein und umgekehrt. Die Gestaltung und die Unterstützung des Ehrenamts wird den Vorstand als Schwerpunktthema längerfristig begleiten. Die Geschäftsstelle des Bildungswerks konnte erfreuliche Entwicklungen der TeilnehmerInnenstunden des Katholischen Bildungswerks vermelden. Bei 799 Veranstaltungen und 6259 Arbeitseinheiten absolvierten 18051 TeilnehmerInnen insgesamt 131.493 TeilnehmerInnenstunden. Der Hauptteil dieser Veranstaltungen wurde von Ehrenamtlichen in den Pfarren organisiert und durchgeführt! Die Modernisierung der Werbematerialien und des gesamten Cooperative Designs des Bildungswerks sowie ein Qualitätsmanagement-Projekt bildeten neben der laufenden Unterstützung der Ehrenamtlichen die Schwerpunkte der Arbeit der Geschäftsstelle. Die Projekte der Elternbildung wurden in Kooperation mit dem Land Vorarlberg und der Initiative "Kinder in die Mitte" weiter entwickelt. Neben der Weiterentwicklung der Purzelbaum-Gruppen (Verantwortliche Mag. Marlies Enenkel-Huber) und des Projekts eltern.chat, sowie den Bildungsangeboten für Schulen, Kindergärten und Spielgruppen, bildete die Neukonzeption der Elternseminare einen wichtigen Schwerpunkt des Arbeitsjahres. Im Rahmen des Projekts ALT.JUNG.SEIN entwickelten Dr. Evelyn Pfanner und DSA Regina Brunmayr neben dem laufenden Betrieb die Entwicklung eines Semesterprogramms im Sozialzentrum Weidach in Bregenz und begannen mit der Planung eines neuen Ausbildungslehrganges für KursleiterInnen. Das Projekt Auto-Fasten, die Gestaltung der Schöpfungszeit vom 1. bis 4. September und der Aufbau eines Netzwerkes von Engagierten bildeten die Arbeitsschwerpunkte von Mag. Verena Brunner, die eine Auswahl von möglichen Projekten in den Gemeinden mitgebracht hatte.
...ein festlicher Abschluss
Ganz im Zeichen des Dankes für die viele geleistete Arbeit der BildungswerksleiterInnen und der ReferentInnen schloss die Jahreshauptversammlung mit einem gemeinsamen Essen und dem Konzert der "Kleaborer Bahnteifl".
Dr. Hans Rapp
Leiter Katholisches Bildungswerk Vorarlberg
(Zur Bildergalerie gelangen Sie durch einen Klick ins Bild rechts oben.)
Downloads
_Jahresbericht des Katholischen Bildungswerks 2009
_PowerPoint-Folien der Jahreshauptversammlung
Von Hans Rapp veröffentlicht am 03.06.2010
Zugehörige Themen
Schöpfungsverantwortung | ErwachsenenbildungLinks und Dateien
-
Jahresbericht 2009 des Katholischen Bildungswerks Vorarlberg
PDF document, 658.6 kB -
Jahreshauptversammlung des Katholischen Bildungswerks 2010
PDF document, 3.7 MB

