Nach dem US-Jahresbericht zur globalen Religionsfreiheit, der diese Woche veröffentlicht wurde, scheint der Antisemitismus weltweit zu steigen. Speziell Nordkorea, China und der Iran schneiden laut dem Bericht sehr schlecht ab.

Wachsender Antisemitismus weltweit, so der Bericht des US-Außenministeriums. Die US-Regierung zeigte sich über dieses Phänomen besorgt. Leugnung, Verherrlichung oder Relativierung des Holocaust würden sich häufen und es gebe wachsende nationalistische Tendenzen, die auf Juden als „die anderen“ zielten.

Religionsfreiheit in Vorarlberg?

Generell sieht der Bericht keine guten Zeiten für die Religionsfreiheit. Auch hierzulande fühlen sich Muslime wie Juden ihrer Religionsfreiheit, aufgrund der aktuellen Beschneidungs-Debatte, beraubt. Dies erklärte auch Mohamed Elghazzali von der Islamischen Religionsgemeinschaft in Bregenz. Außerdem beklagte er, dass Entscheidungen getroffen worden seien, ohne überhaupt mit muslimischen Amtsträgern gesprochen zu haben, so Elghazzali im Interview mit dem ORF. Landeshauptmann Markus Wallner stellte aber, ebenfalls in einem Interview mit dem ORF, klar, dass er aufgrund des vorübergehenden Beschneidungsverbot in Vorarlberg nie die Menschen in ihrer Religionsfreiheit einschränken noch religiöse Traditionen verletzten wollte.

"Diplomatische Priorität"

Der US-Bericht zeigt auf, dass gerade in Ländern mit politisch-gesellschaftlichen Umbrüchen religiöse Minderheiten in Bedrängnis geraten und verfolgt werden. Dabei werden Gesetze zum Schutz einer Religion zur Unterdrückung Andersgläubigen eingesetzt und manche Regierungen stecken Terroristen und schlichte Gläubige gemeinsam in dieselbe Schublade. Gerade Bahrain, Russland, Irak und Nigeria würden nicht immer zwischen Terrorgruppen und Glaubensgemeinschaften unterscheiden. US-Außenministerin Hillary Clinton wies nachdrücklich darauf hin, dass Religionsfreiheit eine „diplomatische Priorität“ habe und sich die Regierung für dieses Recht „für alle Menschen, überall“ einsetze.

"Verletzter der Religionsfreiheit"

Im Bericht schneiden der Iran und Nordkorea sehr schlecht ab. In den beiden Ländern gibt es kaum Freiheiten, auch keine Religionsfreiheit und sie gelten dadurch als „chronische Verletzter der Religionsfreiheit“. Zusätzlich kritisiert wurden die holocaustleugnenden Internetseiten auf iranischen Servern. Die Lage im Iran habe sich sogar noch zusehendes verschlechtert, kommentierte Diplomatin Suzan Johnson Cook. Der Bericht bemängelt die Einschränkungen für Bahai und Sufis und zeigt auch die nachteilige Entwicklung Chinas auf. Des Weiteren wird Saudi-Arabien aufgrund der Benachteiligung von Schiiten kritisiert und der Regierung Indonesiens wird vorgeworfen, sowohl Christen als auch Anhänger der islamischen Ahmadiyya wegen angeblicher Beleidigung des Islam zu inhaftieren und religiöse Gewalt zu dulden.

Und auch die Situation in Ägypten wird im Dokument der US-Regierung behandelt. Trotz eines Antidiskriminierungsgesetzes hätten Spannungen zwischen Glaubensgruppen zugenommen. Staatlicherseits gebe es nicht nur ein „Versagen, die zunehmende Gewalt gegen koptische Christen zu unterbinden“, sondern auch eine Beteiligung von Sicherheitskräften an Übergriffen. Eine zunehmende Abwanderungen von Christen aus Ägypten würde sich abzeichnen. Ägypten, wie auch Venezuela, wird außerdem aufgrund judenfeindlicher Äußerungen in staatlichen Medien gerügt. Der Bericht spricht aber auch von Vandalenakten gegen Synagogen und jüdischen Friedenhöfen in Frankreich und der Ukraine. Zudem erfährt die Ukraine, aber auch die Niederlande, Kritik aufgrund der judenfeindlichen Sprechchöre bei Fußballspielen. Und wegen des Aufstiegs der offen antisemitischen Jobbik-Partei fällt auch Ungarn negativ auf.

Positive Seite

Aber der Bericht nennt auch positive Dinge, wie etwa die Zusage der Türkei, in der Vergangenheit beschlagnahmte Immobilien von Religionsgemeinschaften zurückzuerstatten. Auch das kritisierte Frankreich wird für Initiativen islamischer und jüdischer Organisationen zur Toleranzerziehung gelobt. Und für Gespräche zwischen der Regierung und dem Rat der Kirchen und Glaubensgemeinschaften zum Schutz der Religionsausübung wird die Ukraine gewürdigt.

"Was Sie schon immer über Juden wissen wollten..."

In Vorarlberg hat sich auch das Jüdische Museum in Hohenems den vielen Fragen rund um das Judentum angenommen. In der seit 27. März laufenden Sonderausstellung „Was Sie schon immer über Juden wissen wollten ... aber nie zu fragen wagten“ werden viele Unklarheiten und Fragen beseitigt. Die Ausstellung läuft noch bis zum 7. Oktober und ist vermutlich gerade in dieser turbulenten Zeit der Beschneidungsdiskussion richtig interessant. Außerdem gibt es zur Ausstellung einen eigenen Blog, bei welchem gestellte Fragen von Hanno Loewy zuverlässig beantwortet werden.