Die Right Livelihood Awards oder auch Alternative Nobelpreise genannt, müssen eigentlich nicht mehr erklärt werden - sie sind den meisten Menschen ein Begriff. Heuer werden damit vier PreisträgerInnen ausgezeichnet, die sich für die Grundlagen für globalen Frieden und Sicherheit einsetzen. Ein guter Grund sich mit ihnen und ihren Anliegen auseinanderzusetzen. Und die sind so vielseitig wie die PreisträgerInnen selbst.

Auf dem Bild rechts: Jamila Raqib (Albert Einstein Institution), Henry McLaughlin (CAAT), Deniz Ataç (Vizevorstand von TEMA), Gene Sharp, Kerèm Brera (Enkel von Hayrettin Karaca), Sima Samar, Anne-Marie O’Reilly (CAAT) (von links nach rechts).

Auch heuer war der Schwedische Reichstag am 7. Dezember wieder Schauplatz einer großen Preisverleihung: Der Right Livelihood Awards. Sie wurden 1980 von Jakob von Uexküll gegründet, um "jene zu ehren und zu unterstützen, die praktische und beispielhafte Antworten zu den dringendsten Herausforderungen unserer Zeit finden und erfolgreich umsetzen". Mit dem Jahr 2012 sind das immerhin 149 PreisträgerInnen aus 62 Ländern.

Grundlagen für globalen Frieden und Sicherheit
Heuer werden vier PreisträgerInnen geehrt, die die Grundlagen für globalen Frieden und Sicherheit hervorheben, erklärt der Geschäftsführer der Right Livelihood Award Foundation Ole von Uexkül: "effektiver gewaltloser Widerstand sowie die Erkenntnis, dass die Waffenindustrie Teil des Problems ist, Menschen- und insbesondere Frauenrechte und die Bewahrung unserer ökologischen Ressourcen." Ihre Namen: Hayrettin Karaca, Sima Samar, Gene Sharp und die Organisation "Campaign against arms trade".

Hayrettin Karaca: Naturschutz
Der erfolgreiche Geschäftsmann und Naturschützer gilt als Großvater der türkischen Umweltbewegung. Die Umweltorganisation TEMA, die er mitbegründete, ist zu einer landesweit arbeitenden Bewegung geworden, die sich für den Schutz von Erdboden und natürlichen Habitaten einsetzt. TEMA bedeutet Türkiye Erozyonla Mücadele Ağaçlandırma ve Doğal Varlıkları Koruma Vakfı - also türkische Gesellschaft zur Bekämpfung von Bodenerosion, zur Wiederaufforstung und dem Schutz von Habitaten.

Karaca wird "für sein lebenslanges Eintreten für den Schutz der Natur, das den eigenen unternehmerischen Erfolg mit dem erfolgreichen Einsatz für die Umwelt verbindet" ausgezeichnet.

Sima Samar: Frauen- und Menschenrechte
Sima Samar ist eine Ärztin der Armen, eine Vorkämpferin für die Ausbildung gesellschaftlich Marginalisierter und eine Verteidigerin der Menschenrechte aller in Afghanistan. Sie gründete und baute die Shuhada-Organisation auf, welche über hundert Schulen sowie 15 Krankenhäuser und Ambulanzen betreibt (Stand 2012). Ihr Anliegen ist hauptsächlich die Bildung und Gesundheitsfürsorge von Frauen und Mädchen.  Sima Samar diente in der Übergangsregierung von Afghanistan und gründete das erste Ministerium für Frauenangelegenheiten. Seit 2004 ist sie Vorsitzende der unabhängigen Menschenrechtskommission von Afghanistan und damit auch ständiger Lebensgefahr aussetzt.

Samar wird „für ihren Mut und ihre Entschlossenheit im Kampf für Menschenrechte und die Rechte von Frauen in einer der instabilsten Regionen der Welt" ausgezeichnet.

Gene Sharp: Gewaltlose Revolution
Gene Sharp gilt als der weltweit führende Experte für gewaltlose Revolutionen und ist als der „Machiavelli der Gewaltlosigkeit“ bezeichnet worden. Mit seinem akademischen Lebenswerk hat er gewaltfreien Widerstand und „people power“ als erfolgreiche Instrumente des politischen Wandels etabliert. Sharps Schriften zu gewaltfreiem Protest wurden von sozialen Bewegungen auf der ganzen Welt angewandt – vom Dschungel in Burma über die Straßen Serbiens bis hin zum Tahrir-Platz in Ägypten während des Arabischen Frühlings.

Sharp wird „...für die Entwicklung und Verbreitung der Prinzipien und Strategien des gewaltlosen Widerstandes und seine aktive Unterstützung für deren praktische Umsetzung in Konfliktsituationen weltweit" ausgezeichnet.

Campaign against arms trade: gegen Waffenhandel
Campaign Against Arms Trade (‚Kampagne gegen Waffenhandel’, CAAT) setzt sich seit 1974 unermüdlich für einen Stopp von Großbritanniens Waffenexporten ein. Dank CAAT hat das öffentliche Bewusstsein für den Waffenhandel zugenommen. Die Gruppe hat erreicht, dass britische Exportsubventionen für Waffenfirmen zurückgegangen sind und hat erfolgreich Druck auf Institutionen ausgeübt, die in waffenexportierende Unternehmen investieren. CAAT hat die Korruption, die Heuchelei und die tödlichen Folgen des Waffenhandels bloßgestellt und war entscheidend daran beteiligt, die Regierung von Großbritannien sowie Waffenfirmen für ihr Verhalten verantwortlich zu machen. Insbesondere hat CAAT BAE Systems, eine der größten Waffenfirmen der Welt, und deren unethische Geschäftsmethoden einer beispiellosen öffentlichen Prüfung unterworfen.

Die Campaign against arms trade wird "für ihren innovativen und effektiven Widerstand gegen den globalen Waffenhandel" ausgezeichnet. (red/www.rightlivelihood.org)

Weitere Informationen zu den Biografien der einzelnen PreisträgerInnen finden Sie hier