Vatikanbeobachter überraschte Franziskus' Entscheidung kaum – und trotzdem wird der beschlossene Personalwechsel an der Spitze der Glaubenskongregation gerade heftig diskutiert.

Ihr wohl berühmtester Delinquent: Galileo Galilei. Ihre wichtigste Aufgabe: Förderung der katholischen Glaubens- und Sittenlehre. Ihr neuer Präfekt: Erzbischof Luis Ladaria Ferrer.

Grundsatzfragen entscheidend

Und vor allem Punkt 3 – ein neuer Kopf an der Spitze der Glaubenskongregation – ist im Vatikan ein echtes Politikum. Nach fünf Jahren an der Spitze der Behörde muss der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller seinen Posten räumen – um Ladaria Ferrer, bisher Sekretär, Platz zu machen. Der Entscheidung Papst Franziskus‘, Müllers Amtszeit nicht zu verlängern, überrascht Beobachter des Vatikans nicht, wie Ludwig Ring-Eifel, Chefredakteur der Katholischen Nachrichtenagentur, in einem Hintergrundbericht erklärt. Der Absetzung waren mehrere, z. T gravierende Meinungsverschiedenheiten vorausgegangen. Die Kurzfassung: Der Papst war dem obersten Glaubenshüter zu liberal, die Einlassungen der Kongregation empfand Franziskus hingegen als nicht zeitgemäß – und umging sie gerne bzw. ignorierte sie manchmal gleich ganz.
Nein, leicht hatten sie es nicht miteinander – schon gar nicht in grundsätzlichen theologischen Richtungsentscheidungen, bei denen Papst und Müller einfach nicht auf einen grünen Zweig kommen wollten. Rund um die Enzyklika „Amoris Laetitia“ zum Beispiel und die Frage, inwiefern Wiederverheiratete Zugang zu Sakramenten erhalten sollten oder nicht.

Auch, wenn Ladaria Ferrer nicht eben als leidenschaftlicher Kirchenerneuerer bekannt ist, sieht er sich doch als „Mann der Mitte“. Und: Er ist Jesuit wie Franziskus – und teilt mit ihm die Muttersprache Spanisch.

Eine Sprache sprechen

Geboren 1944 auf Mallorca trat Ladaria Ferrer 1966 als Jurist bei den Jesuiten ein. Sein Philosophie- und Theologiestudium absolvierte er an der Päpstlichen Universität Comillas und an der Jesuiten-Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main. 1975 erwarb er einen theologischen Doktortitel an der römischen Universität Gregoriana; im selben Jahr übernahm er eine Professur für Dogmatik in Madrid.

1984 wechselte Ladaria Ferrer als Ordinarius für Dogmatik an die Gregoriana, an der er von 1986 bis 1994 als Vize-Rektor wirkte. Johannes Paul II. berief den Ordensmann 1992 in die Internationale Theologenkommission, 1995 zusätzlich als Berater in die Glaubenskongregation.

Quelle: kathpress.at – 1, 2, 3 / red