Wir sind spitze: Die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen sind in Vorarlberg mit 29,2 Prozent oder 14.884 Euro Differenz so hoch wie in keinem anderen österreichische Bundesland. Obwohl der so genannte Equal Pay Day – also jener Tag, an dem Männer statistisch bereits das Einkommen erreicht haben, für das Frauen noch bis Jahresende arbeiten müssen – heuer auf den 13. Oktober fällt, hätten wir ihn bereits am 16. September „feiern“ müssen, fast einen Monat eher. Ein Armutszeugnis.

Die Einkommensnachteile durch den Gender Pay Gap summieren sich laut Berechnungen der Arbeiterkammer (AK) über ein ganzes Erwerbsleben für Frauen auf durchschnittlich 435.000 Euro. Basis für diese Berechnungen sind die jüngsten Daten der EU-weiten Verdienststrukturerhebung. Demnach bekommen Frauen in Österreich durchschnittlich monatlich 900 Euro weniger bei durchschnittlich 34,5 Erwerbsjahren – so viel wie in kaum einem anderen Land Europas.

Und das seit langem. Wer einen Blick in die rechte Seitenleiste dieses Artikels und die Equal-Pay-Day-Statements der vergangenen Jahre werfen mag, scrollt sich durch die immer gleichen traurigen Bilanzen und Lippenbekenntnisse. Geändert hat sich (fast) nichts – bundesweit sind die Unterschiede im Vergleich zum Vorjahr um 0,7 Prozent gesunken – wie niedlich.

Zweierlei Maß – von Anfang an

Die Ungleichbehandlung beginnt schon beim Berufseinstieg: Obwohl Frauen hierzulande durchschnittlich besser gebildet sind als Männer – Indexwert 118 Prozent – liegt ihr Einstiegsgehalt nach Ende der Ausbildung seltener bei mindestens 1.800 Euro brutto als bei Männern (Indexwert 70). Später, nach dem ersten/zweiten/dritten Kind sind sie es, die einen Großteil der Karenzzeiten schultern oder schlechter bezahlte Teilzeitjobs annehmen, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Folge: Karriereknicks und Einkommenseinbußen.

Strukturen nachhaltig verändern

Sowohl Arbeiterkammer, Arbeitsmarktservice als auch die SPÖ sind sich laut Aussendungen einig, dass das Angebot für Kinderbetreuung darum dringend ausgebaut werden müsse – ebenso jenes für die Pflege: Wenn die eigenen Eltern oder Schwiegereltern pflegebedürftig werden, seien es schließlich oft wieder Frauen, die sich kümmerten – um Arztbesuche, Unterstützung, Unterbringung. Laut AK leisten Frauen pro Woche 65 Stunden bezahlte und unbezahlte Arbeit – Männer 63 Stunden. Auch darum müsse wie in Deutschland über etwas wie Familienarbeitszeit diskutiert werden, außerdem Gehaltstransparenz geschaffen werden.

Wie gut das funktionieren kann, beweist die Initiative Fairer Lohn: Mit gleichem Lohn für gleiche Arbeit steige die Zufriedenheit unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (wir erinnern uns an die Sache mit der Vergleicheritis...), was wiederum die Produktivität des Unternehmens steigere – wovon alle profitierten. Ein Beispiel – für hoffentlich viele.

Quelle: APA via vol.at / red