Fastenbotschaften per SMS, Pressekonferenzen im Flugzeug und nun ein Beitrag zu den renommierten TED Talks – Papst Franziskus ist sowas von „drin“!

Auch, wenn er mit der zugehörigen AOL-Werbung von vor fast 20 (!) Jahren vermutlich nicht viel anfangen kann und sie ihm, selbst wenn er es könnte, wohl herzlich egal wäre: Man staunt. Über einen 80-Jährigen, der sich (virtuell) vor die versammelte Kreativelite Vancouvers setzt, die ihrerseits mit Religion vermutlich herzlich wenig am Hut hat. Der dort unter der TED-Überschrift „the future you“ von (Nächsten-)Liebe und Frieden spricht – und zwar so, dass es nicht kitschig und pathetisch klingt, wie das bei solchen Events gern mal passiert, sondern tief, fundiert, geschlossen.

Du – und alle anderen

„Keiner von uns ist eine Insel“, erklärt Franziskus auf Großleinwand. Das, was im Leben wirklich zähle, seien unsere Beziehungen zu anderen. Es gebe, sagt der Papst, aber zu viele, die nicht von so einem Netzwerk aus Gegenseitigkeit profitieren könnten – Einsame, Obdachlose, Arbeitslose, Flüchtlinge, Gefangene, Kranke. Glücklich sei die Zukunft der Menschheit jedoch nur dann, wenn es uns gelänge, Harmonie herzustellen – und dabei alle einzuschließen.

Was wäre wenn

„Wie großartig wäre es“, fragt das Kirchenoberhaupt, „wenn der wissenschaftliche und technischer Fortschritt, auf die wir heute alle so erpicht sind, einhergehen würden mit Gleichheit und Integration aller. Wenn Brüderlichkeit – dieses schöne und manchmal unbequeme Wort – nicht nur ein Begriff der Sozialarbeit wäre, sondern die Grundlage aller Entscheidungen in Wirtschaft und Politik.“ Die Verschwendung – und damit meint der Heilige Vater nicht die von Nahrungsmitteln und materiellen Gütern, sondern die der echten Ressource „Mensch“ – wäre endlich Geschichte.

Ja, wie verquer ist es eigentlich, dass wir nicht uns selbst – den Menschen – ins Zentrum all unseres Denkens und Handelns stellen, sondern Materielles – mein Haus, mein Boot, mein Pferd. Franziskus erinnert an das Gleichnis vom guten Samariter: Auch heute würden die, die Macht und Einfluss hätten, einen Großteil der Menschheit am Straßenrand der Gesellschaft vergessen. Hilfe für diese Abgehängten kommt von denen, die selbst fast nichts haben – paradox!

Das, was dem Leben Geschmack verleiht

„Es gibt so viel zu tun“, sagt der Papst, „und wir müssen es gemeinsam tun.“ Christ zu sein bedeute, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken – was nicht zu verwechseln sei mit naivem Optimismus: Die Tragik unserer Zeit sei in Form von Krieg, Ausbeutung, Flucht und Vertreibung allgegenwärtig, so Franziskus. Die Hoffnung, dass das auch anders werden kann, verleihe dem Leben erst Geschmack – „sie kann so viel erreichen.“

Ein Weg in eine frohere Zukunft sei es also, sich der Welt und seinen Mitmenschen in Zärtlichkeit zuzuwenden, sie zu sehen, hören, berühren – und sich berühren zu lassen. Franziskus empfiehlt diese Form der Achtsamkeit allen – nicht zuletzt den „Großen und Mächtigen“: Je mächtiger jemand ist, je mehr sein Handeln andere beeinflusst, desto mehr ist er zu Demut verpflichtet.
„Macht zu haben, ist wie Gin auf leeren Magen zu trinken – man taumelt, stürzt und reißt am Ende nicht nur sich, sondern auch andere in den Abgrund“ zitiert er ein argentinisches Sprichwort. Die Zukunft liege in unser aller Händen.

Am Ende: Standing ovations für den Papst bei der öffentlichen Erstausstrahlung im kanadischen Vancouver.

Informationen und Termine

Franziskus' TED Talk gibt es – Deutsch untertitelt – übrigens online zum Nachsehen auf YouTube.

Am 15. Juli findet auch im Spielboden Dornbirn eine der renommierten TEDx-Konferenzen statt, Thema: „breaking boundaries“.
Alle Informationen gibt es online unter www.tedxdornbirn.com.