Mehr als 13 Millionen Menschen sind in der Sahelzone von einer Dürre- und Hungerkatastrophe betroffen. Nicht nur der Hunger ist dort allgegenwärtig, auch die Preissteigerungen bei Grundnahrungsmitteln und Treibstoff sowie Versorgungsschwierigkeiten mit Wasser machen den Menschen zu schaffen. "In der Sahelzone erleben die Menschen gerade die Hölle auf Erden", hält Caritas-Präsident Franz Küberl fest und fordert erneut die Erhöhung des österreichischen Budgets für die Entwicklungszusammenarbeit.

1,5 Millionen Euro hat Österreichs Regierung für die Soforthilfe zur Verfügung gestellt hat - es sei zwar erfreulich, dass sie "schneller als bei Katastrophen in den vergangenen Jahre" reagiert habe, dies dürfe jedoch nicht "das einzige bleiben", mahnte Caritas-Präsident Franz Küberl. Für die Nothilfe in den von der derzeitigen Hungerkrise betroffenen Menschen in Niger, Tschad, Mali, im Senegal und in Burkina Faso habe die Caritas Österreich in einem ersten Schritt 485.000 Euro zur Verfügung gestellt. Doch Katastrophenhilfe im Großen Stil kostet viel Geld: 546.000 Millionen Euro wären notwendig und sind erbeten worden.

Erhöhung des EZA-Budgets notwendig
Von der österreichischen Regierung forderte Küberl abermals die Erhöhung des österreichischen EZA-Budgets auf die in den UN-Millennium-Entwicklungszielen vereinbarten und von der Regierung zugesagten 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens. Auf die Erhöhung müsse um so mehr gedrängt werden, als das EZA-Budget allein im Vergleich zum Vorjahr um 14,3 Prozent gesunken sei - "und ich befürchte, das war nicht die letzte Senkung", so Küberl. Zudem müsse die praktische bilaterale Projekthilfe aufgewertet werden.  Nur so könne gewährleistet werden, dass man auf Katastrophenfälle nicht nur im Nachhinein reagieren müsse, sondern auch aktiv an ihrer Prävention mitarbeiten könne.

Wo bleibt der Hilfskorridor?
Besonders in Mali scheint sich die Lage zuzuspitzen: "Als wäre eine Dürre-Katastrophe nicht genug, leiden die Menschen dort auch unter einer politischen Katastrophe." Und wenn ein erfahrener Helfer wie Küberl von einer "unübersichtlichen humanitären Situation" im vom Bürgerkrieg gebeutelten Norden des 1,2 Millionen Quadratmeter großen Landes spricht, lässt sich in etwa erahnen, wie nahe die Opfer dem Abgrund bereits sind. "Es wäre wahnsinnig wichtig, einen Hilfskorridor zu öffnen. Zur Zeit ist Hilfe fast nicht möglich." 

Food for Work 
Die Dürre reicht mittlerweile bis in den Senegal, wo von Norden die Wüste auf das Land mit Meereszugang "drückt".  Dennoch hoffe man, dass sich die Krise nicht ausweite, so Küberl. "Wir bemühen uns, alles, was nur irgendwie geht, in den betroffenen Ländern zu besorgen. Es gibt eine Menge von sehr handfesten Programmen", spielt Küberl insbesondere auf die Projekte, die Ernährungslage der Kinder fördern, an: Die "food-for-work"- bzw. "cash-for-food"-Programme und Saatgut- und Lebensmittelverteilungen. Es gebe zwar Getreide noch teilweise zu kaufen, allerdings seien die Preise unleistbar geworden. Die nächste Ernte in Mali sei erst im Oktober zu erwarten.

Mangelernährung als Zusatzverelendung
"Es geht hier nicht um Summen, die die Welt an den Rand des finanziellen Abgrunds bringen. Aber die Staaten lassen sich halt sehr lange bitten",  zeigt der Caritasdirektor das Dilemma auf.  Doch gerade die Zeit spielt in diesem Drama eine ganz bedeutende Rolle. "Mangelernährung hinterlässt Spuren oft ein ganzes Leben lang, das ist eine Art Zusatzverelendung", so der Caritas-Präsident, der diesbezüglich Kritik übt: "Man hat weltweit immer noch zu wenig klare Strategien, wie man in Entwicklungs- und Katastrophenhilfe zusammenarbeitet." 

Hunger macht apathisch, man stirbt leise
Die 1,5 Millionen Euro Österreichs sieht Küberl als guten ersten Schritt, "ein zweiter Schritt sollte aber schon noch folgen", so Küberl, der an die potenziellen Spendern appellierte: "Bedenkt, dass ihr in einem sehr wohlhabenden Land lebt, in dem es möglich ist, dass viele soziale Probleme gelöst und entschärft werden können. In der Sahelzone erleben die Menschen hingegen gerade die Hölle auf Erden." Die Katastrophe in Afrika dürfe nicht überhört werden: "Hunger macht apathisch, man stirbt leise."   (Red/kathpress/Caritas)

 

 

Von Simone Rinner veröffentlicht am 24.05.2012

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