Treten sie zurück, oder tun sie es nicht - ist derzeit die brisanteste Frage auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Dort haben sich seit einigen Tagen zigtausend Demonstranten eingefunden, um den Militärrat zu zwingen, die Verantwortung an eine zivile Regierung zu übergeben. Der am Montag angekündigte Rücktritt der Übergangsregierung reicht den Demonstranten, zu denen sich auch eine Reihe von koptischen Gruppierungen gesellt hat, nicht aus.

Im Bild: Der Tahrir-Platz in Kairo vor der Besetzung

Gemeinsam mit Demonstranten fordern Kopten einen Rücktritt des Militärrats unter Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi und der Interimsregierung unter Essam Sharaf sowie die Bildung einer "Regierung zur nationalen Rettung". Bei den Demonstrationen berichten mehrere Gruppierungen von einem "völlig ungerechtfertigten" Vorgehen seitens der Sicherheitskräfte gegen die friedlichen Demonstranten. Auch die Bewegung "Copts Without Restrictions" protestierte gegen das Vorgehen und nannte das Anliegen der jugendlichen Demonstranten einen "Kampf für den Fortschritt dieser Nation und Ruf nach dem Fall der Tyrannen".

Mindestens 20 Verletzte an einem Tag
Generalmajor Mohsen El-Fangary hatte am Wochenende wiederum die Demonstranten beschuldigt, dass sie das Rückgrat des Landes brechen wollten - die Armee. Innenminister General Mansour El-Essawy bestritt, dass die Polizei Waffen eingesetzt hätte und bedankte sich bei seinen Polizisten für ihre Selbstbeherrschung. Nach Angaben von Medizinern wurden am Dienstag im Vorfeld des für Dienstag Abend angekündigten "Millionen-Marsch" mindestens 20 Menschen verletzt. Einige seien mit Gummigeschossen im Gesicht getroffen worden. Die Ärzte haben eine provisorische Klinik in der Nähe des Tahrir-Platzes eingerichtet, um Demonstranten dort zu behandeln.

2.000 Demonstranten übernachten auf dem Tahrir-Platz
Rund 38 Oppositionsgruppen hatten zu dem Massenprotest am Dienstag 16.00 Uhr Ortszeit (15.00 Uhr MEZ) aufgerufen, dem etwa 2.000  Demonstranten bereits einen Tag vorher gefolgt waren. Unklar ist nach wie vor, warum die Polizei gerade jetzt, eine Woche vor den Parlamentswahlen, so hart gegen die Demonstranten vorgeht. Aufgrund der unsicheren und angespannten Lage könnten die Wahlen abgesagt oder verschoben werden. Damit würde sich das Militär noch länger an der Macht halten können. Die Regierung versicherte hingegen, dass dies nicht ihre Absicht sei. Vielmehr werde der erste Teil der Parlamentswahlen in einer Woche durchgezogen.

Keine Werbung in der Kirche
Innerhalb der koptischen Gemeinschaft gibt es Kritik an Papst-Patriarch Shenouda, der keine Kandidatenwerbung in Kirchenräumen zulässt. Dadurch würden die koptischen Kandidaten gegenüber islamistischen entschieden benachteiligt, weil diesen in den Moscheen ein breites Forum geboten werde, zitiert eine israelische Tageszeitung eine Studentin.

Demonstration seit Freitag
Die seit Freitag andauernden Auseinandersetzungen hatten ihren Ausgang in einer Demonstration von über 50.000 Menschen gegen die Militärherrschaft und die Übergangsregierung genommen, die von islamistischen Parteien organisiert worden waren, so Kathpress. Nach ihrer großen Protestkundgebung hätten sich die Islamisten aber zurückgezogen. Die Stellung hätten vorwiegend junge Demonstranten gehalten, die eine schnelle Übergabe der Macht vom Militär an eine zivile Regierung forderten. Sie erklärten, sie wollten den Platz erst wieder räumen, wenn ihre Forderungen erfüllt seien.

Von Simone Rinner veröffentlicht am 22.11.2011

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