Eine kleine, handliche Schachtel für das, was zu schade ist für den Müll: Mit der neuen Genuss Box tragen sie Leckerbissen bequem vom Restaurant in die heimische Küche und verhindern unsinnigen Müll. Ein (neuer) Weg von vielen...

„Für den Hund“ lässt sich mein Vater im Restaurant gern die Dinge mitgeben, die niemand geschafft hat – sehr zum Leidwesen meiner Mutter, die alles will, nur nicht den Eindruck erwecken, man habe „das nötig“. Eine Generation, zwei Welten: Wo die einen internalisiert haben, wie kostbar Lebensmittel sind, versuchen sich die anderen von diesem „Kriegsdenken“ zu emanzipieren.

Ein Störenfried im Panorama

Global hat sich die Mama-Fraktion durchgesetzt: 82 Kilo Nahrungsmittel landen pro Jahr und Kopf ungenossen im Abfall. Zwei Einkaufswägen voller Dinge, die einwandfrei gewesen wären – hätte man sie eben rechtzeitig gegessen. In den Restaurants, Großküchen und Eventcaterings Vorarlbergs sind es im Jahr rund 6.000 Tonnen. Ein Berg, der aus dem sonst so nachhaltigen Alpenpanorama fällt – und dem eine kleine Papierschachtel nun den Kampf ansagt.

Faltbar, tragbar, kühlbar, backbar, recyclebar: Die Genuss Box, die Montag von Landesrat Johannes Rauch und Spartenobmann Andrew Nussbaumer bei einer Pressekonferenz vorgestellt wurde, ist ein Tausendsassa. Verteilt an bereits 130 Gastronomiebetriebe Vorarlbergs soll sie Gästen ab sofort den komfortablen Transport von Übriggebliebenem in die eigenen Küchen erleichtern, wo das Essen ganz einfach in der Verpackung wieder aufgewärmt werden kann.

100% nachhaltig

Anders als bei den in den USA verbreiteten Doggybags aus Schaumpolystyrol besteht die Genuss Box aus kompostierbarem zertifizierten FSC-Papier, das mit Speiseresten verunreinigt im Biomüll entsorgt werden kann und – so weitgehend sauber – im Papiermüll.

Landesrat Rauch träumt von einem einen Paradigmenwechsel: „Ich würde mir wünschen, dass es in Zukunft schick wird und dass sich Menschen, wo immer sie sind und essen, nicht schämen zu sagen: ‚Packen Sie mir den Rest ein.‘“

42.000 Testboxen werden in der Einführungsphase verteilt und sind anschließend zum Stückpreis von 25 Cent beim Projektpartner Messerle erhältlich. Die ersten 50.000 werden vom Land finanziell unterstützt. „Mit einem Aufkleber mit Betriebslogo kann die ‚Genuss Box‘ auch ganz einfach persönlich gestaltet werden“, erklärte Andrew Nussbaumer.

Zu gut für die Tonne

A propos persönlich: Die Gastronomie ist nur ein Bereich, der qua Verordnung Lebensmittel (Das Mindesthaltbarkeitsdatum entspricht oft NICHT dem Verfalldatum!) entsorgt, die eigentlich noch genießbar wären. Die Supermärkte und Vorratskammern unserer Überflussgesellschaft sind zwei weitere. Seit 2005 sorgt der „Tischlein deck‘ Dich“ dafür, dass ein guter Teil dieser Lebensmittel dort ankommt, wo es mit dem Überfluss nicht ganz so weit her ist. Und vielleicht sind die Festtage mit ihren Fressorgien ein Anlass für uns alle, diese Tafel wertvoll zu bereichern – durch Lebensmittel-, Sach-, Geld- oder Zeitspenden.

Zum Weiterlesen

www.vorarlbergisst.at/genussbox
www.vorarlberg.at/genussbox
www.tischlein-deckdich.at