Lange Zeit waren Flüchtlinge ein "Problem" der anderen Länder - bis vor einigen Jahren die Flüchtlingswelle plötzlich nach Vorarlberg schwappte. Heute hat sich die Lage scheinbar beruhigt. Aber nur scheinbar, denn laut UN müssen immer noch mehr als 65,6 Millionen Menschen aus ihrer Heimat fliehen oder werden vertrieben. So viele wie noch nie.

Die Flüchtlingszahlen haben 2016 den höchsten Stand erreicht, der jemals registriert wurde. Laut des Jahresberichts des UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) waren im vergangenen Jahr weltweit 65,6 Millionen Menschen auf der Flucht. Das sind um 300.000 Personen mehr, als im Vorjahr, als 5,8 Millionen neue Flüchtlinge registriert worden waren. Zwar hat sich der Anstieg damit verlangsamt, die Zahl an Flüchtlingen ist aber nach wie vor hoch.

65,6 Millionen Menschen auf der Flucht

Unter den 65,6 Millionen sind 40,3 Millionen Menschen, die innerhalb des Heimatlandes geflohen sind, die größte Gruppe. Es folgen 22,5 Millionen Flüchtlinge und 2,8 Millionen Asylbewerber, resümiert die UNO-Flüchtlungshilfe. Hinter diesen anonymen Zahlen seien die persönlichen Schicksale zahlloser Kinder, Frauen und Männer verborgen, die von Krieg und Vertreibung ins Elend gestürzt wurden. Im Schnitt wird alle drei Sekunden jemand auf der Welt zur Flucht gezwungen. Einer von 113 Menschen weltweit ist von Flucht und Vertreibung betroffen.

„Egal welchen Maßstab man nimmt, diese Zahl ist nicht zu akzeptieren“, betont UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi. „Wir müssen zusammen sicherstellen, dass die Flüchtlinge, Binnenvertriebenen und Asylsuchenden weltweit angemessen geschützt und versorgt werden.“ Syrien bleibt weiterhin weltweit am stärksten von Flucht und Vertreibung betroffen: Zwölf Millionen Menschen (fast zwei Drittel der Gesamtbevölkerung) sind entweder Binnenvertriebene oder im Ausland als Flüchtlinge und Asylsuchende.

Die Hälfte: Kinder

Rund die Hälfte der weltweiten Flüchtlingsbevölkerung besteht aus Kindern. Im letzten Jahr wurden 75.000 Asylanträge von Kindern gestellt, die allein oder von ihren Eltern getrennt fliehen mussten. Anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni erinnern zahlreiche Hilfsorganisationen wie das Don Bosco Flüchtlingswerk, Diakonie oder Samariterbund an die zum Teil prekäre Lage der Flüchtlinge.

Was kann man tun?

Der Generalsekretär der Katholischen Aktion Steiermark, Erich Hohl, nennt erste Maßnahmen: Die Waffenlieferungen in Kriegs- und Konfliktregionen gelte es zu stoppen und die von Hungerkrisen betroffenen Staaten in Afrika wirtschaftlich zu unterstützen. Entwicklungszusammenarbeit sei ein "Gebot der Stunde". Die wirkungsvollste Maßnahme im Sinne einer Partnerschaft mit Afrika wäre seiner Überzeugung nach jedoch, wenn sich die führenden Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Wirtschaftsmächte darauf verständigen würden, mit den afrikanischen Staaten faire Handelsbedingungen auszuhandeln - und diese auch einzuhalten. Der G20-Gipfel würde die Chance bieten, "einen Startschuss für eine Art Marshall-Plan oder für einen 'Merkel-Plan' für Afrika zu geben", so Hohl. (red / kathpress)